21.01.2018 - 21:38 Uhr
RegensburgOberpfalz

4 Jahre und fünf Monate Haft wegen sexueller Nötigung Mädchen in Wohnung gezerrt

Wegen Nötigung und sexuellem Missbrauch von Kindern verurteilte die Jugendschutzkammer des Landgerichts Regensburg einen 58-Jährigen zu vier Jahren und fünf Monaten Haft und ordnete seine Unterbringung in einer Suchtklinik an.

von Autor AHSProfil

Zwei Mädchen im Alter von elf und acht Jahren waren im April vergangenen Jahres gegen 16.30 Uhr am Arnulfsplatz in einen Bus gestiegen, um nach Hause zu fahren. Dort trafen sie auf den Angeklagten. Der bot der Achtjährigen Süßigkeiten an. Als das Geschwisterpaar bemerkte, dass es die falsche Buslinie ist, stieg es in der Theodor-Storm-Straße aus.

Auch der Angeklagte, der in unmittelbarer Nähe wohnte, stieg aus. Er fragte die Mädchen, ob sie mit zu ihm gehen und dort etwas trinken wollen. Als diese ablehnten packte er sie an der Hand und zerrte sie zu seiner Wohnung. Dort begann er die Elfjährige zu küssen und oberhalb ihrer Kleidung, auch im Intimbereich, zu begrabschen. Zwar erklärte sie ihm, dass sie das nicht wolle, dennoch wurde der Mann immer zudringlicher. Gleiches widerfuhr der Achtjährigen.

Die Mädchen waren so verwirrt, dass sie nicht auf die Idee kamen, um Hilfe zu rufen. Als sie ihm erklärten, dass sie zum Bus müssten, ließ er von ihnen ab und begleitete sie bis zur Haltestelle. Auf den Weg dorthin bedachte sie er mit obszönen "Komplimenten". Zu Hause angekommen vertrauten sich die Kinder ihren Eltern an, die daraufhin die Polizei informierten. Die Mädchen konnten den Angeklagten und dessen Wohnung so detailliert beschreiben, dass noch in der gleichen Nacht die Polizei bei ihm erschien und ihn festnahm. In seinen Vernehmungen gab der Angeklagte zwar zu, dass er mit den beiden Mädchen im Bus Kontakt hatte. Er stritt aber ab, sie mit in seine Wohnung genommen und dort missbraucht zu haben.

Nach Verlesen des Anklagesatzes zogen sich am ersten Verhandlungstag die Prozessbeteiligten zu einem Rechtsgespräch zurück mit dem Ziel, den beiden Kindern eine Aussage vor Gericht zu ersparen. Anschließend eröffnete Richter Carl Pfeiffer dem Angeklagten, dass dieser bei einem Geständnis mit einer Freiheitsstrafe zwischen vier Jahren und vier Jahren und neun Monaten rechnen kann. Auch sei wegen seiner Alkohol- und Drogensucht eine Unterbringung in einer Suchtklinik naheliegend. Daraufhin räumte Verteidiger Jörg Sodan die Vorwürfe für seinen Mandanten ein.

Bei der Strafzumessung wählte die Strafkammer den Mittelweg. Seine knappe Urteilsbegründung beendete der Gerichtsvorsitzende mit der Feststellung: "Den beiden Mädchen wäre wohl nichts passiert, wenn sie in den richtigen Bus gestiegen wären. Das war wohl Schicksal." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Erst dann kann der Angeklagte in eine forensische Klinik überstellt werden.

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