24.02.2017 - 17:48 Uhr
RegensburgSport

SSV Jahn Regensburg zu Gast beim Insolvenz-Club auf der Schwäbischen Alb: VfR Aalen will doppelte Pleite abwenden

Der Verein für Rasenspiele hätte wohl gerne die Probleme des ungeliebten Clubs mit ähnlichem Namen: Während Red Bull dem Rasen-Ballsportlern aus Leipzig Flügeln verleiht, muss der VfR Aalen (7./31 Punkte) den Gang in die geordnete Insolvenz antreten – ein 9-Punkte-Abzug droht. Fans, Spieler und Vereinsbosse wollen am Samstag, 14 Uhr, gegen den SSV Jahn Regensburg (9./30) zeigen: Jetzt erst recht – Schwaben und Pleite, das passt nicht zusammen!

Kommt auch nicht alle Tage vor: Heiko Herrlich schimpft Torschütze Alex Nandzik beim knappen Pokal-Aus gegen Hertha BSC aus. Und der Jahn-Trainer nimmt explizit Bezug zum Spiel in der Woche vor der 0:2-Pleite gegen den VfR Aalen. Bild: dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von Schwaben ein Verein daher, der hat noch einmal ganz andere Lasten zu schultern als Regensburg. Der VfR Aalen marschiert in ein sogenanntes Planinsolvenzverfahren. Schwaben und Insolvenz, wie passt das zusammen? Während sich der SSV Jahn in einem Jahr Zweitliga-Zugehörigkeit trotz des Abstiegs so gut wie entschuldete, hat der Alb-Verein nach dem Gang in Liga 3 seinen Schuldenstand von 2,5 Millionen auf 3,6 Millionen Euro ausgebaut.

Hintertürchen in der Spielordnung

Die wirtschaftliche Schieflage des VfR könnte mit einem Abzug von bis zu 9 Punkten sanktioniert werden – genau die Anzahl, die Aalen derzeit von den Abstiegsplätzen trennt. Eine nicht nur finanzielle, sondern auch sportlich prekäre Lage also. „Es gibt eine Spielordnung des Deutschen Fußball Bundes“, erklärt Holger Hadek, Geschäftsführer Finanzen, „in der klar geregelt ist, dass neun Punkte abgezogen werden, wenn ein Verein Insolvenz beantragt.“

Allerdings entdeckte er auch einen Hoffnungsschimmer in den Regularien: „Wenn zuvor aber ein Hauptsponsor des Vereins – wie in Aalen geschehen – Insolvenz beantragt hat, kann von diesem Neun-Punkte-Abzug abgesehen werden.“ Immerhin: Fans und Spieler zeigen sich solidarisch: Viele Sponsoren hätten, so Geschäftsführer Markus Thiele, eine Zusage für die Fortsetzung ihres Engagements gegeben. Und auch wichtige Spieler würden wohl über die Saison hinaus bleiben.

Vollmann: „Erneut eine harte Aufgabe“

„Eine möglichst große Unterstützung tut uns als Mannschaft sehr gut“, freut sich Kapitän Daniel Bernhardt darüber, dass für das Heimspiel gegen Jahn Regensburg rund 1000 Tickets über dem Schnitt verkauft wurden. „Wir sind heiß auf den Heimsieg und werden wie zuletzt alles raushauen.“ VfR-Trainer Peter Vollmann hat dennoch Respekt vorm Gegner aus der Oberpfalz: „Uns trennt gerade einmal ein Punkt in der Tabelle, insofern wird es erneut eine harte Aufgabe.“

Vom 2:0-Hinspielerfolg, der ersten Niederlage der Regensburger nach dem Aufstieg, könne man sich nichts kaufen: „Das wird wieder eine ganz andere Partie, wir müssen uns im Spiel mit und gegen den Ball einen guten Gegenentwurf zu Regensburg einfallen lassen." Dort hat man die Entwicklung in Aalen natürlich aufmerksam verfolgt: „Ich werde die Spieler darauf hinweisen, dass das für uns kein Vorteil ist“, warnt Jahn-Trainer Heiko Herrlich. „Die Spieler von Aalen sind jetzt doppelt motiviert, weil sie nicht wissen, wie geht‘s mit ihnen weiter, was sind ihre Verträge wert?“

Saison-Aus für Oli Hein

Die Hiobsbotschaft auf Regensburger Seite hat nichts mit Geld oder Spenden zu tun: „Oli Hein hat sich schwer verletzt am Knie“, muss Herrlich zu Protokoll geben – ein unglücklicher Zusammenprall am Trainingsplatz mit Philipp Pentke, und der Schütze des legendären 1:0 beim Relegationsspiel in Karlsruhe fällt für den Rest der Saison aus. „Das trifft uns natürlich hart“, sagt Herrlich, „Oli spielt bisher eine super Saison und er ist ein absoluter Mentalitätsspieler, der mit seiner Art und Weise, Fußball zu spielen, andere mitreißen kann.“

Dennoch sei der Trainer optimistisch, den Ausfall kompensieren zu können: „Robin Urban wird auf dieser Position spielen.“ Er habe – den damals Gelb gesperrten – Hein ja bereits beim Heimspiel gegen Großaspach vertreten „und hat seine Sache sehr gut gemacht“. Mit welcher Eröffnung der Trainer Aalen überraschen wird – wieder Doppelspitze oder mit lauerndem Kolja Pusch vor der hängenden Spitze – lässt Herrlich offen. Für ein junges Talent beginnt in Aalen wohl bereits die Abschiedstournee: Augsburgs Stefan Reuter will Leihgabe Erik Thommy zum Saisonende zurückholen.

Heiko rechnet offen vor

Offene Rechnung mit dem VfR? „Ja, schon ein bisschen“, macht Herrlich aus seinem Herzen keine Mördergrube. „Das Hinspiel war ärgerlich, das haben wir leichtfertig abgegeben.“ Der Motivator erinnert: „Da war die Woche zuvor das Spiel im Pokal gegen Hertha BSC, bei dem die Mannschaft trotz Niederlage mit viel Lob überschüttet wurde – drei Tage später war das Spiel in Aiglsbach.“ Ein Tiefschlag, das zweite Aus im Pokal binnen einer Woche, auch und gerade weil dort die zweite Garde eine Bewährungschance bekam.

„Ich glaube, vielen ist heute noch nicht bewusst, was es bedeutet, wenn wir nächstes Jahr nicht im Pokal spielen können“, macht Herrlich auf die Konsequenzen aufmerksam. Die Tage bis zum Aalen-Spiel habe man damals damit zugebracht, die Scherben wegzuräumen. „Somit ist die Gegnervorbereitung a bissle auf der Strecke geblieben“, gibt der Trainer zu. „Der Fokus war vielleicht nicht ganz so da, und dementsprechend war auch die Leistung am Samstag nicht ganz so, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Ergo habe man da wirklich etwas gutzumachen.

Zwei Serien: Beide können halten

Positiv: sechs Spiele ohne Niederlage, drei Siege. „Wir werden alles dafür tun, auf dieser Spur zu bleiben.“ Die Gegenrechnung: Auch schon fünfmal ungeschlagen präsentierte sich Aalen, zuletzt mit einem Auswärtssieg in Chemnitz. „Sie sind effektiv, machen aus wenig Möglichkeiten ihre Tore“, lobt der Jahn-Coach den Gegner.“ Matthias Morys, Schütze des 1:0 im Hinspiel, gelte es, in Schach zu halten. „Da haben wir eine Menge zu tun, als Mannschaft, als Team – wenn wir das schaffen, haben wir sehr gute Chancen, den Offensivverbund schon mal teilweise stillzulegen.“

Damit die Serie nicht reißt, müsse der SSV Jahn seine Stärken in der Offensive wieder beleben – „den Sack zumachen, statt Punkte verschenken“ – und die Schwächen in der Abwehr abstellen, ergo die zuletzt stabilisierte Defensive weiter festigen. „Unser Ziel ist natürlich auch in Aalen, dass wir versuchen, die Null zu halten, aber trotzdem so offensiv zu spielen, dass wir uns Torchancen erarbeiten, und die natürlich auch machen.“

 

 

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