17.02.2017 - 20:06 Uhr
RegensburgSport

Turbulente Wochen für Jahn Regensburg und den FSV Frankfurt: Kämpfe auch hinter den Kulissen

Ein kleiner Trost vorweg: Auch bei anderen Vereinen geht es turbulent zu. FSV-Trainer Roland Vrabec steht beim Zweitliga-Absteiger (14./27 Punkte) im Feuer, Aufsichtsratsmitglied Carlo Kiefer ist zurückgetreten und keilt gegen die Vereinsführung. Dagegen geht es beim SSV Jahn (11./30) trotz täglich neuer Meldungen zum Spendenskandal manierlich zu – Jahn-Trainer Heiko Herrlich kennt ohnehin nur die Konzentration auf Samstag, 14 Uhr.

Läuft nicht rund für FSV-Trainer Roland Vrabec. Bild: dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

„Eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen dem Aufsichtsrat und dem Präsidium sowie der Geschäftsführung der Fußball GmbH ist aus meiner Sicht nicht möglich“, zitiert der Hessische Rundfunk den zurückgetretenen Aufsichtsrat, „so dass ich die mir mit dem Amt übertragenen und anvertrauten Verpflichtungen nicht erfüllen kann.“ Kiefer kritisiert in seiner Rücktrittserklärung, mangelnden Kontakt, fehlende Transparenz und Fehlentscheidungen, die zum Abstieg führten.

FSV-Geschäftsführer Clemens Krüger weist nicht nur die Kritik zurück, er stellt sich auch vor seinen angezählten Trainer: „Es gab und gibt für unseren Cheftrainer kein Ultimatum. Wir sind von seiner Arbeit weiterhin überzeugt, er besitzt unser vollstes Vertrauen. Für uns hat sich nie die Frage eines Trainerwechsels gestellt. Es gab auch keine Krisensitzung, das ist definitiv falsch.“

Jobgarantie für Vrabec

Vrabec freut die Job-Garantie vor dem Auswärtsspiel in Regensburg natürlich, in der Hoffnung, dass die Misstöne keinen Einfluss auf die Leistung seiner Mannschaft haben. Und der Ur-Frankfurter beteuert: „Alle Spieler müssen hier hart arbeiten und sich voll einbringen, damit sich der Verein in der dritten Liga stabilisiert. Dieses Vertrauen und die Verantwortung der Spieler war mir in den vergangenen zwei Wochen zu wenig.“

„Jahn Regensburg ist eine Mannschaft, die sehr strukturiert Fußball spielt“, lobt der Gäste-Trainer, „die Spieler halten gut ihre Positionen.“ Die Mannschaft wolle immer den Ball haben, suche den Weg nach vorne und habe viel individuelle Qualität. „Die 33 geschossenen Toren bestätigt ihre offensive Qualität“, 31 Gegentoren zeigten aber auch, dass Regensburg hinten anfällig sei. „Beide Teams werden ihre Chancen in der Offensive suchen. Wer das eigene Tor besser verteidigt und besser steht, wird das Spiel gewinnen.“

Herrlich: „Mehr als 100 Prozent geht nicht“

Regensburg ist zwar seit fünf Spielen ungeschlagen, aber es fehlt eben auch der erste Sieg in 2017, um sich entscheidend von den Abstiegsrängen absetzen zu können. Dennoch ist Herrlich nicht bange: „Ich hatte bei allen drei Rückrundenspielen das Gefühl, dass meine Mannschaft brennt und wir das Spiel gewinnen wollen.“ Das habe man in Rostock sehen können, wo man leider die Chancen nicht genutzt habe, beim Heimspiel gegen Großaspach, wo man alles versucht habe, und auch in Halle, wo man nach Rückstand mit drei Stürmern angerannt sei: „Mehr als 100 Prozent geht nicht.“

„Wir sind sehr gut aus der Winterpause gekommen“, resümiert der Coach die ersten drei Partien mit Punkteteilung. „Im Nachhinein muss man sagen, hätten wir in Rostock gewinnen müssen aufgrund der Anzahl der Chancen. In Halle gegen eine Mannschaft zu spielen, die auf Platz 3 stand und durch einen Sieg auf Platz 2 hätte stehen können, da so zu spielen nach einem Rückstand, da können wir schon zufrieden sein.“ Aber auch dort hätte man gewinnen können: „Es fehlen uns halt dann doch zwei Punkte“, schränkt Herrlich das Loblied ein, „man freut sich zwar über den einen, aber jetzt hätten wir 2017 halt schon mal gerne einen Sieg gehabt.“

FSV verkauft sich unter Wert

Den versuche man jetzt am Samstag nachzuholen – gegen eine Mannschaft, die sich tabellarisch weit unter Wert verkaufe: „Ich habe Frankfurt vor der Saison zum Favoritenkreis gezählt“, erinnert Herrlich, „sie haben tolle Einzelspieler mit einer Riesenqualität.“ Die Hessen hätten eine schwierige Anfangsphase überstanden, sich dann gefangen und seien zuletzt wieder ins Trudeln geraten: „Bloß, sie sind trotzdem nicht weit von uns entfernt, und angeschlagene Boxer sind immer besonders gefährlich.“ Viele Spiele hätte der kleinere Frankfurter Club nur knapp abgegeben.

Bei der Videoanalyse der FSV-Spiele könne er wenig Fehler entdecken: „Gegen Chemnitz haben sie ein Tor nicht bekommen, da hat oft das Momentum gefehlt.“ Sie stünden sehr kompakt, zeigten eine gute Spielanlage, aber: „Man hat so das Gefühl, sie haben sich nicht nicht richtig gefunden.“ Herrlich als Verfechter von „La Mannschaft“ fehle so ein bisschen der Teamgeist. „Aber so was kann ja immer schnell kommen.“ Echt, aus dem Nichts? „Da ist auch ein ungeheurer Druck, wenn du Absteiger bist, man holt viele neue Leute, bis man da richtig zusammengewachsen ist, das braucht Zeit.“

Druck von hinten

Seine Mannschaft habe bisher – mit zwei, drei ausnahmen – eine tolle Saison gespielt. Mit einem Sieg könne man am vorderen ende der Fahnenstange kratzen. Dennoch empfinde Herrlich bei 30 Punkten noch immer Druck von hinten, angesichts der engen Tabellenlage und der Kleinigkeiten, auf die es ankomme, ob man ein Spiel gewinne oder verliere: „Wir müssen hochkonzentriert bleiben, sechs Punkte nach hinten, das ist nicht viel.“ Man könne schnell wieder hinten reintrudeln – und die Mannschaften hinten sorgten auch immer wieder für Überraschungen wie Mainz in Osnabrück.

Zur Freude des Teamchefs wächst die Zahl der Alternativen für das Aufgebot: „Kein neuer Verletzter dazugekommen“, gibt der Jahn-Trainer Entwarnung an der Lazarettfront, „wir können praktisch aus dem Vollen schöpfen.“ Ausgenommen sind Markus Palionis, Benedikt Saller, Sven Kopp und Patrik Džalto. Marcel Hofrath sei wieder voll ins Mannschaftstraining integriert, aber noch nicht mit voller Belastung.

Kampf auf und neben dem Platz

Von der zweiten Reihe habe sich Uwe Hesse mit einem starken Auftritt in Halle für weitere Missionen empfohlen. „Er kam da rein und hat mit seinen Flanken viel Druck gemacht.“ Man habe endlich wieder mehrere Möglichkeiten: Markus Ziereis und Ali Odabas bekamen Spielpraxis in der U21, „damit die mal wieder 90 Minuten ran dürfen“. Das Spiel gegen Bad Abbach ging 2:0 aus, Ziereis traf doppelt. „Da versucht schon jeder seinen Teil beizutragen.“

Was auf dem Platz gilt, kann neben dem Platz nicht falsch sein: Hinter den Kulissen kämpft das Team um Sportchef Christian Keller um das Vertrauen der Sponsoren und die Finanzierung der nächsten Saison. So freut man sich in diesen Tagen über jede positive Meldung wie diese: „Der SSV Jahn und die Guggenberger GmbH weiten ihre langjährige Zusammenarbeit in der aktuellen Spielzeit aus – als Klassik Partner des SSV Jahn.“

 

 

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