15.01.2018 - 16:54 Uhr
RegensburgOberpfalz

35-jähriger Pole nach Flucht mit gestohlenem BMW verurteilt Drei Mal so schnell wie die Polizei erlaubt

Die Flucht mit einem gestohlenem BMW ist spektakulär, aber misslingt. Jetzt ist der 35-jährige Fahrer verurteilt worden.

von Autor AHSProfil

Er wollte den BMW nach Polen bringen. Mit 240 Stundenkilometern raste ein 35-jähriger Pole im vergangenen Sommer in einer 80er-Zone über die Autobahn. Das Fahrzeug war zuvor von - bisher unbekannten Komplizen - in Regensburg gestohlen worden.

Jetzt ist der 35-jährige Mann vom Schöffengericht Regensburg zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Nach viermonatigem "Probesitzen" in der Untersuchungshaft wurde die verbleibende Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt. Der Angeklagte war mit den Mittätern aus Polen in den Landkreis Regensburg gereist - um dort hochwertige Autos zu stehlen. Aufgabe des Angeklagten: eines der Fahrzeuge nach Polen zu schaffen. Dafür hätte er 1000 Euro erhalten sollen. In Lappersdorf knackten die Diebe den BMW eines Arztes im Wert zwischen 30 000 und 40 000 Euro.

Gegen 5 Uhr morgens fiel das Fahrzeug auf der A 4 in Richtung Polen einer Polizeistreife auf. Der BMW fuhr in einer auf 80 km/h beschränkten Zone mit einer Geschwindigkeit zwischen 200 und 240 km/h und wechselte ständig die Fahrspuren. Die Beamten konnten nicht folgen, das Auto war zu schnell. Sie verständigten ihre Kollegen, die kurz vor dem Rastplatz "Dresdner Tor" aufschlossen und dem Angeklagten signalisierten: "Bitte folgen - Polizei."

Der reagiert zunächst nicht. Etwa 300 Meter vor dem Rastplatz zog er unvermittelt sein Fahrzeug von der mittleren auf die rechte Spur und dann in die Abfahrt zum Rastplatz. Das zweite Dienstfahrzeug war inzwischen auch vor Ort, es fuhr rechts neben dem BMW. Wohl mit dem Wissen, dass er selbst keine Fahrerlaubnis besitzt und der BMW zwischenzeitlich zur Fahndung ausgeschrieben ist, gab der Angeklagte plötzlich Gas und zog sein Fahrzeug ohne zu Blinken auf die rechte Fahrspur. Bei einer Geschwindigkeit von rund 100 km/h touchierte er den Wagen der neben ihm fahrenden Zivilstreife.

Hiervon unbeeindruckt setzte der Angeklagte seine Fahrt in Richtung Autobahndreieck Dresden-West fort, mit einer Geschwindigkeit von etwa 180 bis 200 km/h bog er auf die Autobahn in Richtung Prag ein. Infolge der überhöhten Geschwindigkeit kam er von der Fahrbahn ab und schrammte über eine längere Strecke an der Leitplanke entlang - bis sich der BMW überschlug und in entgegengesetzter Fahrtrichtung zum Stehen kam. Der Fahrer flüchtete zu Fuß weiter. Die Polizei setzte einen Fährtenhund und einen Hubschrauber ein. Auf einem Baum sitzend fanden die Polisisten den Angeklagten schließlich. Er wurde vorläufig festgenommen. Anschließend überstellte ihn die sächsische Justiz nach Regensburg, wo der Ermittlungsrichter die Untersuchungshaft anordnete.

Im Gerichtssaal legte der Angeklagte über seinen Pflichtverteidiger sofort ein Geständnis ab. Um dieses zu verifizieren, wurden die damals beteiligten Polizisten als Zeugen gehört. Sie bestätigten das in der Anklageschrift vorgertagene Geschehen. Der Halter des BMW gab an, dass ihm persönlich kein Schaden entstanden sei, das Fahrzeug war geleast. Von dem Diebstahl hatte er erst durch die Polizei erfahren. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig, sodass der Angeklagte anschließend nach Hause reisen konnte.

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