24.01.2018 - 21:08 Uhr
RegensburgOberpfalz

Landgericht gab überraschenden Hinweis Wende im Prozess?

Am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen eine Einzelhandelskauffrau (36) aus Zeitlarn wegen Totschlags an ihrem wenige Stunden alten Baby sorgte der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg am Mittwoch für eine Überraschung. Dr. Michael Hammer gab den formalen richterlichen Hinweis: "Möglich ist auch eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen, da die Angeklagte keine fremde Hilfe in Anspruch nahm, obwohl ihr dies möglich war."

von Autor AHSProfil

Dabei ist dies nicht die erste Überraschung. Die Angeklagte war Mitte Juni 2017 in Untersuchungshaft genommen worden. Am 17. Dezember setzte das Oberlandesgericht Nürnberg auf eine Haftbeschwerde der Verteidigung hin den Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug "da einer möglichen Fluchtgefahr auch mit milderen Mitteln begegnet werden kann". Den dringenden Tatverdacht bestätigten die Nürnberger Richter.

Um die Möglichkeit einer fahrlässigen Tötung zu verifizieren seien jedoch weitere Ermittlungen erforderlich. So müsse das Handy der Angeklagten nochmals ausgewertet werden, um festzustellen, ob sie in der relevanten Zeit mit anderen Personen kommuniziert hat. Dies wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Auch hätten Polizeibeamte einen Ermittlungsauftrag des Landgerichts missverstanden. Daher will die Schwurgerichtskammer die vier Mietparteien selbst als Zeugen hören.

In seinem mündlichen Gutachten bestätigte der Rechtsmediziner die Feststellungen im Obduktionsbericht. Danach habe der Säugling sechs, maximal zwölf Stunden gelebt und sei infolge Sauerstoffmangels und/oder Unterkühlung verstorben. Da auch die Protokolle des Ermittlungsbeamten viele Fragen offen ließen resümierte der Gerichtsvorsitzende "Wir sehen hier einen erheblichen weiteren Ermittlungsbedarf." Der Prozess dauert an.

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