Philipp Schober wirft nach Stellungskrieg gegen SSV-Präsidium das Handtuch [Aktualisierung]
Jahn-Investor geht von Bord

Philipp Schober beendet sein Engagement bei Jahn Regensburg. Bild: Global Sports Invest
Sport
Regensburg
13.10.2017
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Jahn-Sportchef Christian Keller (rechts) und Präsident Hans Rothammer bejubeln die Entscheidung von Volker Tretzel. Bild: Herda

Die Geschichte um den umstrittenen Jahn-Investor endet so mysteriös, wie sie begann. Der große Unbekannte Philipp Schober, aus dem sportlichen Nichts aufgetaucht wie Seeungeheuer Nessie, sorgte für Entsetzen bei den Jahn-Funktionären. Und nach einem kurzen Stellungskrieg verschwindet der 31-Jährige wieder von der Bildfläche.

Der Juni hatte es in sich für den frisch gebackenen Zweitligisten Jahn Regensburg: Am 30. Mai, nach dem 2:0-Rückspielsieg beim TSV 1860 München, herrscht pure Euphorie beim Oberpfälzer Fußballverein. Das Team hat soeben den Durchmarsch von der Regionalliga in Liga 2 geschafft, da platzt die erste Bombe: Aufstiegstrainer Heiko Herrlich wechselt zu Bayer Leverkusen – nach seiner Darstellung auch, weil man versäumt hatte, einen Vertrag schriftlich zu fixieren.

Dann der nächste Knalleffekt: Am 1. Juni wird bekannt, dass die Global Sports Invest AG mit Vorstand Philipp Schober die Anteile des Bauteams Tretzel, der 90 Prozent an der SSV Jahn Regensburg GmbH & Co. KGaA gehalten hatte, übernimmt. Der in Vohenstrauß aufgewachsene Triathlet beschreibt in ersten Interviews seine Vision: „Ich möchte nachhaltig den Wert des Vereins steigern und halte es für möglich, dass Regensburg Bundesliga-Standort wird.“ Schobers Hoffnung: „Potente Partner könnten mit einsteigen und den sportlichen Erfolg absichern.“

Flut an Hass-Mails

Nicht nur eingefleischte Fans, auch das Präsidium und das Management des Vereins bezweifeln, dass die Global Sports Invest AG mit dem Kauf – für „ein Vielfaches“ des Angebots, das der Verein abgegeben habe, wie Sportchef Christian Keller sagte – nur hehre Interessen in Regensburg verfolge. Vor allem Präsident Hans Rothammer befeuert die Abneigung bei den Regensburger Ultras, lässt Aktionen gegen den ungeliebten Investor im Stadion zu.

„Zur Not prügeln wir dich aus der Stadt“, zitiert der 31-Jährige aus der Flut von Hass-Mails und -Posts, die besonders nach dem offenen Brief der Ultras über ihn hereinbrach. „Ich fand es schon etwas irritierend, dass sich der Präsident öffentlich hinter diese Kampfansage stellte.“ Schließlich wisse man, wie die Emotionen hochkochen könnten.

Schober will keinen Affront in der Continental-Arena riskieren, verzichtet auf das Derby, das er sich gerne angesehen hätte, und mischt sich nur bei den Auswärtsspielen in Ingolstadt und Sandhausen inkognito unters Publikum. „Ich verstand die Welt nicht mehr“, sagt er über die Feindseligkeit von Leuten, die ihn überhaupt nicht kennen würden. „Schließlich habe ich als Vorstand unsere AG davon überzeugt, beim Jahn-einzusteigen, weil ich seit meiner Kindheit in der Oberpfalz den SSV verfolge.“

Anzeigen und Klagen

Nächste Eskalationsstufe: Im Juli wird bekannt, dass gegen den Unternehmer mehrere Strafanzeigen vorliegen. Unter anderem sollen Tickets für Fußball- und Basketballspiele nicht bezahlt worden sein. Schober wehrt sich gegen die Vorwürfe, zieht auch wegen der Berichterstattung der Mittelbayerische Zeitung vor Gericht. Zuletzt erreicht Schober auch die vom Verein verweigerte Eintragung seiner Anteile ins Aktienregister: „Im September verfügte das Landgericht, dass sie endlich eingetragen wurden.“

Drei Tage später überrascht Klub-Präsident Rothammer bei der Mitgliederversammlung mit der nächsten Volte: Tretzel habe vertraglich das Recht, 62 Prozent der Aktien zurückzukaufen und werde sie dem Jahn übertragen. Damit war für Schober das Maß voll: „Das kannst du nicht gewinnen gegen die da unten“, wirft er entnervt das Handtuch. Der Entschluss sei in den letzten Wochen gereift. „Nur mit einstweiligen Verfügungen sein Recht zu erwirken, ist keine Basis.“ Allerdings handele es sich bei seinem Ausstieg ausdrücklich nicht um die kolportierte Rückabwicklung des Vertrages, sondern um einen freiwilligen Verkauf seiner gesamten Aktien.

Er sei froh, dass jetzt wieder Ruhe einkehre. „In der Wirtschaftswelt wurde mein Engagement, anders als öffentlich dargestellt, durchaus positiv aufgenommen.“ Er freue sich jetzt auf einen entspannten Herbst: „Ich habe viel gelernt. Mir geht’s gut.“ Und er wünsche der Mannschaft, dass sie in der „Kampfarena Zweite Bundesliga“ bestehen könne. Zweifel daran und an der Finanzierung des Rückkaufs will er nicht dementieren.

Der Jahn feiert sich

„Der Dank des SSV Jahn für diesen historischen Schritt gilt Volker Tretzel“, jubelt Jahn-Sportchef Christian Keller. „Dass er den Aktienkauf durch den Verein ermöglicht hat, ist nicht hoch genug einzuschätzen.“ Volker Tretzel habe damit einmal mehr gezeigt, wie sehr ihm der Profifußballstandort Regensburg am Herzen liege. „Ohne sein inzwischen zwölf Jahre andauerndes Engagement als Investor und Sponsor würde es den Jahn in seiner heutigen Form nicht geben. Dieses Engagement verdient höchste Anerkennung.“

Hans Rothammer, Vorstandsvorsitzender des Vereins, untermauert die Bedeutung der Entscheidung: „Der Übergang des 90-prozentigen Eigentums an der KG auf den Verein ist ein Glücksfall für die zukünftige Entwicklung des SSV Jahn.“ Die Markenausrichtung des SSV Jahn als Botschafter der Region Ostbayern könne so langfristig gesichert und ausgebaut werden. Organisatorische, infrastrukturelle und vermarktungsbezogene Weichenstellungen könnten noch zielgerichteter verfolgt werden.
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