30.03.2017 - 21:20 Uhr
RegensburgOberpfalz

Plädoyers im Ehedrama Mit rotem Kleid erwürgt

Ein 46-jähriger Kranführer soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft in Regensburg wegen Totschlags für neun Jahre ins Gefängnis. Sein Verteidiger Michael Haizmann plädierte für eine fünfjährige Freiheitsstrafe.

von Autor AHSProfil

Der Angeklagte war im Mai vergangenen Jahres gegen 10 Uhr morgens verletzt in einem Regensburger Krankenhaus aufgetaucht. Dem Pflegepersonal erzählte er, dass seine acht Jahre jüngere Ehefrau tot in der Wohnung liegen würde. Bei einer Nachschau in dem von der Familie bewohnten Reihenhaus fanden die Polizeibeamten den leblosen Körper der 37-Jährigen. Sie war mit einem roten Kleid erwürgt worden. Die spätere Obduktion stellte als Todesursache eine zentrale Lähmung fest. Bereits bei der Kripo und später auch beim Ermittlungsrichter legte der Angeklagte ein Geständnis ab, bei dem er sich auch auf Gedächtnislücken berief.

In den letzten Monaten vor der Tat muss sich das Opfer stark verändert haben, was sich durch eine deutliche Gewichtsreduzierung zeigte. Auch achtete sie mehr auf ihr Äußeres und suchte im Internet Männerbekanntschaften. Dem Angeklagten gegenüber machte sie keinen Hehl daraus, auch nicht, dass sie an Trennung dachte. Doch dieser wollte krampfhaft an der Beziehung festhalten. Mit zwei Männern kam es auch zu sexuellen Kontakten. Einen von ihnen hatte sie auch am Tattag getroffen.

Am Abend, als die Familie auf dem Balkon saß, chattete sie mit einem anderen Mann. Dabei wurde von den Eheleuten reichlich Alkohol konsumiert. Nachdem die Kinder zu Bett gebracht worden waren, muss es im Schlafzimmer zu sexuellen Handlungen gekommen sein, die durch SMS-Nachrichten eines anderen Mannes gestört wurden. Es sei dann zu einem Gerangel, einer Art "Kampf und Spiel" gekommen. Dabei griff der mit über zwei Promille stark alkoholisierte Angeklagte zu einem Kleid, legte es um ihren Hals und zog minutenlang zu, bis sie kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Der Anklagevertreter kam zu dem Schluss: "Er handelte mit Wissen und Wollen."

Verteidiger Michael Haizmann wertete das Geschehen als Affekttat im Zustand der verminderten Schuldfähigkeit. Sein Mandant sei "gedemütigt, hingehalten und als Mensch zweiter Klasse behandelt worden". Die letzten Wort des Angeklagten lauteten: "Ich habe meine Frau über alles geliebt. Ich weiß nicht, warum ich das getan habe." Das Urteil wird am kommenden Freitag verkündet.

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