17.03.2017 - 17:11 Uhr
RegensburgSport

Vor Heimspiel gegen Jahn Regensburg: SC holt Ex-Kapitän Markus Krösche als Sportchef: Paderborns neuer Hoffnungsträger

Alles läuft derzeit schief beim SC Paderborn. Noch vor zwei Jahren Bundesliga, jetzt droht dem finanziell angeschlagenen Vorletzten der Sturz in die Regionalliga. Präsident Wilfried Finke will deshalb alles auf den Prüfstand stellen. Am Freitagmittag der erste Paukenschlag: Gerade rechtzeitig zum richtungsweisenden Heimspiel am Samstag, 14 Uhr, gegen Jahn Regensburg, installiert der Club Markus Krösche als neuen Sportchef.

So glatt kann Fußball sein: Im Hinspiel überzeugte Jahn Regensburg mit einem nie gefährdeten 3:0 gegen Paderborn. Bild: Herda
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Vor knapp zwei Jahren musste der Paderborner Bundestagsabgeordnete Dr. Carsten Linnemann (CDU) im Redaktionsgespräch noch nachfragen, in welcher Liga Jahn Regensburg spiele. Für seinen Verein sah der Wirtschaftsrat nur rosige Aussichten in der höchsten deutschen Spielklasse: „Ich bin der Überzeugung, dass wir das erste Jahr überstehen.“ So ist Fußball, so ist Politik.

Krösches makellose Vita

Stattdessen könnte heuer der Fußballstadt an der Pader der sportliche Supergau drohen. Umso sehnlicher hängen bei der Präsentation des neuen Geschäftsführers Sport alle Verantwortlichen an den Lippen des Hoffnungsträgers: „Ich bin überzeugt davon, dass wir hier im Verein Möglichkeiten haben, wieder erfolgreich und nachhaltig arbeiten zu können“, sagt Krösche nichts Überraschendes. Der Rekordspieler und ehemalige Kapitän des SCP war als Co-Trainer gemeinsam mit Chefcoach Roger Schmidt am 5. März beim Bundesligisten Bayer Leverkusen entlassen worden.

Seinen Club, zu dem er von Bremen gewechselt sei, habe er nie aus den Augen verloren: „Mein Ziel war es immer, mal wieder beim SCP tätig zu sein. Dass es jetzt so schnell geht, war nicht geplant.“ Krösche erhält einen Fünfjahresvertrag. Präsident Finke lobt seinen „Wunschkandidaten“, der mit einer „makellosen Vita“ überzeuge. Bei ihm verbinde sich menschliche Qualität mit Know-how.

Keine Jobgarantie für Trainer


Trainer Stefan Emmerling, der um seinen Job bangen muss, verspricht nach zuletzt fünf Niederlagen die Mannschaft so vorzubereiten, dass sie die schwierige Situation annehme. Eine Ruckrede hört sich anders an. Finke hatte eine Jobgarantie für den erst am 6. Dezember angeheuerten Coach abgelehnt: „Trainer einzustellen ist ab heute auch nicht mehr mein Job.“

Emmerlich zeigt sich in der Krise als Zweckoptimist: „Wir vertrauen den Spielern voll und ganz. Jetzt dürfen wir nicht grübeln, weil wir dann verkrampfen.“ Jedenfalls sei jetzt ein sehr guter Zeitpunkt für einen Heimsieg eröffnet er die Pressekonferenz pfeifend im Walde. Der SSV Jahn spiele zwar eine sehr gute Saison und verfüge über eine spielerisch starke Truppe mit viel Tempo speziell in der Offensive. „Wir konzentrieren uns auf diese Aufgabe und wollen alles rausknallen für einen Dreier.“

Die zweite Reihe brennt

Jetzt also auch noch Jahn-Trainer Heiko Herrlich angeschlagen – und er ist leider nicht das einzige Opfer des unterkühlten Abendspiels gegen Zwickau: „Uwe Hesse wird definitiv ausfallen“, krächzt Herrlich verschnupft bei der PK, „er hat einen Schlag bekommen gegen das Sprunggelenk, und da ist ein Band in Mitleidenschaft gezogen worden.“ Voraussichtlich stehe er aber in zwei Wochen wieder zur Verfügung. Zudem muss der Coach den Gelb-gesperrten Andi Geipl ersetzen.

„Ja, jetzt werden halt die morgen spielen, die hintenanstehen, die brennen“, ist Herrlich nicht bange, „und ich bin überzeugt, dass wir morgen eine gute Mannschaft am Platz stehen haben.“ Trotz grippalen Infekts leistet sich der Trainer einen Scherz auf eigene Kosten: „Ihr müsstet mich jetzt eigentlich fragen, ob ich überhaupt keine Ahnung habe“, verweist er auf die Umfrage am Saisonstart zu den Aufstiegsfavoriten. „Die drei Absteiger Frankfurt, Paderborn und Duisburg“, habe er auf dem Zettel gehabt, „und noch Münster dazu genommen.“

Mit Qualität gesegnet

Dennoch sehe er den Gegner als mit Qualität gesegnet: „Ich sage nur mal Marcus Piossek oder Marc-André Kruska, die ich noch als U19-Spieler damals bei Borussia Dortmund hatte.“ Die würden es zurzeit einfach nicht schaffen, ihre PS auf die Straße zu bekommen. „Sie sind technisch unheimlich stark, bei Standardsituationen muss man auch immer hell wach sein.“ Bei den vergangenen eigenen Spielen habe man gesehen, wenn man nur ein bisschen nachlasse, wie in Köln die letzten 20 Minuten, dann werde das bestraft. „Und auch am Mittwoch nach dem 1:0 hat der eine oder andere vielleicht gedacht, es geht mit ein bisschen weniger.“ Da sei nicht so konsequent verteidigt worden, gerade beim ersten Gegentor hätte die Flanke verhindert werden müssen.

Da müsse man aufpassen, Paderborn habe schnelle Spieler vorne drin, wie Zlatko Dedič, den Herrlich noch aus Bochum kennt. „Jetzt hatten sie fünf Niederlagen hintereinander, hatten zuvor ihr erstes Heimspiel gegen Magdeburg 1:1 zu Hause gespielt.“ Irgendwo stecke da der Wurm drin. „Die Verunsicherung müssen wir ausnutzen und ich denke, wir können da nach wie vor mit breiter Brust hinfahren.“ Denn gegen Zwickau zu verlieren, sei keine Schande: „Die gewinnen keinen Schönheitspreis, aber sie sind sehr effektiv.“

Knoll eins nach vorn?

Personell habe man nicht mehr ganz so viele Möglichkeiten wie in den vergangenen Wochen: „Auf der Außenverteidigerposition werde ich Benedikt Saller spielen lassen“, sagt Herrlich. Er wolle Marcel Hofrath in der englischen Woche nach seiner Verletzung nicht ins dritte Spiel jagen und Saller sei nach einem guten Auftritt in der U21 wieder so weit. „Und dann gibt’s halt die Überlegung, ob wir Marvin Knoll eins nach vorne schieben“, sagt der Trainer, „Ali Odabas drängt auf seinen Einsatz.“
Die Varianten in der Offensive: „Jann George wird auf jeden Fall wieder von Beginn an spielen.“ Kolja Pusch habe gegen Zwickau einen ordentlichen Auftritt hingelegt: „Da ist noch Luft nach oben, er kann’s noch besser.“ Und das wird gegen Paderborn auch nötig sein, so wie er seinen Trainerkollegen Stefan Emmerling einschätze: „Ich kenne den noch als Gegenspieler, da hat er immer ein Riesenherz gehabt.“ Er werde sein Team sicher bestmöglich einstellen, Thema angeschlagener Boxer. „Kann sein, dass die ein Feuerwerk abbrennen, aber es nutzt jetzt nichts, sich zu sehr mit denen zu beschäftigen, was die in die Schlacht werfen – wir müssen schauen, dass wir unsere 100 Prozent bestmöglich abrufen.“

 

 

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