Opfer sollen Anerkennung für massive Körperverletzungen erfahren
Bistum will Gewaltopfer entschädigen

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Regensburg
10.01.2017
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Das Bistum Regensburg richtet ein Projekt zur Anerkennung von Leid nach massiver Körperverletzung durch kirchliche Mitarbeiter ein. Es geht dabei um Taten, die strafrechtlich nicht mehr verfolgt werden können, da sie verjährt sind oder der Täter bereits verstorben ist.

Das Projekt ist aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch und aus den Erfahrungen mit der Vergangenheit der Domspatzen entstanden. Über 400 ehemalige Domspatzenschüler erhalten nach Auskunft des Bistums (Stand Oktober 2016) bereits "Anerkennungszahlungen". Das nun aufgelegte Projekt geht nun offenbar über diesen Personenkreis hinaus. Es soll zunächst auf eineinhalb Jahre befristet sein und ebenfalls "Anerkennungszahlungen" beinhalten. Diese Zahlungen sollen maximal 5000 Euro betragen, keine Rechtspflicht anerkennen und weder als Schmerzensgeld noch als Schadensersatz im klassischen Sinne verstanden werden.

Kein Budget festgelegt

"Das Bistum möchte auf diese Weise Menschen helfen, die als Minderjährige Opfer massiver Körperverletzungen im kirchlichen Bereich geworden sind, ihr Leid aufzuarbeiten", heißt es auf der Homepage des Bistums. Auf Nachfrage wird bestätigt, dass für die Anerkennungszahlungen kein Budget definiert worden sei, und dass man von der Limitierung auf 5000 Euro in Ausnahmefällen auch absehen werde. Ohne zwischen den Begriffen Misshandlung und Missbrauch direkt zu unterscheiden, ist ein vom Bistum mit der Aufklärung der Übergriffe beauftragter Regensburger Rechtsanwalt bereits im Januar letzten Jahres von 700 Fällen ausgegangen, in denen ehemalige Schüler und Chorknaben von den Jahren 1945 bis in die frühen Neunzigerjahre Opfer grenzüberschreitender Übergriffe geworden sein sollen.

Noch keine Zahlen

Das Bistum beziffert den Personenkreis nicht, der womöglich Opfer massiver Körperverletzung geworden ist, da "hier noch keine Zahlen vorliegen und die Diözese Regensburg jetzt das Verfahren eröffnet". Bei diesem neuen Projekt sollten die Zahlen über Anträge und Anerkennungen jährlich ausgewertet und veröffentlicht werden, heißt es.

Als Anlaufstelle steht seit Montag der Beauftragte des Bistums für Opfer von Körperverletzung, Andreas Scheulen, zur Verfügung (Tel.: 0911/4611226, info@kanzleischeulen.de). Der Anwalt unterzieht den Antrag einer Plausbilitätsprüfung und reicht ihn mit einer Zahlungsempfehlung an ein Bistumsgremium weiter. Dieses Gremium besteht aus dem Generalvikar als Vertreter der Bistumsleitung, einem Psychologen (im kirchlichen Dienst) und einem unabhängigen Rechtsanwalt.

Nähere Informationen und das Antragsformular selbst gibt es auf der Internetseite des Bistums. Es umfasst sechs Seiten.
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