07.05.2018 - 22:30 Uhr
RegensburgOberpfalz

35-Jähriger in Regensburg vor Gericht - Denkwürdige Polizeikontrolle bei Weiden Trick-Betrüger isst 500er-Scheine

Ein "Enkel" vor Gericht: Am Montag musste sich ein 35-Jähriger vor dem Amtsgericht Regensburg wegen Betrugs und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verantworten. Weil er half, eine 74-Jährige aus Regensburg um 30 000 Euro zu bringen, verurteilte ihn Richterin Cornelia Blankenhorn zu 20 Monaten ohne Bewährung.

von Autor AHSProfil

Bei dem Mann handelte es sich um den Kurier, der das Geld von der betrogenen Frau abholte. Ins Netz ging er der Polizei erstmals kurz nach der Tat auf der Autobahn bei Weiden. Einem Beamten war aufgefallen, dass der Beifahrer eines Taxis einen Gegenstand aus dem Fenster geworfen hatte. Bei der Kontrolle verhielt sich der Mann dann in jeder Hinsicht auffällig: Er hatte 33 830 Euro Bargeld am ganzen Körper versteckt. Ein Polizist sagte aus, der Verdächtige habe bei der Kontrolle zwei 500-Euro-Scheine "g'fressn". Als die Polizei ihm vorläufig festnehmen wollte, weil sie Drogengeschäfte in Tschechien vermutete, setzte der Mann zur Flucht an, wurde aber nach 300 Metern gestellt.

Weil sich aber nichts Konkretes nachweisen ließ, stellten die Beamten das Geld sicher und setzten den Mann auf freiem Fuß. Dabei zeigte die Verhandlung, dass er sehr wohl mithalf, die Dame zu betrügen. Ein vermeintlicher Neffe hatte sie angerufen, er brauche 54000 Euro für einen Wohnungskauf. Tatsächlich überließ sie ihm 30 000 Euro, ihre ganzen flüssigen Ersparnisse. Der "Neffe" erklärte, ein Bote werde das Geld abholen. Tatsächlich kam der Angeklagte und nahm das Geld in Empfang.

Im Herbst 2017 machten die Behörden ihn in Polen ausfindig. Seit Dezember 2016 verbüßt er dort eine dreieinhalbjährige Freiheitsstrafe wegen Betrugs. Vor der Richterin räumte er über Verteidiger Johannes Büttner die Vorwürfe ein. Ein Deutscher habe ihn engagiert. Er solle in Regensburg 30 000 Euro abholen, "die die Leute dort mir schuldig sind", und nach Berlin bringen, habe der Auftraggeber gesagt. 3000 Euro Lohn sollte er dafür erhalten.

Die Richterin nahm ihm diese Geschichte nicht ab. Der Mann gab dann auch zu, dass er geahnt habe, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. "Ich bedauere sehr, was ich getan habe und bitte um Verständnis und ein mildes Urteil". Die Staatsanwältin forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und elf Monaten, der Verteidiger von sechs Monaten. Nun muss der 35-Jährige 20 Monate in Haft. Anschließend geht es zurück nach Polen, wo er den Rest der dortigen Strafe absitzen muss.

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