20.04.2018 - 22:12 Uhr
RegensburgOberpfalz

Immer mehr Jugendliche kommen zur Katholischen Jugendfürsorge Schwierig, Orientierung zu finden

Zu den Beratungsstellen der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) kommen immer öfter Jugendliche aus eigenem Antrieb, auch ohne die Begleitung ihrer Eltern. "Orientierung zu finden, wie es im Leben weitergehen soll, wird in diesem Alter immer schwieriger", erklärte Hermann Scheuerer-Englisch beim Jahrespressegespräch der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in Regensburg. Im letzten Jahr sind 4421 Familien mit Kindern und Jugendlichen zu einer der zehn Beratungsstellen in der Diözese gekommen.

Alkoholkonsum ist ein Thema, über das Eltern mit ihren Kindern offen reden sollten, auch wenn die Meinungen auseinandergehen. Bild: Peter Ferstl
von Autor BDLProfil

Kinder und Jugendliche bringen mit ihrem Verhalten oft zum Ausdruck, dass etwas in der Familie nicht stimmt, dass die Eltern zu viel arbeiten, oder sie einfach mal Spaß haben wollen. Nicht selten höre er von den Kindern, dass eigentlich doch die Eltern in die Beratung müssten, sagt Scheuerer-Englisch. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind sowohl für die Jugendlichen als auch für die Eltern schwieriger geworden. Leistungsdruck in der Schule, Probleme mit Freunden sowie der Einfluss der Medien - und auf der anderen Seite wenig Zeit in der Familie für Gespräche oder Streit und Trennung.

Von den Kindern und Jugendlichen, die die Beratungsstellen aufsuchten, wuchsen 38,2 Prozent bei einem alleinerziehenden Elternteil auf, 45,2 Prozent erlebten die Trennung der Eltern. Im vergangenen Jahr wandten sich 1376 Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren (31,1 Prozent) und 376 junge Erwachsene bis zum Alter von 24 Jahren (8,3 Prozent) an eine der Beratungsstellen.

Scheuerer-Englisch sieht Probleme wie übersteigerten Medienkonsum, Mobbing, Alkoholexzesse, Drogenmissbrauch, Schulverweigerung oder depressive Reaktionen als Anzeichen von Überforderung. In dieser Altersgruppe sei es wichtig, Hilfe niedrigschwellig, möglichst schnell und unmittelbar anzubieten. In akuten Krisensituationen sollten die Betroffenen jemanden haben, mit dem sie über ihre Probleme sprechen können. Die Mitarbeiter der Beratungsstelle haben Schweigepflicht. Wenn der Jugendliche nicht möchte, dass die Eltern über die Beratung informiert werden, wird das respektiert.

Die Drogenproblematik sieht Scheuerer-Englisch in Regensburg nicht so gravierend. Der Anteil der Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren, die dauerhaft kiffen liege bei unter zehn Prozent. Etwa 30 bis 40 Prozent hätten Kontakt zu der Droge. Die Zahlen würden bei den schweren illegalen Drogen deutlich niedriger liegen. Die seien nur in einem bestimmten Milieu zu finden. Ein großes Thema sei aber in den Familien der Alkoholkonsum. Komasaufen oder mit der Flasche in der Hand unterwegs zu sein, sei üblich. Jugendliche würden sich ausprobieren, an die Grenzen gehen. In der Familie sei es wichtig, darüber zu sprechen.

Die Beratungsstellen sind auch Ansprechpartner für suizidgefährdete Jugendliche. Suizid ist bei Jugendlichen die zweithäufigste Todesursache nach Verkehrsunfällen. "Das Risiko steigt ab dem 15. Lebensjahr", erklärt Dr. Joachim Weiß, Leiter der Beratungsstelle in Rottal-Inn. Dort gibt es bereits eine offene Sprechstunde und einen Krisenchat für Betroffene. Suizid sei in diesem Lebensalter meist eine Kurzschlusshandlung. Jugendliche fühlen sich überfordert, finden keinen Ausweg. "Gespräche helfen, Lösungen für die Probleme zu finden", sagte Weiß.

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