13.04.2018 - 16:32 Uhr
RegensburgOberpfalz

Mit PK: SSV Jahn schickt die Franken zurück in den Abstiegskampf Fürths Serie gegen Regensburg gerissen

Fürths Serie ist gerissen: 11.105 Zuschauer, darunter 2000 Oberpfälzer, müssen mit anschauen, wie Jahn Regensburg die Franken durch einen 2:1-Auswärtssieg zurück in die Abstiegsschlacht stößt. 10 Heimspiele hatte die SpVgg nicht mehr verloren, in 12 Spielen nur 10 Gegentore kassiert. Aber dann kam Jann George zur Pause, sah seine Chance und traf doppelt (49./82).

Das müsste jetzt der Klassenerhalt sein: Die Regensburger bejubeln den 2:1-Auswärtssieg in Fürth. Bild: Sascha Janne
von Jürgen Herda Kontakt Profil

„Wir wollen natürlich an die Leistung anknüpfen, die wir in Kaiserslautern auf den Platz brachten – wo wir mit hoher Laufbereitschaft und hoher Intensität dem Gegner das Leben schwer gemacht haben“, schwört Jahn-Coach Achim Beierlorzer die Regensburger auf heimstarke Greuther-Fürther ein. Ersetzen muss der Erlanger lediglich den gelb-gesperrten Bene Gimber. Zurück dagegen: Marco Grüttner, Kapitän und bester Schütze.

Und die Beierlorzer-Elf nimmt sich die Worte ihres Trainers zu Herzen: In den ersten 20 Minuten kontrollieren die Regensburger das Geschehen. Nur einmal muss Philipp Pentke eingreifen, als Schalke-Leihgabe Fabian Reese allein vor ihm auftaucht, kneift der Jahn-Keeper die Beine erfolgreich zusammen (21.). Gegen Ende der ersten Halbzeit werden die Hausherren stärker, können aber keine zwingenden Chancen mehr erspielen.

Großer Auftritt

Nach der Pause dann der große Auftritt des eingewechselten Jann George – starkes Solo von Joshua Mees über links, Rückgabe auf George, der zieht von der Strafraumkante ab, die Kugel rauscht leicht abgefälscht ins rechte Eck, 0:1 (48.). Noch ein Wechsel, der sich auszahlt: Kaum im Spiel flankt Jonas Nietfeld von links außen, George nimmt die Kugel volley aus sieben Metern, 0:2 (84.).

Der SSV hätte schon zuvor den Deckel draufmachen können: Beste Konterchancen spielen die Regensburger zu schlampig aus. Deshalb kommt zum Schluss nochmal Spannung auf: Schneller Konter auf Sararer, der schießt Pentke an, die Kugel springt von Pentke auf Geipls Brust und von dort ins Tor, 1:2 (88.).

„Wer den Jann kennt“, will Beierlorzer Jann Georges Wortgefechte am Rande nicht überbewerten, „der weiß, dass er ein emotionaler Fußballspieler ist – dafür habe ich einerseits Verständnis, auf der anderen Seite haben wir auf ihn eingewirkt, dass das im Rahmen geblieben ist.“ Aber er sei kein Kindergärtner, der jedem hinterherrennt.“

Beierlorzer: „44 Punkte, Haken dran!“

„Ich habe ein brutal intensives Spiel gesehen“, sagt der Jahn-Trainer, „zwei Mannschaften, die sich gegenseitig überhaupt keinen Raum gelassen haben.“ In der ersten Hälfte habe sein Team bei der Großchance von Reese Glück gehabt. „Wir konnten uns nicht so durchsetzen und ins Umschaltspiel kommen, wie wir uns das vorgenommen hatten, was definitiv am Druck der Fürther Spieler lag.“

In der zweiten Halbzeit habe man sich vorgenommen, richtig dagegenzuhalten. „Wir haben den ersten richtig tollen Angriff gleich abgeschlossen mit dem 1:0 – haben dann das zweite nachgelegt und waren defensiv schon richtig stabil.“ Spielerische Glanzpunkte habe man nur wenige setzen können, aber die vielen kleinen Fehlpässe hätte auch der Gegner erzwungen. Die wichtigste Erkenntnis: „44 Punkte, jetzt mach‘ ich einen Haken dran!“ Das Navi würde sagen, „Sie haben Ihr Ziel erreicht!“ Für den Jahn der „absolute Wahnsinn“: „Die Mannschaft hat höchstes Lob verdient.“

Burić: „Schach-Matt-Situation“ verspielt

„Ein interessantes Spiel“ hat SpVgg-Coach Damir Burić gesehen. „Viel Power und Willen“ habe sein Team gezeigt. „Wir haben auch eine Situation gehabt, die wir richtig gut rausgespielt haben – und dann kommst du in diese Schach-Matt-Situation, läufst du alleine auf den Torwart zu, dann musst du auch den Ball über die Linie bringen – dann läuft das Spiel in eine ganz andere Richtung.“

Für die zweite Hälfte habe er seine Mannschaft wieder aufgebaut, sie sei auf einem guten Weg – lediglich vor den Standards habe er gewarnt, aber sonst: „Da passiert nicht so viel – und dann kommt so ein billiges Ding, wo du sagst, ob der Ball im Aus war, spielst einfach mal weiter, das darf nicht passieren.“ Man habe so einen großen Aufwand betrieben, aber eben keine Tore gemacht. „Wir müssen uns wieder aufrichten, knallhart analysieren.“

Regensburger Eckenfestival

Khaled Narey geht gleich mal über links los, bringt Ernst in zentrale Position, sein Schuss aus 20 Metern streicht knapp am rechten Pfosten vorbei (2.). Knolls erste Ecke prallt Asgar Sörensen an den Arm, zurückgepfiffen (4.). Schöner Doppelpass mit Joshua Mees, dessen abgefälschter Schuss zu wenig Wumm für Fürths Sascha Burchert dahinter hat (6.). Sargis Adamyan, der hier gut bearbeitet wird, holt noch eine Ecke: Das Ding landet bei Nandzik, ein Bein dazwischen, die nächste Ecke (10.). Nach Adamyans Luftloch versucht es Stolze, der trifft besser, aber zu leicht (11.).

Andi Geipl mit seinen ersten Akzenten: Nach hinten bringt er fast die Abwehr in Schwierigkeiten, vorne hält er Richtung Tribüne drauf (17.). Freistoß Knoll 18 Meter Strafraumkante: in Burcherts Arme. Konter im Gegenzug, Fabian Reese allein vor Pentke, der kneift die Beine zusammen, viel Glück für Regensburg (21.). Sörensen muss frühzeitig das Handtuch werfen, Markus Palionis mit einem Einsatz noch in der ersten Hälfte (23.).

Elegant wie ein Storch

Vierte Ecke für den SSV: Geipls Reingabe hinten rum (25.). Im Mittelfeldfight sieht Jurgen Gjasula Gelb. Der Freistoß am Kreis landet bei Adamyan im Strafraum, der dreht sich schnell, aber das Schüsschen verkümmert (27.). Da stellt sich die Regensburger Abwehr ziemlich dämlich an: Der Rückpass zu Pentke gerät zur Ecke – dann zwei Chaosminuten im Jahn-Strafraum und den Konteransatz erstickt der weit rausgelaufene Keeper-Kapitän mit dem Kopf. Und eine Runde weiter verblödelt Stolze den Ball rechts außen, nachdem er zuvor in aussichtsreicher 3:3-Situation ungenau angespielt worden ist.

Nächste Ecke nach Zusammenspiel von Mees und Nandzik: Grüttners Kopfball zur Seite, die Fürther deuteln Abseits, Adamyan darf von rechts flanken, den Abpraller nimmt Geipl direkt, Burchert reißt die Fäuste hoch (35.). Weite Flanke auf Palionis, der elegant wie ein Storch über den Fürther steigen will, Freistoß. Fürth mit einem schönen Spielzug über den auffälligen Reese, Palionis klärt zur Ecke. Auch Julian Green zeigt jetzt mal, was er eigentlich kann – gerade noch zur nächsten Ecke geblockt. Und dann darf auch noch Narey ein Tänzchen hinlegen, der Abschluss landet aber im Seitenaus (41.).

Da ist dann mal Platz für die Gäste, aber die Regensburger verhudeln den Konter, und Adamyan hält ein Körperteil zum falschen Zeitpunkt in die Flugbahn – sonst hätte rechts außen Marc Lais freie Bahn gehabt (44.). Freistoß Fürth von rechts: Tippkick im Strafraum, im fünften Anlauf gelingt der Befreiungsschlag zeitgleich mit dem Halbzeitpfiff.

George kommt, sieht und trifft

Farbige Begrüßung: Bene Saller rutscht in Levent Aycicek und sieht Gelb (36.). Prima Solo von Mees über links. Rückgabe auf den eben eingewechselten Jann George, der zieht von der Strafraumkante ab, leicht abgefälscht ins rechte Eck, 0:1 (48.). Wieder Mees im Vorwärtsgang, Freistoß 30 Meter zentral: Knoll hält drauf, Burchert boxt den Aufsetzer aus dem rechten Eck. Ecke Nummer 6 aufs kurze Eck, Kopfball knapp neben den Pfosten (50.).

Auf der anderen Seite versucht sich Maximilian Wittek aus 30 Metern, Grüttner köpft das Ding raus und bleibt erst mal liegen (54.). Rechtsverteidiger Roberto Hilpert darf duschen, für ihn kommt Offensivkraft Daniel Steininger, der Ex-Regensburger (57.). Glück für Rot nach Ballverlust von George: Schnell gespielt über Green, dem die Kugel im Strafraum verspringt (59.). Knoll haut zurecht einen Brüller raus: Zu statisch beobachten die Kollegen den Angriff, Knoll per Kopf zur Ecke (61.).

George legt nach

Pentke rettet in letzter Sekunde vor Narey – Ex-Bayer Green muss runter, Sercan Sararer feiert sein Saison-Debut (62.). Das ist bitter: Adamyan der Fleißige bleibt als Stürmer harmlos, er verstolpert in bester Position (64.). Nächste gute Konter-Gelegenheit, nächster Fehlpass, ansonsten wäre Grüttner allein durch gewesen (65.). Aufreizend, wie der SSV die Fürther immer mal wieder rund um den 16er spielen lässt – nur der letzte Pass kommt nicht, Pentke pflückt die Kugel runter (72.).

Ecke Fürth: Kopfball, Knie, weg (74.). Freistoß aus dem Halbfeld, nachdem George Gelb wegen Meckerns sieht. Riesenchance für den Jahn: Grüttner auf Mees, der spielt George am Fünfer an, der schlägt ein Luftloch (77.). Dritter Wechsel beim SSV, Jonas Nietfeld löst den ausgepowerten Adamyan ab (82.). Der Wechsel hat sich gelohnt: Nietfeld holt den Einwurf links außen, bringt die Flanke, George volley aus sieben Metern, 0:2 (84.).

Sararer und Geipl machen’s nochmal spannend

Und Nietfeld macht weiter, wo er angefangen hat: Strammer Schuss aus 20 Metern, Burchert zur Ecke. Und dann bekommen die Gäste den Konter, Sararer schießt Pentke an, die Kugel springt von Pentke auf Geipls Brust und von dort ins Tor, 1:2 (88.). Keine Frage, das kann man auch besser verteidigen die letzten Minuten inklusive der vier Minuten oben drauf: Da hauen die Roten die Bälle nur noch hinten raus – Pentke knallt die Kugel ins Aus.

Aber was soll’s, die Regensburger bekommen das Ding über die Zeit, holen den Dreier in Fürth, stürzen die Gastgeber zurück in die Abstiegsschlacht – und stehen mit 44 Punkten wohl als Nichtabsteiger fest. Beste Voraussetzungen für das ausverkaufte Kult-Duell am kommenden Samstag, 13 Uhr, gegen den FC St. Pauli.

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