28.04.2017 - 01:11 Uhr
RegensburgSport

Regensburg empfängt Favorit Holstein Kiel ohne gesperrte Mittelfeldachse Geipl-Pusch Herrlich setzt auf die nächste Jahn-Überraschung

Die Vorzeichen im DFB-Spiel der Woche könnten für Regensburg (4./54 Punkte) besser sein: Außer der halben Mannschaft Langzeitverletzter, fehlt am Samstag, 14 Uhr, gegen Holstein Kiel (2./55) die gesperrte Mittelfeldachse mit Andi Geipl und Kolja Pusch. Die Bilanz spricht auch keine Bände für den SSV Jahn: Die letzten drei Begegnungen gegen Rot-Weiß gewann der Deutsche Meister von 1912, der seit zehn Spieltagen unbesiegt ist.

Da ist der SSV Jahn auf dem besten Weg, den zweiten Platz in Wehen zu verteidigen. Doch Torschütze Erik Thommy und Marc Lais vergeben beim Stand von 1:1 zwei Elfmeter. Bild: Sascha Janne
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Immerhin ein Trauma wollen die Oberpfälzer nicht wiederholen: „Die Mannschaft hat intern geklärt, dass Marvin Knoll den nächsten Elfer schießt“, erklärt Jahn-Coach Heiko Herrlich die Reaktion auf das Doppel-Fail in Wehen.

„Bester Sturm, beste Verteidigung“, rätselt Kiels Trainer Markus Anfang über taktische Konsequenzen eines Duells zwischen stürmischen Regensburgern und Catenaccio-Störchen. „Wenn man unser Torverhältnis nimmt, müssten wir ganz oben stehen, deshalb hat das nicht so viel Aussagekraft.“ Der Jahn sei eine Mannschaft, die gut nach vorne Fußball spiele, die Holsteiner könnten ganz gut verteidigen, das stimme schon, aber: „Das hat jetzt mit der Taktik gar nichts zu tun.“ Man wisse, was auf einen zukomme und bereite die Jungs darauf vor.

Volles Haus im vorgezogenen Saison-Finish?

Ein möglicher Hexenkessel in Regensburg, wo bereits am Donnerstag 8000 Karten verkauft waren, belaste sein Team jedenfalls nicht: „Jeder Fußballer freut sich, wenn er in ein volles Stadion einläuft – was kann’s Schöneres geben?“ Und erst recht gilt das für die Heimmannschaft: „Das ist natürlich eine zusätzliche Motivation“, freut sich Jahn-Trainer Heiko Herrlich auf eine fünfstellige Kulisse. „Ich denke, dass wir unabhängig vom Ergebnis immer eine sehr gute Leistung gebracht haben, wenn wir hier eine große Kulisse hatten.“

Herrliche Hoffnung, „dass wir nicht nur den Zuschauerrekord brechen, sondern dass das Stadion voll wird“. Die Mannschaft habe sich das in dieser Saison verdient: „Würde uns gut tun, wenn wir volle Unterstützung bekommen würden.“ Eine Unterstützung, die im Erfolgsfall sogar die Chancen auf einen Verbleib von Nachwuchsschanierl Erik Thommy in Regensburg wahrscheinlicher machen könnte: Man werde jedenfalls alles dafür tun, Augsburgs Sportchef Stefan Reuter doch noch umzustimmen – schließlich steigt der Wert des Edeltechnikers eher mit jedem Geniestreich in der Stammelf als auf der Bundesliga-Ersatzbank.

Kiel: Der stärkste Gegner

Von allen Gegnern, gegen die der SSV gespielt habe, sei Holstein Kiel der stärkste gewesen, hatte Heiko Herrlich bereits nach der verdienten 1:2 Niederlage an der Kieler Förde eingestanden. „Ich habe kein Momentum gefunden, wo wir dem Spiel eine Richtung geben hätten können, dass es für uns läuft.“ Eine sehr gute Mannschaft sei das mit vielen Könnern wie Steven Lewerenz, Schütze des Führungstreffers im Hinspiel, oder auch Dominick Drexler, sehr variabel und torgefährlich. „Aber das Entscheidende ist, sie haben die beste Abwehr, sie haben die wenigsten Gegentore bekommen.“ Wo gewinnt man Meisterschaften? Genau, hinten!

Der Jahn habe zwar die meisten Tore geschossen, dennoch werde es sehr schwer, sich gegen die Nordlichter Chancen zu erspielen. Und man müsse bedenken: Wenn es eine Statistik gebe, die das Verhältnis von genutzten und vergebenen Chancen gegenüberstelle, wäre Regensburg mit Abstand Erster – man denke nur an die 100-prozentigen Torchancen vor den beiden vergebenen Elfern in Wehen. „Wir müssen hochkonzentriert spielen und eine Topleistung abrufen, dann wäre was möglich.“ Am besten ist der Jahn bekanntlich, wenn er für eine Überraschung gut sein muss. „Und da glaube ich einfach dran.“

André Luge oder Haris Hyseni?

„Alle sind gesund geblieben“ – bis auf die zehn Verletzten und die gesperrte Mittelfeldachse um Kolja Pusch und Andi Geipl. „André Luge ist sicher eine Möglichkeit“, der diese Lücke schließen könnte. Luge habe eine sehr gute, dann eine durchwachsene Phase an den Tag gelegt. Aber auch taktische Gründe hätten seine Einsätze zuletzt rar werden lassen. „André ist ein schneller Spieler, der gut ist, wenn er im Raum spielen kann, wenn der Gegner sehr hoch verteidigt und wir nach Balleroberungen in die Tiefe spielen können – das hat sich in den letzten Spielen so nicht ergeben.“

Haris Hyseni sei eine andere Alternative: „Er kam vergangene Woche rein und war an gefährlichen Torsituationen beteiligt.“ Er habe auch den Elfmeter rausgeholt, sei in einer guten Verfassung. „Ich bin sicher, egal, wie wir uns entscheiden, dass alle motiviert genug sind, letztendlich das Spiel für uns zu entscheiden und die drei Punkte hier zu lassen.“

Marcs Elfer „hart und präzise“

Nach dem Elfmeter-Trauma von Wehen stellt sich die Frage: Wer soll es diesmal richten, sollte es wieder zu einer solchen Situation kommen – schließlich ist Punktschütze Nummer 1, Andi Geipl, der in der Relegation die Nerven behielt, nicht dabei: „Ich bin immer noch der Meinung, dass der schießen soll, der sich am besten fühlt“, lässt sich Herrlich trotz des vergebenen Elfer-Doppelpacks vom Samstag nicht vom Kurs abbringen. „Gerade der Elfmeter von Marc war eigentlich sehr präzise und hart geschossen“, findet der Trainer nichts auszusetzen, „gerade wenn man da auf Standbild geht, hat man gesehen, dass das eine Topleistung des Torwarts war.“

Egal, wie das Duell endet, der SSV Jahn hat schon jetzt mehr erreicht, als die größten Optimisten vor der Saison zu hoffen gewagt hätten: Vier Spieltage vor dem Saisonende spielt der Aufsteiger nicht gegen den Abstieg, sondern um die lukrativen Plätze 2 bis 4 – und das, obwohl Aufstiegstrainer Herrlich fast über die gesamte Distanz verletzungsbedingt auf eine ungelernte Verteidigung setzen musste. Sicher ein Grund, warum trotz eines herausragenden Keepers die Defensive die größte Schwachstelle darstellt.

Hauptsponsor Netto weitet sein Engagement aus

Dennoch, die Oberpfälzer, die fast mit der Aufstiegsmannschaft aus der Regionalliga einen Durchmarsch ins Bundesliga-Unterhaus möglich machen können, stehen vor einer fußballhistorischen Leistung: Mit 338 Punkten stehen sie auf Platz sechs der Ewigen Tabelle der 3. Liga – nur einen Punkt hinter der SpVgg Unterhaching. Noch ein Dreier und der SSV Jahn ist bestes bayerisches Team der Drittligageschichte. Und ganz nebenbei ist Regensburg auch noch dabei, gestärkt aus der unseligen „Korruptionsaffäre“ hervorzugehen.

Schritt für Schritt befreit sich der frühere Krisenverein von der Abhängigkeit von einem Mäzen und stellt sich mit einer Vielzahl individuell zugeschnittener Sponsorenpakete immer breiter auf. Dazu passt, dass Haupt- und Trikotsponsor Netto seinen Vertrag nicht nur um zwei Jahre verlängert, sondern sein Engagement ausbaut. So soll die Westtribüne künftig Netto-Tribüne heißen. Intern setzt der SSV Jahn auf Kontinuität: Hans Rothammer bleibt bis 2020 Vorstandsvorsitzender des SSV Jahn.

Die Polizei rät

Die Polizeiinspektion Regensburg Süd erhält für das „Spiel mit erhöhtem Risiko“ Unterstützung durch die Bayerische Bereitschaftspolizei, die Bundespolizei und durch verschiedene Polizeidienststellen aus Regensburg. Um ein direktes Aufeinandertreffen der beiden Fan-Lager zu verhindern, würden starke Polizeikräfte vor Ort die Heim- und Gästefans trennen, begleiten und bei Bedarf konsequent einschreiten.

Der Großteil der 600 erwarteten Gästefans werde mit einem Sonderzug gegen 11.22 Uhr am Hauptbahnhof in Regensburg eintreffen. Von hier aus können die Gästefans einen kostenfreien Shuttleservice zum Stadion in Anspruch nehmen. Die Polizei weist darauf hin, dass es durch Fußballfans am Samstag in der Zeit zwischen 12 Uhr und 14 Uhr sowie zwischen 16 Uhr und 17:30 Uhr am Areal um den Hauptbahnhof, entlang der Galgenbergstraße, an der Kreuzung zur Friedenstraße, an der Autobahnanschlussstelle Universität der Autobahn A3 und im unmittelbaren Stadionumfeld zu erheblichen Verkehrsstörungen kommen kann.

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