23.07.2017 - 20:52 Uhr
RegensburgOberpfalz

Gewalt gegen Domspatzen: Bischof Voderholzer bittet um Entschuldigung

(KNA/epd) Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat sich in einem Hirtenwort zum Abschlussbericht über die Übergriffe bei den Domspatzen geäußert. Zu den Schilderungen der Opfer schreibt er: "All das macht mich zutiefst zerknirscht und erfüllt mich mit Scham." Hier gelte, was bereits sein Vorgänger im Amt, der heutige Kardinal Gerhard Ludwig Müller, 2010 in einem Hirtenwort geschrieben habe. "Den Opfern dieser Zeit, aber auch allen, die sich heute erst melden, gilt unser tiefes Mitgefühl. Ihrer Ehre und Würde schulden wir, dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt." Voderholzer führt weiter aus, dass wer die Schilderungen der Betroffenen lese, nur "Entsetzen und Betroffenheit" spüren könne. Er könne deshalb nur in Demut um Entschuldigung bitten. Sein Hirtenwort wurde am Wochenende in den Gemeinden des Bistums verlesen. Domkapellmeister Roland Büchner hat sich unterdessen von Vorwürfen gegen seinen Vorgänger Georg Ratzinger im Zusammenhang mit den Übergriffen distanziert. Die Wochenzeitung "Die Zeit" hatte am Donnerstag ein Interview mit Büchner abgedruckt. Auf die Frage, wie viel Schuld Ratzinger, der Bruder des ehemaligen Papstes Benedikt XVI., trage, wird der Domkapellmeister mit der Antwort zitiert: "Ich habe ihn als herausragenden Musiker erlebt, der impulsiv, ja fanatisch sein konnte, wenn er seine Vorstellungen von musikalischer Qualität durchsetzte. Bei Proben war er unerbittlich. Danach konnte er der sanftmütigste Mensch der Welt sein. Manche Schüler sahen ihn als Vorbild, andere fürchteten ihn als Schläger." Büchner äußerte laut Internetseite der Domspatzen außerdem Respekt für den Umgang Georg Ratzingers mit der Vergangenheit. Bereits 2010 habe dieser sich in einem Interview dazu bekannt, als Chorleiter auch Ohrfeigen ausgeteilt zu haben. Unabhängige Instanzen, die den Missbrauch fördernde kirchliche Strukturen durchleuchten sollen, fordert der katholische Pastoraltheologe Wolfgang Beck. Zu den kritisierten Strukturen zählt er "die große Intransparenz von Entscheidungsabläufen und bei der Vergabe von Ämtern", die "Machtfülle von Bischöfen und hohen Klerikern ohne wirksame neutrale Kontrolle", "Verklemmtheit und Verlogenheit" im Umgang mit der Sexualität sowie die "theologische Rede von einer heiligen Kirche mit einem abgehobenen Verständnis von Kultur und Liturgie".

von Agentur KNAProfil

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