23.05.2017 - 16:16 Uhr
RegensburgSport

Viele Fans schauen vor dem Relegationsspiel des SSV Jahn in die Röhre: Fan-Ärger vor "Löwen"-Duell

Viele Fans, die sich das Relegationsspiel zwischen dem SSV Jahn Regensburg und dem TSV 1860 München nicht entgehen lassen wollten, gehen leer aus. Die Regensburger Arena ist bereits nach der exklusiven Vorverkaufsphase restlos ausverkauft. Der Verein wehrt sich gegen den "Shitstorm" in sozialen Medien.

Volle Tribünen gibt es auch am Freitag in der Regensburger Continental-Arena beim Relegationsspiel gegen die Münchener "Löwen". Der SSV Jahn hätte sein Stadion für das entscheidende Spiel zwei- oder gar dreimal füllen können. Bild: Herda
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Der Plan klang in der Theorie prächtig. Aufgrund des zu erwartenden hohen Fan-Aufkommens gliederten die Jahn-Verantwortlichen den Karten-Vorverkauf für das Relegationsspiel zu 2. Bundesliga gegen den TSV 1860 München in zwei Phasen. In der ersten Phase am Sonntag und Montag kamen nur Jahn-Mitglieder (offiziell 600), Dauerkartenbesitzer (offiziell 1900) und Sponsoren zum Zug. Jeder hatte die Option auf vier Karten. Dazu das Auswärtskontingent für die "Löwen"-Fans (etwa 2000).

Erst ab Dienstag sollte der Restbestand in den freien Verkauf gehen. In der Praxis sehen sich die Jahn-Verantwortlichen nun teils harscher Kritik ausgesetzt, denn: Alle 15 224 Eintrittskarten gingen bereits in der exklusiven Verkaufsphase weg und schon am späten Montagabend meldete der SSV Jahn Regensburg in den sozialen Medien: "Die Continental-Arena ist restlos ausverkauft."

"Das war's!"

Was dann auf den diversen Kanälen der Oberpfälzer folgte, ist mit dem Wort "Shitstorm" noch freundlich umschrieben. "Jetzt bekommen die Leute den Vorrang, die sonst die gesamte Saison über die leere Tribüne im Business-Bereich 'füllten'. Ich bin richtig enttäuscht." Oder: "Hunderte Kilometer während der Saison für den SSV Jahn auf der Straße und im entscheidenden Spiel ohne Karte. Danke Jahn!". Oder: "Euch ist es egal, wie ihr euer Stadion voll bekommt. Dann seht ihr mich nächstes Jahr in der 3. Liga eben auch nicht mehr. Das war's!"

Mit dem Ärger konfrontiert verteidigte Jahn-Pressesprecher Martin Koch die Vorgehensweise des Vereins. "Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Wir wollten mit der Aufgliederung des Vorverkaufs gerade die treuesten Jahn-Fans, Mitglieder und Dauerkartenbesitzer, bevorzugen. Jetzt haben wir eine volle Arena mit überwiegend Regensburger Anhängern." Denn ein umfassenderer freier Verkauf der Tickets hätte es auch mehr Anhängern der "Löwen" ermöglicht, an Tickets zu kommen. So bleibe die Continental-Arena fest in Oberpfälzer Hand.

Und auch den florierenden Schwarzmarkt, der aufgrund der enormen Nachfrage regelrecht boomt, haben die Regensburger sehr wohl im Blick. "Wir können es zwar nicht verhindern, wenn ein Dauerkartenbesitzer seine Karte einem Gästefan weitergibt, aber wir werden jeden Versuch, ein Ticket überteuert weiterzuverkaufen, knallhart verfolgen. Die Tickets sind personalisiert und auch anhand der Platznummer lässt sich das einfach nachvollziehen", sagte Koch. Ein Online-Tickethändler aus Brunn (Landkreis Regensburg) bekam offenbar kalte Füße, als er sein Angebot für drei Karten beim Preis von 350 Euro (je Ticket) aus dem Netz nahm.

Ziereis im Training

Vom Ticket-Trubel wollen sich die Jahn-Akteure nicht von der Konzentration auf die beiden Bonusspiele abbringen lassen. Auch wenn das nicht leicht ist, bei all der Aufmerksamkeit, die sie derzeit erfahren. Beim öffentlichen Training am Dienstag gesellten sich zu den üblichen Rentner-Trainingskiebitzen sieben Kamerateams und etwa zwei Dutzend Journalisten. "Natürlich ist das etwas ungewohnt, aber das hat sich die Mannschaft auch verdient", blieb Trainer Heiko Herrlich gewohnt nüchtern. Der Coach zog sein Trainingsprogramm wie gewohnt durch, sah eine "konzentrierte Arbeit" seiner Truppe und ändert nur in der finalen Phase vor dem Spiel die Abläufe. "Wir waren auswärts in dieser Saison besonders stark, haben neun Mal in der Fremde gewonnen und deswegen werden wir diesmal am Tag vor dem Spiel ein Hotel beziehen - wie es ansonsten nur bei Auswärtsspielen üblich ist." Herrlich erwartet jede Menge Aufgeregtheit in der Stadt und die will er von seinem Team fernhalten, damit es sich aufs Wesentliche konzentrieren kann.

Reine Vorsichtsmaßnahmen seien am Dienstag das reduzierte Trainingspensum von Erik Thommy und Jann George gewesen. "Alle Spieler, die heute auf dem Platz standen sind für die Spiele gegen 1860 eine Option", sagte Herrlich. Und mittendrin war auch wieder Markus Ziereis. Der Kicker aus Neukirchen-Balbini hatte sich im März im Spiel bei Fortuna Köln schwer am Ellbogen verletzt und absolvierte am Dienstag erstmals wieder das volle Programm. "Ob es für Freitag schon reicht, müssen wir abwarten", sagte der 24-Jährige noch zurückhaltend.

 

 

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