"Ministranten-Mörder" attackiert "Stalking-Mörder"
Treffen der Schwerverbrecher

2012, Landgericht Weiden: "Stalking-Mörder" Alexander S. (im Bild mit seinem Verteidiger) wird zu 13 Jahren Haft plus Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus verurteilt. Dort soll es ihm 2015 ans eigene Leben gegangen sein. Archivbild: Huber
Vermischtes
Regensburg
05.03.2018
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Der Regensburger "Ministranten-Mörder" attackiert den Vohenstraußer "Stalking-Mörder". Begleitet von einem großen Medieninteresse und unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen begann vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg ein außergewöhnlicher Prozess.

Straubing/Regensburg. Der heute 41-jährige Martin P. muss sich wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und versuchter Vergewaltigung verantworten. Der erste Prozesstag am heutigen Montag unter Vorsitz von Richter Michael Hammer zeichnete sich jedoch durch Schweigen und Erinnerungslücken aus.

Die nun abzuurteilende Tat liegt knapp zweieinhalb Jahre zurück. Martin P., der bereits zwei Mal wegen Mordes verurteilt worden war, ist seit 2006 im Bezirkskrankenhaus Straubing untergebracht. Dort war sein Opfer, ein heute 28-jähriger Mitpatient, auf der gleichen Station wie der Angeklagte untergebracht. Dieser war 2012 vom Landgericht Weiden wegen Mordes zu 13 Jahren Haft mit anschließender Unterbringung verurteilt worden. Er hatte eine junge Frau aus Vohenstrauß, die er über das Internet kennengelernt hatte, wochenlang verfolgt und mit mehreren Messerstichen getötet.

Täter und Opfer kannten sich bereits etwa ein Jahr, als der Angeklagte Ende September 2015 den Plan gefasst haben soll, den damals 25-jährigen mit einem Hammer bewusstlos zu schlagen, ihn zu fesseln, zu vergewaltigen und gegebenenfalls zu töten. Anfang Oktober 2015 soll es dann bei einem Fernsehabend im Zimmer des Angeklagten zu solch einem Übergriff gekommen sein.

Mit einem 685 Gramm schweren Kombihammer, den er aus der Werkstatt der Forensik mitgehen ließ, soll der Angeklagte mit der Stahlseite mindestens zwei Mal auf sein Opfer eingeschlagen haben, als dieses ihm den Rücken zuwandte. Anschließend soll der den Geschädigten gewürgt und auf das Bett gedrückt haben. Aufmerksam geworden durch die Hilferufe des Opfers kam ein Mitpatient ins Zimmer. Der Geschädigte nutzte diese Gelegenheit, um das Zimmer zu verlassen.

Mit 70 Messerstichen getötet

Erstmals geriet Martin P. als 18-jähriger in die Schlagzeilen. 1994 hatte er in Regensburg, damals selbst Messdiener, einen elfjährigen Ministranten mit 70 Messerstichen getötet, weil sich dieser gegen seine sexuellen Übergriffe gewehrt hatte. Er wurde wegen dieser Tat zur höchstmöglichen Jugendstrafe von zehn Jahren verurteilt. Wenige Monate nach seiner Entlassung mordete er erneut.

Diesmal war es der Sohn eines Mithäftlings, dem er in München im Februar 2005 auf dem Schulweg auflauerte. Er missbrauchte den Neunjährigen, erstickte ihn und verging sich an der Leiche. Gutachter kamen zu dem Ergebnis, dass beim Angeklagten eine Paraphilie im Sinne einer homosexuell orientierten Pädophilie und im Sinne eines Sadismus besteht. Seine sexuellen Bedürfnisse seien stets mit dem Würgen und der Tötung des Partners verbunden. Das Landgericht München verurteilte ihn 2006 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und anschließender Sicherungsverwahrung. Damals urteilte der Gerichtsvorsitzende Manfred Glötzl: "Sie sind ein krankhaft pädophiler, sexueller Sadist von dem eine Gefahr ausgeht."

Zum Prozessauftakt ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger Clemens Schnabel erklären, dass er keine Angaben machen wird. Auch die Zeugenvernehmung des Geschädigten brachte nichts Erhellendes. Er berichtete von einem "freundschaftlichen Kontakt, sonst aber nichts". Die sexuellen Neigungen des Angeklagten seien ihm bekannt gewesen. Man habe ihm aber erklärt "der soll nur auf jüngere stehen".

Angeblicher Blackout

An das Geschehen selbst habe er keinerlei Erinnerungen mehr "es gab inzwischen andere Vorfälle". Selbst als ihm der Gerichtsvorsitzende seine Angaben vor der Polizei einen Tag nach der Tat vorhielt blieb er bei dem behaupteten Blackout. Alles, an was er sich noch erinnern könne sei, dass der Angeklagte hinter ihm auf dem Bett lag und ihn mit seinem Unterarm in den Würgegriff nahm. Später sei er aus dem Zimmer gerannt und dann vor einem Mitpatienten zusammengebrochen.

Der Prozess dauert an. Insgesamt sind vier Verhandlungstage vorgesehen. Neben zahlreichen weiteren Zeugen wird auch der bundesweit bekannteste Forensik-Gutachter, Prof. Dr. Norbert Nedopil, gehört. Zuletzt hatte er Gustl Mollath und Beate Zschäpe begutachtet.
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Franz Wölfl aus Mitterteich | 06.03.2018 | 11:07  
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