13.02.2018 - 21:44 Uhr
Regensburg

SSV Jahn Regensburg schwimmt auf einer Euphorie-Welle Träumen (noch) nicht erlaubt

Der SSV Jahn Regensburg spielt eine beeindruckende Saison in der zweiten Fußball-Bundesliga. Doch ein Thema treibt Trainer Achim Beierlorzer derzeit regelmäßig die Zornesröte ins Gesicht.

Ein Bild, das mittlerweile zur Gewohnheit geworden ist: Achim Beierlorzer, Trainer des SSV Jahn Regensburg, kommt derzeit überhaupt nicht mehr aus dem Jubeln raus. Bild: Armin Weigel/dpa
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Unter Statistikern ist es ein beliebter Ritus, Tabellen, die nur die Ergebnisse eines bestimmten Zeitabschnitts darstellen, anschaulich mit Trainer-Namen zu betiteln. Die "Nagelsmann-Tabelle" etwa listet nur die Spiele der TSG Hoffenheim auf, seit Julian Nagelsmann dort als Chefcoach tätig ist. Sie verbildlicht, wie der Trainer-Newcomer aus dem fast sicheren Absteiger einen Europapokal-Teilnehmer geformt hat. Die "Heynckes-Tabelle" wiederum veranschaulicht die Verwandlung des FC Bayern München in die Konkurrenz erdrückende Bundesliga-Dominatoren - der mäßig-holprige Saisonstart unter Vorgänger Carlo Ancelotti wird ausgeklammert. Beim Blick auf die "Beierlorzer-Tabelle" des SSV Jahn Regensburg genügt der aktuelle Stand in der zweiten Liga. Der Nachfolger von Heiko Herrlich ist seit Saisonbeginn in der Oberpfalz tätig. In 22 Spielen sammelte der Jahn unter Beierlorzers Regie satte 33 Zähler - Platz sechs, mickrige drei Punkte Rückstand auf Platz drei - den Aufstiegs-Relegationsplatz.

Noch sieben Punkte

Und genau das ist der Punkt, an dem Beierlorzer derzeit gerne mal seine gute Kinderstube vergisst. "Wenn Sie nach Mallorca in den Urlaub wollen, springen Sie dann schon über Frankreich aus dem Flugzeug, weil Sie sagen: 'Ach nö, neues Ziel, mir gefällt's hier bestimmt viel besser'?", raunzte er jüngst nach dem Sieg über Heidenheim, als die Frage nach möglichen Bundesliga-Ambitionen beim SSV aufkam. Der Jahn-Coach schob umgehend die Erklärung für dieses spezielle beierlorzer'sche Bild hinterher. "Und genau so machen wir das auch. Unser Ziel sind 40 Punkte. Damit ist noch niemand abgestiegen. Und von diesem Ziel werden wir keinen Deut abrücken - und schon gar kein neues formulieren, nur weil es aktuell ganz gut läuft." Das wiederum klingt wie die Untertreibung des Jahres. Vor zwei Jahren noch in den Niederungen der Regionalliga zugange - aufgestiegen in Relegationsspielen gegen die zweite Mannschaft des VfL Wolfsburg. Es folgte die "Zwischenstation 3. Liga" mit den denkwürdigen Relegationsspielen gegen die Münchener "Löwen". Und nun pflügen Beierlorzers Mannen durch die zweite Liga - es könnte die beste Jahn-Spielzeit überhaupt im deutschen Unterhaus werden.

Und das mit begeisterndem Offensivfußball "Beierlorzer' Art mit Leipziger Prägung". Seine Vergangenheit im "Bullen"-Imperium von Ober-Taktik-Guru Ralf Rangnick kann der Jahn-Trainer nicht von der Hand weisen: 4-4-2-System, Vollgas-Pressing unabhängig vom Gegner, überfallartiges Umschaltverhalten, junge Akteure, die vorher selbst Insider nicht auf dem Schirm hatten. Oder wer kannte schon Benedikt Gimber, Asger Sörensen, Joshua Mees, Albion Vrenezi und Sargis Adamyan?

Perfektes Scouting

Gemeinsam mit Sportvorstand Christian Keller leistete Beierlorzer da vorzügliche Scouting-Arbeit. Gepaart mit teils langjährigen Leistungsträgern wie Marvin Knoll, Sebastian Nachreiner, Marc Lais, Andreas Geipl oder Marco Grüttner, die schon zu Regionalliga- und Drittligazeiten das Jahn-Trikot trugen - und mit wachsenden Aufgaben konstant mitgewachsen sind - ergibt das eine lauf- und kampfstarke sowie vor Spielwitz strotzende Einheit. Da der breite Kader vereinzelte Ausfälle wegen Verletzungen oder Sperren verzeiht, und die konditionelle Verfassung von Nummer eins bis Nummer 20 passt, ist gegen den Oberpfalz-Express derzeit kein Kraut gewachsen. Sieben Punkte fehlen noch bis zur magischen 40-Punkte-Marke. "Erst wenn die erreicht ist, denken wir an andere Ziele - vielleicht." Welche das sein könnten? Auf dieses Glatteis lässt sich Beierlorzer nicht locken. Er legt den Fokus lieber auf die Perfektionierung der attraktiven Jahn-Spielweise - die zugleich außerordentlich erfolgreich ist.

In einer Tabelle, die nur die letzten elf Spieltage in Liga zwei abbildet, rangiert der SSV Jahn auf Platz eins. Kein Team sammelte in diesem Zeitraum mehr Zähler. 24 Punkte fügten die Regensburger seit dem 28. Oktober ihrem Konto hinzu. Nur einen Namen gibt es für die Bezeichnung dieser Regensburger Erfolgs-Tabelle noch nicht. Etwa: "Der-Jahn-träumt-von-der-Bundesliga"-Tabelle? Wenn das Achim Beierlorzer liest ...

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