30.03.2018 - 22:20 Uhr
Regensburg

Kleinbus von "Kirch in Not" unterwegs Beichten - ganz mobil

Konflikte in der Familie, Streit mit dem Nachbarn - die Themen, die Menschen auf der Seele lasten, können vielfältig sein. Im Beichtmobil finden sie seelsorgerischen Beistand, völlig unabhängig vom Glauben.

Pater Hermann-Josef Hubka steht vor seinem mobilen Beichtstuhl auf dem Neupfarrplatz in Regensburg. Bild: Armin Weigel/dpa
von Agentur DPAProfil

Manch einen kostet es dann doch etwas Überwindung, auf das Beichtmobil zuzugehen - der Kleinbus der katholischen Organisation "Kirche in Not" steht mitten in der Regensburger Altstadt. Pater Hermann-Josef Hubka machte hier einen Tag lang Station und bietet Passanten seelsorgerische Gespräche an - anonym und unabhängig vom persönlichen Glauben. Katholiken haben die Möglichkeit, die Beichte abzulegen. Seit 2004 ist Hubka mit dem Beichtmobil in ganz Deutschland unterwegs. In der Regel kommt er auf Einladung von Pfarrgemeinden in Städte oder zu Großveranstaltungen. Das Angebot werde meist gut angenommen, sagt der 60-Jährige.

Hubkas Anliegen ist es, "die Beichte aus der Nische zu holen", wie er bei seinem Besuch in Regensburg sagt. Es zeige sich seit etlichen Jahren, dass Menschen zwar in die Messe gehen und die Kommunion empfangen, jedoch nicht mehr die Beichte ablegen. Er spricht vom "vergessenen Sakrament". Dabei sei der Gesprächsbedarf bei den Menschen offenbar "unendlich groß". Allerdings sei die klassische Beichte im Beichtstuhl in der Kirche bei vielen Menschen ein bisschen negativ behaftet. "Vielleicht haben sie schlechte Erfahrungen gemacht."

Anonymität wichtig

Das Publikum am Beichtmobil ist gemischt: jung und alt, katholisch, evangelisch, anders- oder gar nicht gläubig. Die einen kommen gezielt, die anderen ganz zufällig vorbei. "Manche gehen eine Viertelstunde um den Bus herum und plötzlich huschen sie herein", sagt Hubka. "Die kommen hier nicht locker-flockig an." Die Anonymität mache den Gesprächseinstieg jedoch oft einfacher. "Die Leute wissen, ich fahre am Abend wieder und bin dann weg." Hubka ist jeweils mit einer halben Stelle als Wallfahrtsseelsorger im nordbadischen Waghäuser und beim Hilfswerk "Kirche in Not" tätig.

Während sich die einen Besucher bei Hubka lediglich über die Beichte informieren oder vielleicht ein Gebet sprechen wollen, schütteten anderen ihm dann plötzlich ihr Herz aus. Themen, die sie oft schon lange mit sich herumtragen. Da sei er auch als Seelsorger gefragt. Viele hätten schon lange nicht mehr gebeichtet, und im Gespräch stellten sie fest, dass sie vielleicht hier und da tatsächlich unfreundlich waren. "Man muss ja nicht gleich jemanden erschossen haben." Das Gespräch im Beichtmobil rege zur Reflexion an, sagt der 60-Jährige. Es sei nicht leicht, sich Fehler einzugestehen. "Da glaubt jemand, keine Sünden begangen zu haben - und dann stellt sich heraus, dass er zwei Gerichtsprozesse am Laufen hat mit der 'blöden Nachbarin'. Da zeigt sich, welchen Ingrimm man auch in sich hat." Schnell kämen da Schimpfwörter zusammen.

"Knüppel auf der Seele"

Andere Besucher trügen "schwere Knüppel auf der Seele" mit sich herum. Frauen, denen es keine Ruhe lässt, dass sie vor 30 oder 40 Jahren ihr Kind haben abtreiben lassen. Jemand, der sich nach einem Streit nicht mehr aussöhnen kann, weil der andere inzwischen gestorben ist. Mütter, die glauben, bei der Erziehung ihrer Kinder versagt zu haben. Oder Kriegsüberlebende, die damals vielleicht in Russland jemanden erschossen haben. "Das Themenspektrum ist vielfältig. Man muss mit allem rechnen."

Jedoch: Eines eint die meisten Besucher des Beichtmobils: "Die Leute gehen erleichtert", sagt Hubka. Er hört ihnen zu, nimmt ihnen auf Wunsch die Beichte ab - und er verurteilt sie nicht.

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