08.09.2017 - 00:20 Uhr
RegensburgOberpfalz

Maskenbildnerinnen Sabine Heuser und Tanja Bettahar im Interview Leben richtet sich nach dem Theater

(mia)

Ja, OK, sie arbeiten, wenn alle anderen frei haben. Aber trotzdem: Sabine Heuser und Tanja Bettahar würden ihren Job mit keinem anderen tauschen wollen. Die beiden sind Maskenbildnerinnen am Theater Regensburg und erzählen im Interview von ihrer Passion und ihrem Beruf.

Maskenbildnerin Sabine Heuser. Bild: mia
von Azubi 2018Profil

Ihr habt sehr lange gelernt - wie bildet Ihr Euch jetzt weiter?

Sabine: Eigentlich ist es fast unmöglich, überall am Ball zu bleiben. Es werden immer neue Materialien eingesetzt - zum Beispiel auch aus der Bauindustrie. Oder Special Effects - die sind ein ganz spannendes Thema. Man kann Wunden darstellen, Amputationen, Fabelwesen oder Hörner, die aus der Haut wachsen...

Auch in der Perücken-Herstellung gibt es wahnsinnig tolle Möglichkeiten. Da wird das Original-Haar Zentimeter für Zentimeter abfotografiert und dann eine Perücke nachgeknüpft.

Mit der Freizeit sieht es bei Euch nicht so rosig aus: 40-Stunden-Woche und Urlaub in einem großen Block nur während der Theaterferien im Sommer...

Tanja: Man plant sein Leben um das Theater herum, nicht anders. Das muss einem klar sein, bevor man diesen Beruf wählt.

Wie werden Ihr eigentlich zur Arbeit eingeteilt? Könnt Ihr zumindest etwas planen in Sachen Freizeit?

Sabine: Wir arbeiten 40 Wochenstunden. Der Dienst bei den Vorstellungen - ich werde in dieser Saison beispielsweise jedes Mal bei "Loops" oder "Hamlet" eingesetzt - wird zuerst gerechnet. Das ist fix. Der Rest der Stunden wird dann beim sogenannten Werkstattdienst eingeteilt. Es gibt Wochen, da ist man fünf Mal abends da, dann mal wieder nur ein Mal - und manchmal hat man auch ne komplette Woche Werkstattdienst oder sogar ein freies Wochenende... Es kommt halt immer darauf an, was gerade auf dem Spielplan steht. Wenn wir Glück haben und nichts dazwischen kommt, gibt es so drei bis vier Wochen im Voraus die Dienstpläne.

Was gefällt Euch an Eurem Job am Wenigsten?

Sabine: Wir arbeiten, wenn alle frei haben. Gerade bei Familienfeiern ist das schon ein Problem. Man verpasst halt viel...

Und was ist am Schönsten?

Sabine und Tanja: Diesen langen Weg von einer Masken-Idee bis zur Premiere gemeinsam mit Regisseur und Kostümbildner zu begleiten und alles umzusetzen, das ist schon toll. Außerdem haben wir mit Menschen aus aller Welt zu tun, das ist auch super.

Was immer wieder schwierig an Eurem Job?

Sabine: Wir sind jedes Mal nervös, wenn während der Vorstellung an Maske und Kostüm etwas gewechselt werden muss. Solche "Blitzumzüge" müssen funktionieren - wehe, da geht etwas schief, weil zum Beispiel ein Reißverschluss nicht gleich aufgeht... Bei einer unserer letzten Produktionen, den "Producers", hatten wir zum Beispiel genau drei Sekunden Zeit für den Wechsel einer Perücke.

Müsst Ihr oft unter Zeitdruck arbeiten?

Sabine und Tanja: Es wird schon oft ganz, ganz knapp vor einer Premiere - aber bis auf ein einziges Stück, in dem die Perücke nicht fertig geworden ist, hat noch immer alles geklappt.

A propos Perücke: Es kann schon mal vorkommen, dass eine Perücke, an der Du gut 40 bis 60 Stunden geknüpft hast, kurzfristig doch nicht mehr gewünscht wird... dann muss der Ersatz eben bei uns in der Maske in Schichtarbeit von mehreren Kollegen neu geknpüft werden.

Sowas ist doch auch körperlich sehr anstrengend,oder?

Sabine: Ja klar, gerade das Knüpfen birgt die Gefahr einer Sehnenscheideentzündung.

Aber auch Rücken und Nacken sind bei uns Maskenbildnern immer Problemregionen. Da müssen wir uns mit Yoga, Pilates oder Massagen fit halten.

Wie schaut's eigentlich für Maskenbildner mit Kohle und Aufstiegschancen aus?

Sabine und Tanja: Wir können es am Theater bis zum Stellvertreter oder zum Chef-Maskenbildner bringen. Im Film und Fernsehen ist zwar mehr Geld zu verdienen (am Theater steigen wir nach der Ausbildung so mit 1800, 1900 Euro ein) - aber da bist Du halt selbstständig.

Du bist dann immer unterwegs, hast oft 16- bis 18-Stunden-Tage und weißt nie, wann der nächste Auftrag kommt... Das muss man schon mögen.

Aber theoretisch kannst Du für Deine Arbeit dann sogar auch einen Oskar kriegen!

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