30.08.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgSport

Starke 20 Minuten reichen nur für 1:1 gegen Cottbus Jahn verspielt Sieg gegen Energie

Nach der Pause hätte sich manch ein Jahn-Fan unter den 3548 Zuschauern gerne auf ein Unentschieden geeinigt – nach der zweiten Halbzeit war das 1:1 gegen Energie Cottbus zu wenig. Die Regensburger beherrschten die leicht favorisierten Lausitzer und spielten sie 20 Minuten nach der Pause mit der vielleicht besten Saisonleistung an die Wand.

Stephan Loboué und Oli Hein führen den Jahn ins Spiel gegen Energie Cottbus. Bilder: Herda/Göpel
von Jürgen Herda Kontakt Profil

In den ersten 45 Minuten tritt Alex Schmidts Prognose ein: „Es wird vielleicht nicht so ein attraktives Spiel.“ So kann man das sagen. Die beiden Mannschaften egalisieren sich über weite Strecken. Das bedeutet im Umkehrschluss aber immerhin auch, dass die zweitschlechteste Abwehrreihe (17 Gegentore wie VFB Stuttgart II, Mainz hat 18) kaum Cottbusser Chancen zuließ.

Bestandsschutz für die Innenverteidigung

Der Bestandsschutz des experimentierfreudigen Trainers hat Gültigkeit: Die zuletzt hochgelobte Innenverteidigervariante mit Thomas „jede Woche besser“ Kurz und Matthias „Regensburger Junge“ Dürmeyer darf im zweiten Spiel in Folge ran. Der Jahn bietet die gleiche Startelf wie beim 2:1 in Stuttgart auf – und die zeigt sich in den Anfangsminuten engagiert und couragiert!

Erste Torannäherung der Gäste: Manuel Zeitz bringt die erste Freistoßflanke von links, der scharfe Ball streift an den zu kurzen Köpfen der Regensburger vorbei, aber ein Haarbüschel muss dran gewesen sein – Ecke zur Freude von Gästetrainer Stefan Krämer, der die Schwäche der Oberpfälzer kennt und seine Schützlinge wiederholt auffordert, Ecken rauszuholen. Die erste ist freilich zu schwach (7.).

Bruder Leichtsinn und der quirlige Michel

Die ersten 15 Minuten vergehen ohne Torraumszenen. Der erste gelungene Spielzug der Gäste über rechts führt zur nächsten harmlosen Ecke (18.). Gefahr droht dann, wenn Bruder Leichtsinn das Kommando übernimmt: Oli Hein läuft am 16er durch zwei gegnerische Stürmer – das hätte ins Auge gehen können. Erstmals Strafraumluft schnuppern gelingt dem Jahn nach einem Freistoß des fleißigen Patrick Lienhard, der seine leichte Gehirnerschütterung offenbar auskurieren konnte: Gino Windmüller, der sich laut Schmidt „vorne wohl fühlt“, stolpert mit dem Ball durch den 16er, legt dann zurück, doch der Schuss geht deutlich drüber.

Gegenzug nach Ballverlust von Oli Hein im Mittelfeld. Die größte Gefahr strahlt der quirlige Sven Michel auf der linken Seite aus – die 11 geht in den 16er, steuert auf Stephan Loboué zu, doch der Querpass verfehlt den mitgelaufenen Kollegen (28.). Fabian Trettenbach verschätzt sich bei einer langen Flanke wieder auf Michel, ähnliche Situation wie gerade eben, Dürmeyer bekommt gerade noch einen Fuß dazwischen – Ecke: Der lange Cedric Mimbala kommt frei zum Kopfball, kann den Ball aber nicht mehr drücken (32.).

Andi Güntners Großchance

Dann die Riesenchance für den Jahn: Aias Aosman tritt im Mittelfeld an, spielt Andi Güntner glänzend frei, der ist im 16er, macht aber den einen Haken zu viel, Mimbala grätscht Ball und Mann ab und um – da hätte er einen Tick früher draufhalten sollen, die Schussbahn war frei (36.). Dann geht wieder alles etwas zu schnell für die Jahn-Abwehr: Mit einem Heber wird Zbynek Pospech freigespielt, der allein vor Loboué einnetzt – abseits (37.).

Noch eine scharfe Freistoßflanke von Lienhard, die alle verpassen (39.) ein letztes Mal Michel über links, dem der letzte Pass nicht gelingen will (44.) und das Gelbe Kärtchen von Schiri Florian Heft (Wietmarschen) für Ledgerwood, der Güntner im Mittelfeld stoppt (46.), dann ist Pause.

Geheimtraining in den Kabinen?

Das ist wohl die neue Jahn-Finte: Aus der Pause kommen die Regensburger wie zuletzt in Stuttgart wie frisch geheim trainiert: Was für eine Chance gleich zu Beginn: Endlich mal wieder Fabian Trettenbachs energischer Flankenlauf über rechts, gefühlvolle Flanke, Aias Aosman vielleicht noch mit ein paar Stifteln dran, Patrick Lienhard mit Seitfallzieher, der Ball kommt butterweich auf Peredaj, der das Ding auf der Linie stoppt – die Kugel springt an des Keepers Kopf und von dort ins Aus. Die fällige Ecke setzt Gino Windmüller mit dem Schädel wuchtig an den Innenpfosten – Keeper Kevin Müller gerade noch vor dem Einschuss bereiten Thomas Kurz am Ball (52.).

Andi Güntner wird immer stärker, er setzt sich in der Mitte durch und wird gelegt. Aus dem Freistoß resultiert die nächste Gelegenheit. Aosman behauptet den Ball am 16er, legt mit viel Übersicht zurück auf Oli Hein, der seinen KSC-Gedächtnisschuss um 20 Zentimeter zu hoch ansetzt. Energies Trainer wird immer unruhiger und versucht mit Doppelwechsel die Gäste wieder auf Kurs zu bringen: Fabian Pawela für Pospech und Kleindienst für Berger sollen für neue Impulse sorgen (54./55.).

Güntners zweites Profitor

Wieder versucht’s Trettenbach über rechts und holt die Ecke heraus. Und gleich nochmal: Was immer der Fabian da in den Pausentee bekommen hat, es tut dem Spiel gut. Freistoßflanke von Herzel, und ausgerechnet Aias Aosman ist mit dem Kopf dran – die Kugel geht ein paar Zentimeter daneben, weil Thomas Kurz am langen Pfosten den Fuß nicht mehr ran bekommt (61.).

Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt ein Andi Güntner daher: In Matthäus-Manier treibt er den Ball vor sich her, legt ihn sich auf den schwächeren linken Fuß und zieht aus knapp 25 Metern ab – die Kugel schlägt rechts unten ein, der Jahn führt durch Güntners zweites Profi-Tor in Folge längst verdient mit 1:0 (64.).

So einfach geht der Ausgleich

Cottbus reagiert auf den Rückstand und der Jahn lässt die Gäste reagieren: Nach einem weiten Einwurf des kleinen Perdedaj kommt ein Cottbusser am 16er frei zum Schuss – die Kugel geht durch alle Beine aber auch klar daneben (65.). Ein Zusammenstoß im Mittelfeld sorgt für ein Lazarett am Platz – von den ursprünglich vier angeschlagenen Spielern, bleibt Andi Geipl am längsten liegen – und wird kurz darauf auch gegen Zlatko Muhovic getauscht. Bei Cottbus darf noch Nils Gottschick für den leicht Rot-gefährdeten Ledgerwood ran.

So einfach geht das: Linksverteidiger Robin Szarka darf ungehindert von links flanken, in der Mitte ist der eingewechselte Tim Kleindienst allein wie ein Einsiedler und köpft unbedrängt ein – Loboué hat keine Chance. Ob er besser rausgekommen wäre, steht auf einem anderen Blatt (das weiter unten noch zu diskutieren sein wird). Mit der ersten Torszene im zweiten Durchgang machen die Gäste den Ausgleich, oh du simple Jahn-Abwehr (72.).

Noch zwei Granaten-Chancen

So wollen wir das sehen: Patrick Lienhard spielt Aias kurz nach der Mittellinie frei, mit zwei Täuschungen ist er an Mimbala und Möhrle vorbei, spielt auch noch den Torwart aus und fällt – Müller räumt ihn ab, hat aber die Hand am Ball, kein Elfer (77.). Dann zieht einmal mehr Fabi Trettenbach über rechts in den Strafraum, wird zweifellos an der Kante des 16er am Fuß getroffen, fliegt dann aber mit etwas zu viel Schub, als dass einem mit allen Wassern gewaschenen Schiri das nicht spanisch vorkäme – auch kein Strafstoß (86.).

Immerhin noch ein Hoffnungsschimmer unter Mithilfe des Unparteiischen: Gelbrot für den starken Michel, der Stani Herzels Lauf abrupt stoppt – sah dramatischer aus, als es war, aber Gelb ist vertretbar. Endlich wieder Anfeuerungsrufe für die Jahn-Elf. Die Zuschauer spüren, da muss doch noch was gehen. Aber Herzels Freistoß aus 20 Metern halblinker Position fällt Müller in die Arme (87.). Und auch Aias Aosmans Schuss aus 20 Metern kann der Energie-Keeper sicher fangen (91.). Es bleibt bei der Punkteteilung!

"Ich bin Loboué – und wer bist du?"

„Nach dem Spielverlauf hätten wir einen Sieg verdient“, bilanziert Jahn-Coach Alex Schmidt das Spiel. Und Torschütze Andi Güntner hadert ebenfalls damit, dass sein Treffer nicht zum golden Goal reichte: „Wir müssen so was einfach mal über die Zeit bringen.“ Nur Routinier Oli Hein hatte tröstende Worte parat: „Wir wussten, dass wir mit der jungen Truppe Höhen und Tiefen erleben werden. Dass es gleich zu Beginn so schwierig würde, machte es nicht einfacher. Aber jetzt haben wir mit den Pokalspielen seit fünf Spielen nicht mehr verloren.“

Die Ehrenrunde hinterließ dann bei Keeper Stephan Loboué noch gemischte Gefühle: Aufmunternder Applaus und Autogrammwünsche von den einen, leicht alkoholisierte Pöbeleien von anderen – der Keeper versuchte erst ins Gespräch zu kommen, um die Situation vor dem Ausgleichstor aus seiner Sicht zu erklären. Weil sein Gesprächspartner aber weiter stänkerte, ohne zuzuhören hatte er schließlich die Schnauze gestrichen voll: „Hast du schon mal Fußball gespielt? Wo? Ich bin Loboué – und wer bist du?“ Kann man im Eifer des Gefechts mal sagen, aber ein wenig Kritikfähigkeit gehört halt auch dazu, Stephan!

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