10.02.2017 - 16:39 Uhr
RegensburgSport

Weichenstellung für Jahn Regensburg beim Halleschen FC: Geldsorgen und Sturmflaute

Die Ausgangslage der beiden Gegner in Rot-Weiß weist Parallelen auf – wenn auch auf einem etwas anderen Niveau. Denn der Hallesche FC (4./31 Punkte) ist dem Jahn (11./29) nicht nur zwei Punkte voraus, er hat mit einem Etat von sechs Millionen Euro auch deutlich mehr Zaster. Am Samstag, 14 Uhr, werden die Weichen gestellt – für Halle Richtung Aufstiegsplätze, für Regensburg zum großen Sprung nach vorne oder bangen Blick nach hinten.

Zuletzt hatten sowohl die Spieler des SSV Jahn als auch des Hallescher FC die Seuche am Fuß. Bild: Herda
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Auch wenn der zweifache UEFA-Cup-Teilnehmer finanzieller besser ausgestattet ist, das Geld ist dennoch knapp: Trotz außerplanmäßiger Einnahmen von 120.000 Euro aus dem Dortmund-Jubiläums-Spiel, 300.000 Euro aus den DFB-Pokal-Spielen gegen Kaiserslautern und dem Hamburger SV, immerhin 5000 Euro aus einer Spenden-Aktion für das Trainingslager, plagt dem Verein ein Minus von 295.000 Euro – ungefähr der Betrag, der auch dem SSV Jahn nach dem Ausfall einer Tretzel-Zusage fehlt. Deshalb verabschiedete Halle bereits Timo Furuholm und Petar Sliskovic (ausgeliehen an Mainz II).

Wer beendet die Sturmflaute?

Und auch sportlich gibt es Parallelen. Wie die Regensburger zuletzt in Rostock (0:0) und gegen Großaspach (1:1) beklagen auch die Hallenser die mangelnde Chancenverwertung. Wenn man das in den Griff bekomme, sei die Chance groß, „dass wir da oben bleiben“, sagt HFC-Präsident Michael Schädlich in der Mitteldeutschen Zeitung (MZ). Der Kader könne sogar den Aufstieg schaffen. „Aber in diesem Fall, habe ich dann das Problem, dass ich die Aufstiegsprämie für Mannschaft und Trainer erst einmal refinanzieren muss“, plagen den Club-Boss eher Sorgen der angenehmeren Art.

„Im Hinspiel haben wir 20 Minuten ordentlich agiert und dann vielleicht gedacht, es geht von allein“, erinnert HFC-Trainer Rico Schmitt seine Jungs. „Einige haben sich von Regensburg den Schneid abkaufen lassen, der SSV Jahn hat es mit schnellem Umschalten und frühen Stören dann gut gemacht und unsere Fehler bestraft.“ Beim Halleschen FC wird freilich ein anderes Team auf dem Platz stehen. Mit – dem allerdings angeschlagenen – Nick Fennell, der neu bei den Sachsen-Anhaltinern im Kader steht, Fabian Franke, Tobias Schilk und Toni Lindenhahn, die wieder zurück in der Stammelf sind, will der zu Hause ungeschlagene Tabellen-Vierte die herausragende Heimserie fortsetzen.

Und ewig grüßt die Komfortzone

Christian Keller ist angefressen. Nicht nur, dass der Regensburger Spendenskandal den weit fortgeschrittenen Konsolidierungskurs des SSV Jahn ausbremst. Auch die sich immer wieder einschleichende Selbstzufriedenheit der Spieler gefällt dem ehrgeizigen Sportmanager nicht: „Das hat mich geärgert“, beschreibt er die Stimmung in der Kabine nach dem 1:1 gegen Großaspach. „Mit der Leistung waren wir zwar alle zufrieden, aber ich erwarte, dass man sich über die liegen gelassenen Punkte auch richtig ärgert.“

Stattdessen habe er eine gelöste Stimmung wie nach einem Sieg ausgemacht. „Die hat alle nur die Geburtstagsparty von Laisi interessiert“, mosert Keller. „Dabei hätten wir mit vier möglichen Punkten mehr einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt machen können.“ Auch Heiko Herrlich mache der manchmal mangelnde Ernst seiner Truppe Kopfzerbrechen – das ewige Lied mit der Komfortzone. Der Wert, viermal ungeschlagen ins nächste Spiel zu gehen, wird sich nach Halle erweisen: „Wenn wir gewinnen, war’s ein klasse Start, wenn wir unentschieden spielen ein guter – und wenn wir verlieren, wird man über unsere Vorbereitung diskutieren.“

Hein zurück, Saller verletzt, Rückschlag für Paulus

So schnell ändern sich im Fußball die personellen Vorzeichen: Hatte der Jahn-Trainer vergangene Woche noch angekündigt, dass Bene Saller Oli Hein rechts hinten ersetze, geht’s nun wieder andersrum: Beim Arzt habe sich herausgestellt, dass Saller noch an einem kleinen Riss von einer alten Verletzung laboriere. „Wir haben ihn deshalb komplett herausgenommen, um auf Nummer sicher zu gehen.“ Oli Hein könne dagegen morgen spielen.

Neue Hiobsbotschaft für Thomas Paulus: Der habe sich am Dienstag wieder einen Faserriss zugezogen. „Ich denke, dass er selbst am allerschlimmsten drunter leidet.“ Der erfahrene Abwehrspieler sei mit seiner Persönlichkeit abseits vom Platz dennoch wichtig für die Mannschaft. „Er ist Profi durch und durch.“ Er beeinflusse die Stimmung in der Kabine positiv durch die Art, wie er Fußball lebe. „Auf ihn ist Verlass, wenn man ihn gebraucht hat“, erinnert Herrlich an die letzten Minuten gegen Wolfsburg oder in Osnabrück. „Er ist absolut Diener für den Verein.“

André Luge habe seine Chance gegen Großaspach genutzt und wird die Position von Jann George einnehmen – der ist nach der fünften Gelben gesperrt. Wenn Luge aber auf dessen Außenbahn wechselt, könne Herrlich entweder mit zwei Stürmern beginnen – oder Kolja Pusch auf seine angestammte Position zurückschicken. Eine schwierige Situation konstatiert der Trainer den immer bemühten Bankdrückern: Sowohl Haris Hyseni als auch Uwe Hesse würden sich immer voll reinhauen. „Man muss einfach dran bleiben, geduldig bleiben.“

Nummer 1 der Heimtabelle

Der Gastgeber vom Samstag stehe auf Platz 1 der Heimtabelle. „Rückblickend war das 2:0 gegen Halle eine unserer besten Leistungen in der Dritten Liga“, erinnert sich Herrlich gerne an das Hinspiel. „Wenn man Halle jetzt anschaut, die sind auf Platz 4 mit 22:15 Toren, eine richtig gute Mannschaft – da wird sich mal wieder der Spruch bewahrheiten: Vorne gewinnst du Spiele, hinten gewinnst du Meisterschaften.“

Halb so viele Gegentore wie Regensburg, eine sehr robust gegen den Ball spielende Mannschaft, die nichts zulässt: „Gerade bei den Heimspielen findet kaum ein Spielfluss beim Gegner statt, es wird permanent attackiert“, weiß der Trainer. „Manchmal übers Ziel hinaus, es wird ein Kampfspiel, wir werden uns dort behaupten müssen, eine tolle Aufgabe.“ Trotzdem habe der Jahn schon beim Heim-Tabellenzweiten Osnabrück (0:1) und in Chemnitz (0:3) gezeigt, dass einen Jahn-Spieler solche Favoritenhürden nicht erschüttern.

Der Blickt schweift in die Nähe

Wo geht der Blick hin? „Ich versuche immer den nächsten kleinen Schritt zu gehen.“ Das Ziel laute noch immer, so schnell wie möglich 45 Punkte zu erreichen: „Jetzt haben wir 29, wir wollen gucken, dass wir nach dem Spieltag über die 30 Kommen.“ Natürlich kenne er die Tabelle und den Abstand nach hinten (8 Punkte): „Wir wissen, dass alles sehr eng ist in alle Richtungen, aber wenn man sich mit solchen Sachen aufhält, verliert man den Fokus.“

Das Spiel wird im Live-Stream des MDR und in der Konferenz übertragen.

 

 

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