16.02.2017 - 22:20 Uhr
RegensburgOberpfalz

Prozess: Ehefrau mit einem Kleid erdrosselt „Bring mich um!“

Ein 46 Jahre alter Mann hat vor dem Landgericht Regensburg zugegeben, seine Ehefrau mit einem Kleid erdrosselt zu haben. Mit im Gerichtssaal: Ex-Jahn-Präsident Heinz Groenewold (70), Vater der Getöteten.

von Autor AHSProfil

Seit Donnerstag muss sich ein 46 Jahre alter Kranführer wegen Totschlags vor dem Landgericht Regensburg verantworten. Zum Prozessauftakt ließ er über seinen Verteidiger Michael Haizmann lediglich erklären, "in einer hochemotionalen Atmosphäre, die in einen Streit eskalierte, seine Ehefrau vermutlich mit einem Kleid erdrosselt zu haben". Details wolle sein Mandant erst zu einem späteren Zeitpunkt offenbaren.

Der Angeklagte war im Mai vergangenen Jahres gegen 10 Uhr morgens verletzt in einem Regensburger Krankenhaus aufgetaucht. Dem Pflegepersonal erzählte er, dass seine acht Jahre jüngere Ehefrau tot in der Wohnung liegen würde. In dem von der Familie bewohnten Reihenhaus fanden die Polizeibeamten den leblosen Körper der 37-jährigen. Die spätere Obduktion stellte als Todesursache eine zentrale Lähmung fest. Bereits bei der Kripo und beim Ermittlungsrichter legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab.

Motiv Eifersucht?

Der damalige Vernehmungsbeamte berichtete als Zeuge, dass es zwischen Täter und Opfer immer wieder Streit gab, der auch einen Polizeieinsatz ausgelöst hatte. Als Grund für diese Konflikte habe der Angeklagte angegeben, dass das spätere Opfer mehr Geld ausgegeben hatte, als der Angeklagte nach Hause bringen konnte. Auch das angemietete Reihenhaus sei viel zu teuer gewesen. Außerdem habe sich seine Ehefrau zu wenig um die gemeinsamen Kinder (neun und elf Jahre alt) gekümmert, selbst wenn sie krank waren.

Zudem habe sie zu zahlreichen Männern Kontakte unterhalten, die alle Sex von ihr wollten. Sie habe ihm erklärt: "Ich spiele mit offenen Karten", ihm die entsprechenden Textnachrichten gezeigt und verlangt, dass er ihre Treffen mit diesen Männern akzeptiert. Dadurch habe er sich sehr gedemütigt gefühlt. In letzter Zeit hatte sie wöchentlich Kontakt zu einem Mann aus dem Landkreis Schwandorf. Dessen Liebesbriefe habe er in der Wohnung gefunden.

Tränenreich habe dann der Angeklagte die Geschehnisse in der Tatnacht geschildert. Beide seien auf dem Balkon gestanden, als seine Ehefrau eine SMS von einem Mann aus Norddeutschland erhielt, den sie wenige Tage vorher kennengelernt hatte. Sie hätten sich dann ins Schlafzimmer zurück gezogen, um Sex miteinander zu haben. Anders als sonst habe sie ihm diesmal die Textnachricht nicht gezeigt. Deshalb wollte er das Schlafzimmer verlassen. Sie wollte, dass er ins Bett zurückkehrt. Bei dem Gerangel seien beide alkoholisiert zu Boden gestürzt.

Da habe sich seine Ehefrau ein Kleidungsstück über den Hals gelegt und gefordert "Bring mich um!". Er habe das Kleid zugeknotet und zugezogen. "Ist es das, was du willst?", habe er gefragt. Minutenlang habe er zugedrückt. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass meine Frau stirbt." Am Morgen nach der Tat habe er seinen Kindern das Frühstück zubereitet und dann mit ihnen gemeinsam das Haus verlassen. Für den Prozess sind zehn Verhandlungstage angesetzt, das Urteil wird Ende März erwartet.

Mit im Gerichtssaal der Vater der toten Frau, Ex-Jahn-Präsident Heinz Groenewold, der als Nebenkläger "eine gerechte Strafe" wünscht.

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