25.11.2017 - 14:05 Uhr
RegensburgSport

Mit PK aktualisiert: SSV Jahn kontert MSV mit 4:0 in Grund und Boden Regensburg zieht an Duisburg vorbei

Knapp 10.000 Zuschauer an diesem ekelhaften Novembernachmittag meckern nicht über eher ereignislose zweite 45 Minuten: Der SSV Jahn ruht sich in Hälfte 2 auf den Konterlorbeeren aus der ersten Halbzeit aus und sichert sich einen ungefährdeten 4:0 Sieg gegen den MSV Duisburg, der stärker begann als die siegreichen Hausherren. Lange Zeit führen die Gäste in puncto Ballbesitz, gewonnene Zweikämpfe und Torschüsse. Zum Schluss ergeben sich die heute ganz schwarzen Zebras ihrem Schicksal und lassen die Oberpfälzer auf Platz 8 passieren.

Marvin Knoll wieder versöhnt: Gratulation an Joshua Mees, der zum 4:0 einköpft. Bild: Sascha Janne
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Verkehrte Welt: Oft macht der SSV Jahn das Spiel und steht nicht selten mit (halb-) leeren Händen da wie in Hamburg nach 2:0-Führung und einem 2:2 nach zwei Abseitstoren von St.Pauli. An diesem Ekelwetter-Samstag lässt Regensburg den MSV Duisburg kombinieren und schafft mit fünf Torschüssen einen 3:0-Halbzeitstand.

Gruev: „Plötzlich steht’s 3:0“

„Ich denke“, erklärt Duisburgs Trainer Ilia Gruev die hohe Niederlage gegen die Regensburger, „dass die auch heute das gemacht haben, was sie auch letzte Woche richtig gut gemacht haben – im Gegensatz zu uns.“ Seine Mannschaft habe ganz gut angefangen, nach dem 1:0 aber etwas die Grundordnung verloren.

„Und dann haben wir wieder nicht diszipliniert verteidigt.“ Gruev habe schon mit dem sehr geehrten Kollegen Achim gesprochen und auch der habe gesagt: „Plötzlich steht’s 3:0 für uns, so ist manchmal Fußball.“ Die vergangenen Wochen habe den MSV die kompakte Defensive stark gemacht: „Das haben wir heute im Matchplan nicht umsetzen können – das tut weh.“

Beierlorzer: „Spiegelt nicht ganz den Spielverlauf wider“

„Ich bin natürlich mit dem 4:0 total happy“, freut sich Jahn-Coach Achim Beierlorzer, „dass wir drei Punkte heute geholt haben, in diesem wahnsinnig schweren Spiel – wir haben uns in der letzten Woche ganz viele Gedanken gemacht, weil Duisburg das in den letzten Wochen richtig, richtig klasse gemacht hat.“ Eine total disziplinierte Mannschaft, die kaum Torchancen zulasse, in den letzten fünf Spieltagen habe der MSV ein einziges Gegentor bekommen. „Und genau wie Ilia das erzählt hat, es ist immer wieder der Verlauf von so einem Spiel – mit unserem 1:0, das ja jetzt kein herausgespieltes Tor war, ist es einfach unheimlich wichtig gegen so eine kompakte, disziplinierte Mannschaft mit 1:0 in Führung zu gehen.“

Wie der SSV dann aus den Balleroberungen ganz effektiv und präzise nach vorne gespielt und Tore erzielt habe, „dann tut uns so ein 3:0 in der ersten Hälfte wahnsinnig gut, spiegelt aber nicht ganz den Spielverlauf wider“. Man nehme es mit, weil es viele Verläufe gegeben habe, wo man selbst mögliche Tore nicht erzielt habe. „Wir haben uns dann in der Halbzeit noch einmal richtig eingeschworen, mit Mentalität dieses 3:0 zu verteidigen – ich mein’s ganz, ganz ernst.“ Man habe erwartet, dass Duisburg noch mal kommen würde mit seinen starken Spitzen, die eine gewisse Wucht hätten. „Das hat die Mannschaft klasse gemacht, wir haben eine einzige Torchance zugelassen – und dass wir dann noch einmal ein Tor machen ist auch schön.“

Duisburg zu Beginn entschlossener

Jahn-Coach Achim Beierlorzer setzt auf die Startelf aus dem Millerntor, die beim FC St. Pauli ein 2:2 ertrotzte. MSV-Trainer Ilia Gruev bringt nach dem überzeugenden 3:0 gegen Aue lediglich Tim Albutat für den gesperrte Fröde.

Den dritten Anstoßversuch Duisburgs lässt Schiedsrichter Alexander Sather (Grimma) durchgehen. Weiter Einwurf, Kopfball Stanislav Iljutcenko, Pentke muss sich strecken (1.). Auf der anderen Seite läuft Grüttner in den Strafraum, Kevin Wolze klärt zum Einwurf (2.). Duisburg zu Beginn einen Tick entschlossener, weite Flanke auf die verwaiste rechte Seite, Moritz Stoppelkamp bringt den Ball nicht mehr genau, der zweite Ball klar vorbei (4.). Und schon wieder langer Pass, Albutat fast allein Richtung Pentke unterwegs, überhasteter Abschluss, weit vorbei (5.).

Die Gäste kombinieren

Aus dem grauen Nieselnichts: Duisburg bekommt die Kugel nicht richtig weg, Stolzes Schussversuch aus 18 Metern springt Grüttner an die Schulter, Drehschuss aus zehn Metern, 1:0 (8.). Trotzdem führt der MSV sein Spiel unbeirrt fort, Stoppelkamp setzt sich gegen Saller durch, Flanke ins Toraus (13.). Immer wieder schlampige Klärungsversuche der Regensburger, die Gäste kombinieren sich bis zum Fünfer, der letzte Pass auf Cauly Oliveira Souza zu ungenau (18.).

Gleiche Soße auf der rechten Abwehrseite, Saller lässt sich zu leicht überlaufen, Pentke will die Flanke abfangen, Souza mit dem Kopf zuvor am Ball, knapp neben den rechten Pfosten – dürfte keine Ecke geben (19.). Kein gutes Spiel bisher von Regensburg, im Gegenpressing deutlich unterlegen, im Aufbauspiel zu wenig Bewegung und schnelle Ballverluste.

Kontermonster Jahn

Was für ein Dusel: Pentke, Adamayn, Nietfeld, drei Stationen – klar, stark gemacht von Jonas Nietfeld, der den Konter allein zu Ende bringt, drei Gegenspieler ausgewackelt, 2:0 (27.). Aber es bleibt dabei, nach hinten sieht’s grausam aus, schon im Gegenzug geht der MSV-Angriff durch wie Messer durch Butter, der Abschluss aus zehn Metern knapp am rechten Pfosten vorbei.

Vieles bleibt Zufall, Grüttners Flanke von rechts, Bomheuer will per Kopf klären, zwingt Keeper Flekken zu einer Glanzparade, dabei schlägt der sich den Kopf am Pfosten an – kann aber weitermachen (37.). Der SSV sollte sein Glück besser über die Saison verteilen – jeder Halbangriff führt hier zum Tor: Stark gespielter Konter auf Grüttner, der von rechts genau zum richtigen Zeitpunkt auf Lais querlegt und dann macht der das eiskalt, 3:0 (40.).

Keeper Flekken bleibt in der Kabine

Keeper Mark Flekken hat’s doch schlimmer erwischt, er kommt nicht zurück aus der Kabine – für ihn jetzt Daniel Zeaiter zwischen den MSV-Pfosten. Schon läuft der nächste Jahn-Konter: Grüttner lässt für Stolze durch, freie Bahn über rechts, Querpass etwas zu weit, aber da kommt Adamyan angetrabt und zirkelt die Kugel leicht behindert aus elf Metern knapp über die Latte (48.). Allein, die Spielanlage weiter bei Duisburg eleganter, aber bislang brotlos: Engin dribbelt durchs Mittelfeld, findet aber keinen Anspielpartner (58.).

Szenenapplaus für Nietfeld, der sich die Kugel an der Grundlinie und dann auch noch den Einwurf holt (62.). Jann George mit dem zweiten Herantasten: 25 Minuten anstelle von Jonas Nietfeld (65.). Jetzt wird der Marvin Knoll aber so richtig sauer: ein pomadiges Jahn-Mittelfeld lässt die Schwarzen bis in den Strafraum spielen, die 10 wirft sich dazwischen und brüllt ganz Regensburg zusammen (66.). Nun auch das Comeback von Joshua Mees, der Stolze verabschiedet (68.).

Schwerer Boden

Erste Torannäherung von George, der sperrt sich den Weg frei, der Schuss in Keepers Arme (70.). Beim MSV schickt Gruev Kingsly Onuegbu für Iljutcenko aufs Feld. Das soll eine Schwalbe sein: Mees fällt über ein Bein, der Schiri zuckt Gelb (72.). Auf dem schweren Boden sieht vieles aus wie Zeitlupe – ein inzwischen seltener Konter der Regensburger, Geipl ersitzt sich den Ball im Rutschen und versucht’s aus 18 Metern, der Ball kullert Tröpfchen für Tröpfchen neben den linken Pfosten (78.).

Verschlafen guckt die SSV-Abwehr zu, wie die Kugel zu Boris Tashchy am Fünfer drudelt, sein Schüsschen dreht Pentke irgendwie zur Seite und dann ein missglückter Befreiungsschlag. Auf der anderen Seite zieht der Jahn ein kurzes Powerplay rund um den Strafraum auf, bis das glitschige Rund dann doch mal durchgesteckt wird, aber keiner der zwei abseitsverdächtigen Rot-Weißen kann halb im Fallen dem Ding eine ernsthafte Wende geben.

Schlussoffensive: Positives Torverhältnis

Adamyan setzt sich links außen fein durch und zieht aus spitzem Winkel ab, klasse Parade Zeaiter, Ecke – im Gedränge hält Mees den Kopf hin und netzt zum 4:0 ein (87.). Es hätte noch schlimmer kommen können, Regensburg nutzt den Strafraum als Trainingsgelände, Lais kommt mit großen Schritten dazu und hämmert die Kugel an die Latte (89.). Schiri Sather glaubt nicht mehr so recht an eine Wende und pfeift ziemlich pünktlich ab.

Bravo, Jahn Regensburg (19 Punkte, plus 1) zieht an Duisburg (10./19 Punkte, -5 Tore) vorbei, erarbeitet sich ein positives Torverhältnis und erobert einen ehrenwerten 8. Platz. Am kommenden Sonntag, 13.30 Uhr, müssen die Oberpfälzer den besten Platz der vergangenen Zweitliga-Abenteuer beim wiedererstarkten SV Darmstadt 98 (12./18) verteidigen.

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