15.03.2018 - 18:39 Uhr
Regensburg

Bruno ist Polizeihund in Ausbildung Ermittler auf vier Pfoten

Georg Fleischmann öffnet Auto- und Käfigtür. Sofort erscheint Brunos Kopf. Der Hund bleibt im Auto sitzen. Konzentriert schaut er auf Fleischmann, wartet auf dessen Kommando. Erst dann springt er raus und fetzt über die Wiese.

von Eva Hinterberger Kontakt Profil

 
Bruno ist Polizeihund in Ausbildung. Sein Lehrer ist Polizeihauptkommissar und Hundeführer Georg Fleischmann. Er zeigt Bruno während seiner Lehrzeit alles, was dieser für seinen späteren Job als Rauschgifthund können muss.

Dabei unterscheidet sich die Ausbildung zum Polizeihund anfangs gar nicht von der eines "normalen" Hundes. Sitz. Platz, bei Fuß - ohne diese Grundbefehle geht auch im Polizeidienst nichts. Und Bruno beherrscht sie mittlerweile ganz gut. "Meistens", schmunzelt Fleischmann. Der neun Monate alte belgische Schäferhund sei gerade in einer schwierigen Phase. "Er pubertiert." Zumindest beim Pressetermin folgt Bruno aber aufs Wort. Er fetzt und springt über die Wiese am Truppenübungsplatz in Oberhinkofen. Ruft Fleischmann nach ihm, kommt der junge Hund aber sofort zu seinem Herrchen.

"Unser Training basiert auf dem Belohnungsprinzip", erklärt Fleischmann. Er zieht eine Box mit Wurst-Stückchen aus der Tasche. Spielerisch und mit Hilfe eines sogenannten Klickers kann er dem Hund beibringen, was er später können muss. "Wenn Bruno das Verhalten zeigt, das ich möchte, macht es 'Klick' und anschließend bekommt er etwas zu fressen." Bruno "frisst gerne", somit funktioniere diese Methode bestens.

Fleischmann wirft ein Spielzeug in die Wiese und lässt Bruno suchen. Der Hund wuselt um den Gegenstand herum. Erst als Bruno mit der Schnauze darauf zeigt, macht es "Klick" und es gibt ein Stück Wurst. Wichtig ist, dass alles auf Freiwilligkeit und Spiel basiert, erklärt der Hundeführer. "Will ich einen Hund, der etwas macht, weil es ihm Spaß macht, oder weil er Angst vor Konsequenzen und Bestrafung hat?", fragt Fleischmann. Für ihn ist es klar ersteres. Trotzdem ist Konsequenz bei der Ausbildung eines Polizeihundes besonders wichtig. Wenn es bei einem privaten Hund vielleicht nicht so schlimm sei, wenn er 'Platz' statt 'Sitz' macht, sei das beim Diensthund anders. "Da erwarte ich von meinem Partner, dass er 'Sitz' macht, wenn ich 'Sitz' sage. Auch zu seinem eigenen Schutz", erklärt Fleischmann. Zwei Jahre dauert Brunos Ausbildung. Am Ende muss er bei mehreren Prüfungen zeigen, was er kann. 

Fleischmann ist seit elf Jahren Hundeführer, Bruno ist sein vierter Diensthund. Er betreut auch noch die achtjährige Franka. "Franka hat Arthrose. Deswegen haben wir Bruno geholt", erklärt Fleischmann. Ist Bruno ausgebildet, endet Frankas Dienstzeit. Aber auch dann darf sie bei Fleischmann bleiben. "Die Hunde bleiben normalerweise bis zu ihrem Tod bei den Hundeführern. Das ist oft dramatisch."

Aber nicht nur im Dienst, auch Zuhause muss Bruno folgen. Das klappt nicht immer, wie Fleischmann schmunzelnd zugibt. Fünf Paar Schuhe, ein Teppich und ein paar Kabel habe der Hund schon auf dem Gewissen. Und dann waren da noch die Plastikmüllsäcke im Garten. "Für die hat sich niemand interessiert." Dann kam Bruno - und der Müll war im Garten verteilt.

Grundsätzlich ist die Ausbildung eines so jungen Diensthundes etwas besonderes. Bruno ist der zweite Hund, der im Welpenalter zur Oberpfälzer Polizei kam. Alle anderen waren ungefähr ein Jahr alt. "Es ist wichtig, einem so jungen Tier die Menschenwelt zu zeigen", erläutert der Hundeführer. "Dazu gehört auch Zug- oder Busfahren." Schließlich muss Bruno später furchtlos in zum Beispiel leerstehende Häuser laufen können. "Hunde haben oft Angst vor glatten Oberflächen", fährt Fleischmann fort. Seine Aufgabe sei es deswegen, dem Hund diese Angst zu nehmen, "ihm zu zeigen, dass da nichts gefährliches dran ist".

Glatte Böden gibt es zum Beispiel in den Regensburger Arcaden. "Bruno lernt dort, mit vielen Menschen umzugehen. Außerdem üben wir Aufzug- und Rolltreppefahren." Auch an diesem Tag läuft Bruno wie ein Profi an den Geschäften vorbei und steigt in den Aufzug - begleitet von unzähligen "Och, ist der niedlich"-Blicken der Passanten.

Ja, Bruno ist niedlich. Und natürlich wird er von Fleischmann und seiner Familie auch verhätschelt. Aber er ist trotzdem vor allem ein Polizeihund und dafür da, die Polizisten bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Die Polizeihunde - in der Oberpfalz gibt es in Amberg, Weiden und Regensburg insgesamt 27 Tiere - werden eingesetzt, wenn die Menschen nicht weiterkommen oder es für sie zu gefährlich ist. "Wenn wir zum Beispiel nicht wissen, ob sich in einem Haus Einbrecher befinden, schicken wir einen Hund vor", erklärt Fleischmann. "So ein Hund ist eine Macht", fährt er fort. Oft reiche die bloße Anwesenheit des Tieres aus, um eine Situation zu entspannen.

Fleischmann ist aber auch klar, dass, wenn er zu einem Einsatz gerufen wird, vor allem der Hund gebraucht wird: "Ich bin der Chauffeur vom Bruno."

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