06.05.2016 - 02:10 Uhr
RegensburgOberpfalz

Diskussion an der Universität Regensburg Streitthema Sterbehilfe

Auf dem Podium in Regensburg waren die verschiedenen Positionen zum Thema Sterbehilfe vertreten: Vom Ethik-Professor, der vor einer "Pflicht zum Töten" warnte, bis zum Arzt, der 260 Menschen beim Sterben begleitet hat. In einem Punkt gab es Einigkeit.

Über das heikle Thema Sterbehilfe diskutierten an der Uni Regensburg (von links) Ethik-Professor Arne Manzeschke, Palliativmediziner Dr. Roland Braun, Medizinhistoriker Urban Wiesing und der Neurologe Dr. Johann Friedrich Spittler. Bild: gib
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Überraschenden Konsens gab es, dass das im November beschlossene neue Sterbehilfe-Gesetz die Situation verschlechtert habe. Kaum ein Thema spaltet die Gesellschaft so sehr wie die Sterbehilfe. Entsprechend kontrovers und parteiübergreifend verlief im vergangenen Herbst die Debatte um das neue Sterbehilfe-Gesetz im Bundestag. Dem beschlossenen Gesetz zufolge soll die Suizidhilfe zwar in Einzelfällen weiterhin möglich sein, es soll jedoch verhindert werden, dass die Sterbehilfevereine ihr Tätigkeitsfeld ausbauen. Der Verein "Junges Europa" hatte zur Podiumsdiskussion "Letzter Wille Sterben" an die Uni Regensburg eingeladen.

"Das Gesetz ist handwerklich schlecht gemacht", meinte Professor Urban Wiesing vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der Uni Tübingen. "Keiner weiß, was ein Arzt jetzt darf. Die Grauzone ist größer geworden." Wiesing hatte zusammen mit Kollegen selbst einen Gesetzesvorschlag eingereicht und plädiert für eine reglementierte Freigabe der organisierten Beihilfe zum Suizid. "Das Parlament maßt sich an, zu entscheiden, wie Bürger leben und sterben sollen", ärgert er sich. Er glaubt, dass der "Sterbe-Tourismus" in Länder wie der Schweiz, wo organisierte Sterbehilfe nicht verboten ist, zunehmen wird.

Palliativmedizin ausgebaut

Gegner der Sterbehilfe führen gerne die in den vergangenen 20 Jahren stark ausgebaute Palliativmedizin an, die unheilbar erkrankten Menschen mit einer Schmerztherapie und einer psychosozialen, oft auch spirituellen Begleitung die verbleibende Lebenszeit erleichtert. Mit 200 Millionen Euro will der Bund die Palliativmedizin zusätzlich ausbauen. Aber auch dieser Ansatz hat seine Grenzen, wie Dr. Roland Braun, Leitender Arzt der Klinik für Palliativmedizin am Krankenhaus Barmherzige Brüder, einräumte.

Einer, der freiwillig selbst Menschen in den Tod begleitet hat, ist der Neurologe und Psychiater Dr. Johann Friedrich Spittler. 494 Menschen hat er für die Vereine Sterbehilfe Deutschland und für Dignitas psychologisch untersucht. 261 von ihnen haben später die Beihilfe zum Suizid in Anspruch genommen. Bei den Betroffenen handle es sich um unheilbar kranke Menschen, meist mit einem höheren Bildungsstatus, die "klipp und klar" sagen, was sie wollen und die "Entmündigung auf einer Palliativstation" nicht wollen.

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