29.06.2017 - 11:02 Uhr
RegensburgOberpfalz

Polizei in Regensburg richtet Sperrkreis von 400 Metern ein [Aktualisierung] Fliegerbombe führt zu Gefängnisräumung

Die JVA in Regensburg muss wegen der Fliegerbombe evakuiert werden. Foto: Armin Weigel/dpa
von Elisabeth LehnerProfil

Seitdem am Mittwoch eine Bombe auf der Dörnberg-Baustelle im Regensburger Westen gefunden wurde, steht das Telefon im Büro von Christian Gessenharter in der Friedrich-Niedermayer-Straße in Regensburg nicht mehr still. Sobald der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) endlich aus einer der langen Lagebesprechungen mit Polizei, Stadt und anderen Verantwortlichen zurückkommt, möchte schon wieder ein Journalist wissen, wie die Evakuierung der JVA vonstattengeht. 109 Häftlinge müssen bis Samstagvormittag ihre Zellen in Regensburg verlassen, weil das Gefängnis im Sperrradius liegt. Keine alltägliche Aufgabe für Gessenharter. Zuletzt musste 2013 die JVA in Passau wegen Hochwasser evakuiert werden. In den 90er Jahren mussten die Häftlinge in Neu-Ulm ihre Zellen verlassen.

Letztes Jahr Evakuierung knapp entkommen

Viele Einzelheiten zu seiner Vorgehensweise gibt Gessenharter nicht preis – „aus sicherheitstaktischen Gründen“, wie er betont. Ein wenig Erfahrung hat der JVA-Leiter schon vom letzten Jahr – „da sind wir nach einem Bombenfund an einer Evakuierung knapp vorbeigekommen“. Für solche Fälle hat das Regensburger Gefängnis einen eigenen Evakuierungsplan, der seit Donnerstag anläuft. „Jede JVA hat einen eigenen Evakuierungsplan“, weiß der JVA-Leiter von Straubing und Passau, Hans Amannsberger. „Da steht beispielsweise drin, wie und auf welche anderen Vollzugsanstalten in Bayern die Gefangenen verteilt werden, wie sie transportiert werden und wie die Zusammenarbeit mit der Polizei aussieht“.

Transport auch mit Bussen des RVB

In Regensburg werde die Hauptevakuierung am Samstag stattfinden, so Gessenharter. Dazu werden Busse eingesetzt. Und der Regensburger Verkehrsverbund (RVB) sei ebenfalls mit an Bord, erklärt er. Um welche Busse es sich handelt und wie die Gefangenen genau transportiert werden, verrät der JVA-Leiter aus Sicherheitsgründen nicht. Amannsberger hält Linienbusse als Transportfahrzeuge durchaus für möglich. Eine große Gefährdungslage braucht trotzdem kein Bürger fürchten.

Gefangene sind gefesselt, Polizei begleitet Busse

Schließlich „sind die Gefangenen gefesselt, es ist genügend Wachpersonal dabei und die Fahrzeuge werden von Polizisten begleitet“. Zusätzlich wird genau geprüft, welche Gefahr von einem Häftling ausgeht. Diese sei bei einem Mann, der für zwei Monate wegen fehlender Unterhaltszahlungen einsitze, eher gering, so Amannsberger. In Regensburg sitzen Männer mit Strafen bis zu einem Jahr und Frauen, die eine Haftstrafe bis zu drei Monaten verbüßen. Ihr Gefahrenpotenzial ist eher niedrig einzustufen. Allerdings gibt es auch in Regensburg Häftlinge, die in Untersuchungshaft sitzen. Sie können auch gravierende Delikte begangen haben. Ist dies der Fall, werden sie bei der Evakuierung einzeln transportiert. Am Samstag werde es auch solche einzelnen Transporte geben, so Amannsberger. In welchen JVAs sie dagegen untergebracht werden, verrät er nicht. „Wir gehen davon aus, dass die Straftäter am Samstag wieder nach Regensburg zurückkehren können“, so Amannsberger.

Das hofft natürlich auch JVA-Leiter Gessenharter. Doch nun sei es erst einmal wichtig, dass sich das Personal konzentriert und unaufgeregt den Vorbereitungen widmen könne und dass die Gefangenen mit einem guten Gefühl ihrem Transport entgegensehen könnten. Schließlich seien auch sie durch die Nachrichten und die Zeitung über die Lage informiert. Geschultes Personal stünde ihnen für Gespräche zur Verfügung.

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