01.07.2017 - 09:54 Uhr
RegensburgOberpfalz

Bombe in Regensburg entschärft [Aktualisierung] Komplizierter Heckzünder

von Miriam GrafProfil

Am Samstag wurde eine Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg auf dem Dörnberg-Gelände entschärft und der Zünder gesprengt. „Diesmal war es etwas kniffelig“, sagte Sprengmeister Michael Filips.

Pünktlich um 9 Uhr hat die Evakuierung des Sperrgebiets in einem Radius von 400 Metern begonnen. 1800 Bürger mussten ihre Wohnungen und etwa 100 Häftlinge die Justizvollzugsanstalt verlassen. Die Polizei sorgte mit Straßensperren dafür, dass in der Zeit niemand mehr das Gebiet betrat. „Linienbusse können nicht eingesetzt werden, weil die Häftlinge angeschnallt werden müssen“, sagte Polizeisprecher Markus Reitmeier. Die Scheiben der Busse waren abgedunkelt, freie Stelle verklebt. Insgesamt fünf Busse verließen die JVA. Wo die Häftlinge hingebracht wurden, wird aus Sicherheitsgründen nicht verraten. Die Polizei sorgte mit Straßensperren dafür, dass in der Zeit niemand mehr das Gebiet betrat.

Für die Bürger war eigens ein Shuttle-Service eingerichtet, den jedoch nur wenige Bürger nutzten. Wer zusätzliche Hilfe benötigte, wurde von den Maltestern abgeholt und in die Anlaufstelle in der Grundschule Königswiesen gebracht. Dort fanden sich aber nur 23 Bürger ein. „Mit mehr haben wir auch gar nicht gerechnet“, sagte Christian Schwarz von den Maltesern, der die Leitung der Betreuungsstelle innehatte. „Der lange Vorlauf hilft“, wenn die Evakuierung über Nacht gedauert hätte, wäre viel mehr los gewesen. Die Menschen, die in die Grundschule gekommen sind, fühlten sich bestens versorgt. Für eine ältere Dame war es bereits das dritte Mal, dass sie ihre Wohnung wegen einer Fliegerbombe räumen musste.

Die Räumung des Gebiets ging zügig vonstatten und war gegen 12 Uhr abgeschlossen. Gegen 12.45 Uhr begann der Kampfmittelräumdienst mit der Entschärfung. Die Dauer war mit anderthalb Stunden angekündigt. Jedoch konnte der Kopfzünder erst kurz vor 15 Uhr gesprengt werden. Der Sprengmeister verwendete dazu die zwei bis drei Kilo Sprengstoff, die sich noch daran befanden.

Da der Heckzünder sehr sensibel war und nicht entschärft werden konnte, war anschließend eine zweite Sprengung nötig. Der Heckzünder habe ein vorgespanntes Zündsystem gehabt, erklärte Sprengmeister Michael Filips. Deswegen hätte man nicht gewusst, wann die Nadel ausgelöst wird. „Es bleibt immer ein Restrisiko, wenn man so etwas bewegt.“ Bei ihm gebe es keinen Alltag und jede Bombe sei anders und gefährlich, betonte er. Dieses Exemplar könne man auf einer Skala von eins bis zehn aber durchaus als eine sieben bis acht bezeichnen.

Der entschärfte Zerscheller wird nun in einem Zerlegerbetrieb gebracht. Dort wird der Rest des Sprengstoffs, immerhin noch fast 100 Kilogramm, entnommen und fachgerecht entsorgt. Die Stahlteile werden einfach auf einen Schrottplatz gebracht. Sowohl Sprengmeister Filips wie auch Armin Lötzl, der Einsatzleiter der Polizei, lobten die Kooperation und das Verständnis der Bürger.

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