29.04.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Händlmaier aus Regensburg ist schon lange weit über die Oberpfalz hinaus bekannt Sie geben überall ihren Senf dazu

Wenn die Donau tatsächlich den Weißwurst-Äquator darstellt, dann wurde er 1992 von der Senffabrikation Händlmaier gesprengt. Die für viele wichtigste Zutat zur bayerischen Wurst, der süße Senf, wird seit zwölf Jahren nördlich der Donau im Regensburger Stadtteil Haslbach produziert. Für das Familienunternehmen war der Schritt ein gigantischer.

von Autor LYProfil

Was vor genau 100 Jahren mit einem Rezept der Metzgersgattin Johanna Händlmaier begann, wurde unter der Regie ihres Urenkels Franz Wunderlich zu einem Industriebetrieb, der Fans und Feinschmecker in rund 30 Ländern bedient.

Rezept im Tresor

In der Gesandtenstraße setzte Johanna Händlmaier vor 100 Jahren den süßen Hausmachersenf in einem großen Kochtopf in der Metzgereiküche an. Es war damals üblich, dass jede Metzgerei ihren eigenen Senf für die Brotzeiten und Mittagessen herstellte. Wie es zu den Mythen großer Firmen wie Coca-Cola gehört, liegt das Originalrezept, nachdem heute noch der Hausmachersenf angesetzt wird, streng geheim in einem Tresor.

Der Senf hat die Zustimmung der Kunden gefunden, so dass die zweite Generation Joseph und Luise Händlmaier an der Zutatenliste Wasser, brauner Zucker, Senfsaaten, Branntweinessig und Gewürze nicht rüttelte. Die Metzgerei wuchs zu sechs Filialen. Mitten im Erfolg starb Joseph Händlmaier überraschend und seine als sehr tatkräftig beschriebene Witwe führte das Geschäft mitten in der Männerdomaine zehn Jahre allein weiter.
Als keine der Töchter einen Metzger heiratete, entschloss sie sich 1964 zum Verkauf der Filialen an Franz Ostermeier. Der übernahm mit einer Bedingung, den Händlmaier-Senf wollte er auch anbieten.

So gründete Luise Händlmaier im gleichen Jahr ihre Senffabrikation. Dadurch wird in diesem Jahr ein doppeltes Jubiläum gefeiert: 100 Jahre Rezept und 50 Jahre GmbH. "Der gute Ruf ist dem Produkt vorausgegangen", stellt Marketingleiter Tilman Müller fest und berichtet wie Luise Händlmaier nach der Bestellung zweier Paletten mit Senf einer Supermarktkette geantwortet haben soll: "Jetzt kriegt's erst mal eine und schaut's, dass ihr die verkaufen könnt."

Den ersten Vertrieb der Senfgläser mit dem roten Deckel übernahmen die Regensburger Milchwerke. Die geschäftstüchtige Frau starb 1981 und Tochter Christa Aumer übernahm die Senfproduktion wieder mit wachsenden Erfolg. Senf kochen im Kochtopf und die beengte Situation in der Regensburger Altstadt ließen Sohn Franz Wunderlich, die dritte Generation Unternehmer, einen gigantischen Schritt wagen: Die Räume wurden aufgegeben und 1992 im Industriegebiet Haslbach eine Produktionshalle mit Verwaltung bezogen.

Anfangs nur Fehlversuche

Aus dem Handwerk musste eine industrielle Produktion werden, ohne den typischen Geschmack zu verlieren. Nach etlichen Fehlversuchen konnte der Senf in Serie gehen. Aus dem Geschäft einer tatkräftigen Frau, die den Senf fast schon nebenbei herstellte, ist heute ein modernes Unternehmen mit 65 Mitarbeitern auf 9000 Quadratmetern geworden.

Durch eine ständige Erweiterung des Sortiments um Feinkostsaucen, Meerrettich und Senf mussten 2002 und 2006 zusätzlich neue Produktionshallen angebaut werden. Außerdem zog die Verwaltung 2011 ebenfalls in ein neues Gebäude und ein neue Hochregallager entstand. Besonders stolz ist der heutige Firmeninhaber Franz Wunderlich auf das höchste Gebäude in Haslbach - das Silo-Gebäude.

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