Prozess gegen den Regensburger "Ministranten-Mörder"
Gänsehaut im Schwurgerichtssaal

Vermischtes
Regensburg
15.03.2018
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Straubing/Regensburg. Weil er den Vohenstraußer "Stalking-Mörder" in der Haft attackiert haben soll, steht seit 5. März der Regensburger "Ministranten-Mörder" vor Gericht. Ihm wird unter anderem versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Der heute 41 Jahre alte Martin P., dessen Gewalttaten bundesweit Aufsehen erregten, wird wohl noch viele Jahre im Gewahrsam der Justiz bleiben. Dies ging am Donnerstag, dem zweiten Prozesstag, aus einem Hinweis des Vorsitzenden des Schwurgerichts in Regensburg, Michael Hammer, hervor. Danach käme im derzeitigen Verfahren das weitere Mordmerkmal "Verdeckung einer Straftat", nämlich die einer versuchten Vergewaltigung, hinzu. Dies habe jedoch keinen Einfluss auf die zu erwartende Strafhöhe. Wie berichtet war der Angeklagte erstmals als 18-Jähriger in die Schlagzeilen geraten. 1994 hatte er in Regensburg, damals selbst Messdiener, einen elfjährigen Ministranten mit 70 Messerstichen getötet, weil sich dieser gegen seine sexuellen Übergriffe gewehrt hatte. Er wurde wegen dieser Tat und eines weiteren Sexualdelikts zu Jugendstrafe von neuneinhalb Jahren verurteilt. Doch wenige Monate nach seiner Haftentlassung mordete er erneut. Diesmal war der Sohn eines Mithäftlings das Opfer, das er im Februar 2005 in München auf dem Schulweg auflauerte. Er missbrauchte den Neunjährigen, erstickte ihn und verging sich an der Leiche. Das Landgericht München verurteilte ihn deshalb 2006 wegen Mordes und schweren sexuellen Missbrauchs zu einer lebenslanger Haft und ordnete seine Unterbringung und Sicherungsverwahrung an. Seitdem ist P. durchgängig im Bezirkskrankenhaus Straubing untergebracht.

Vor zweieinhalb Jahren suchte P. erneut ein Opfer. Diesmal war es ein heute 28-jähriger Mitpatient, der auf der gleichen Station wie der Angeklagte untergebracht war. Dieser war 2012 vom Landgericht Weiden wegen Mordes zu 13 Jahren Haft mit anschließender Unterbringung verurteilt worden. Er hatte eine junge Frau aus Vohenstrauß, die er im Internet kennengelernt hatte, wochenlang verfolgt und mit mehreren Messerstichen getötet. Mit Verlesen der früheren Urteile breiteten die Richter das bisherige Leben des Angeklagten aus. Er war ganz normal in seinem Elternhaus aufgewachsen, hatte jedoch mit einem IQ von 91 Punkten erhebliche Lernschwierigkeiten. Sein Vater sei ein gottesfürchtiger Mann gewesen, der täglich in die Kirche ging. Kam sein Sohn mit Problemen zu ihm, dann empfahl er ihm "Bete, dann vergehen sie".

Als 14-jähriger habe er homosexuellen Neigungen bei sich festgestellt und suchte Kontakte zu Kindern. Sein erstes Opfer war ein Bub im Regensburger Westbad, den er in eine Umkleidekabine lockte, fesselte und mit einem Klebeband dessen Hilferufe unterband. Ein Bademeister verhinderte Schlimmeres.

An diesem Freitag werden die Plädoyers gehalten, das Urteil wird voraussichtlich am Montag verkündet.
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