22.03.2017 - 20:38 Uhr
RegensburgOberpfalz

Möglicher Meineid im Gerichtsverfahren Mollath „Nach bestem Wissen und Gewissen“

Das vor drei Jahren geführte Wiederaufnahmeverfahren von Gustl Mollath vor dem Landgericht Regensburg hat für einen 69-jährigen Zahnarzt aus Bad Pyrmont ein juristisches Nachspiel. Seit Mittwoch muss sich der Dentist vor dem Schöffengericht Regensburg unter Vorsitz von Richter Alexander Guth wegen falscher uneidlicher Aussage in Tatmehrheit mit Meineid verantworten. Gustl Mollath selbst verfolgt den Prozess als Zuhörer.

Der ehemalige Zeuge (links) soll vor dem Landgericht Regensburg und vor dem Untersuchungsausschuss falsch ausgesagt haben. Bild: dpa
von Autor AHSProfil

Der Angeklagte ist ein langjähriger Freund Mollaths. In den Jahren der Unterbringung in verschiedenen psychiatrischen Krankenhäusern hatte sich Mollath immer darauf berufen, dass seine damalige Ehefrau, eine Bankangestellte, ein Komplott gegen ihn geschmiedet habe, da er ihre unseriösen Geschäftsaktivitäten nicht mehr dulden wollte. Diese Behauptung untermauerte der Angeklagte als Zeuge im Juni 2013 vor dem Untersuchungsausschuss "Fall Mollath" des Landtags und im Juli 2014 vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Regensburg. Der Arzt hatte von einem Telefongespräch mit der damaligen Ehefrau Mollaths berichtet, das angeblich am 31. Mai 2002 geführt wurde und das folgenden Inhalt gehabt haben soll: "Wenn Gustl mich und meine Bank anzeigt, mache ich ihn fertig. Ich habe sehr gute Beziehungen, dann zeig' ich ihn auch an." Seine Erinnerung stützte der Angeklagte seinen Angaben nach auf Notizen in zwei Kalendern. Der Untersuchungsausschuss hatte auf seine Beeidigung verzichtet. Vor dem Landgericht Regensburg leistete er den Eid mit religiöser Beteuerung. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der Angeklagte mit der damaligen Ehefrau Mollaths weder am 31. Mai 2002 noch zu irgendeinem anderen Zeitpunkt ein solches Telefongespräch geführt hat. Auch soll er eine Notiz auf seiner Schreibtischunterlage erst Jahre später gefertigt haben. Am ersten Verhandlungstag äußerte sich der Angeklagte nicht zu diesen Vorwürfen. Er ließ lediglich über seinen Verteidiger Detlef Korn (Northeim, Niedersachsen) erklären, er habe damals seine Aussagen "nach bestem Wissen und Gewissen" gemacht. Zudem wies der Verteidiger darauf hin, dass sein Mandant gesundheitlich angeschlagen sei. Details wolle er - womöglich unter Ausschluss der Öffentlichkeit - zu einem späteren Zeitpunkt vortragen.

Einem Hinweis des Vorsitzenden zufolge musste die inzwischen geschiedene Frau Mollath als Zeugin ausgeladen werden. Sie hatte dem Gericht ein Attest vorgelegt, wonach sie an einer "dauerhaften ernsthaften Erkrankung" leide. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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