Gloria von Thurn und Taxis lässt Schloss Emmeram für Millionen-Aufwand sanieren
Damit der Glanz des Namens bleibt

Gloria von Thurn und Taxis. Bild: bdl
Vermischtes
Regensburg
09.12.2016
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Gut sichtbar sind die Renovierungsarbeiten auf Schloss St. Emmeram. Bis 2018 wird der Großteil der Fassade und des Daches des Stammsitzes der ehemaligen Postdynastie saniert sein. Bild: leh

Es ist Nachmittag am Emmeramsplatz 5 und statt dichter Menschentrauben schlendern kleine Gruppen von Besuchern des Romantischen Weihnachtsmarktes über den Innenhof des Schlosses. Nahezu magisch ziehen die Stände mit Bratwürsten, Glühwein, handgemalten Karten sowie Fellmützen die Menschen an - doch immer wieder fällt deren Blick auf die prächtige Fassade des Schlosses. Wer genau hinsieht, bemerkt am Flügel im Norden, dem sogenannten Abteiflügel, das Ergebnis fleißiger Handwerkerhände: Während die Bibliotheksfassade (im Bild rechts) grau erscheint, strahlt der linke Teil, in dem hauptsächlich vermietete Wohnungen liegen, im neuen Glanz.

"In den letzten 16 Jahren haben wir Stück für Stück den Großteil der Dächer und Fassaden des Regensburger Schlosses saniert", berichtet Andrea Platzer-Neuwald von der Fürst-Thurn-und-Taxis-Gesamtverwaltung. "Das war dringend nötig: Bei der Dachkonstruktion der Waffnergasse konnte man das Holz aus den Balken rauslöffeln, so weich war es", erinnert sich die Ingenieurin, die bereits seit 1989 bei der Fürstin arbeitet. Danach hätten sie sich weiter nach Osten vorgearbeitet: Reithalle, Schatzkammer und der Nord- und Ostflügel, den die fürstliche Familie bewohnt.

Ziel: das Jahr 2018

Nach der Renovierung des Eingangsportals 2013 steht nun der Abteiflügel auf dem Programm: "Bis 2018 wollen wir durch sein", erklärt Platzer-Neuwald. Einzig der Südflügel müsse noch warten. "Die Natursteinfassade bereitet uns Schwierigkeiten, da müssen wir noch schauen, wie wir vorgehen", so Platzer-Neuwald. Kostenpunkt der bisherigen Dachsanierung - gut 11 000 der 16 000 Quadratmeter Dachfläche sind schon geschafft: knapp 9,5 Millionen Euro. "Das ist auch für uns eine große Summe, schließlich haben wir hohe laufende Kosten", erklärt die Ingenieurin der Fürstin. 350 000 Euro betrage ein Jahreshaushalt - aber darin sind laut Platzer-Neuwald keine außergewöhnlichen Maßnahmen enthalten. Keine Wartungsarbeiten der Aufzüge, der Brandmeldeanlage, ganz zu schweigen von Öl oder Strom. Oder eine Kanalsanierung, wie sie gerade angefallen ist. "Die kostet dann einfach mal 30 000 Euro", erklärt die Angestellte des Hauses Thurn und Taxis.

"Das war ein kluger Schachzug unserer Fürstin vor 15 Jahren, große Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt oder die Festspiele hierher zu holen", erklärt Platzer-Neuwald. Lange Zeit standen große Teile des Anwesens - wie beispielsweise der Südflügel - leer. Doch Gloria von Thurn und Taxis hatte sich schon nach dem frühen Tod ihres Mannes Fürst Johannes als geschäftstüchtig erwiesen und das Familienunternehmen saniert. So war sie auch in Fragen der Nutzung ihrer Schlösser umhergereist und hatte sich Anregungen von anderen Schlossbesitzern geholt. Ab 1998 erfolgte die Umnutzung des Stammsitzes der Postdynastie, berichtet Platzer-Neuwald: "Notare und Rechtsanwaltskanzleien bezogen Büros im Haus und auch die Gesamtverwaltung zog in den Südtrakt." Mit dieser Entscheidung schaffte es die Fürstin, ihre großen Häuser - auch im finanziellen Sinn - sinnvoll zu nutzen. Schließlich sind solche große Anwesen - neben Sankt Emmeram besitzt das fürstliche Haus noch Schloss Taxis in Baden-Württemberg, Schloss Garatshausen bei Starnberg sowie Schloss Höfling in Regensburg-Burgweinting, das jedoch an die Grafenfamilie Walderdorff in Erbpacht vergeben wurde - eine große Baulast.

Gloria legt Hand an

Und auch hier gilt - Adel verpflichtet und zwar zum ökonomischen Umgang mit dem ererbten baulichen Kapital. Und wieder ist es Gloria selbst, die tatkräftig mit Hand anlegt, obwohl ihr Sohn Albert rechtlich das Erbe mit Schloss Emmeram übernommen hat. Obwohl sie sich selbst nicht mehr als Mittelpunkt der Partyszene ansieht, Glanz und Gloria des weltberühmten Adelshauses liegen fest in ihrer Hand. Und dem tut es auch keinen Abbruch, dass zu Messen, Vorweihnachts- und Kulturveranstaltungen der Fürstenpark für die Regensburger und ihre Gäste geöffnet wird. Viele kommen immer wieder gern.

Das Unternehmen T & TAus den Erträgen ihrer unternehmerischen Tätigkeit sowie aus Abfindungen für den Verlust von Postrechten erwarb die Familie umfangreiche Ländereien, im 19. Jahrhundert auch Industrieunternehmen und Brauereien, und gilt bis heute als größter privater Grundbesitzer Deutschlands. Laut dem US-Wirtschaftsmagazin Forbes wird das T & T-Vermögen auf 2,3 Milliarden Dollar geschätzt. (leh)
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