Prozess gegen Maria Baumers Ex-Freund
Dem Alkohol verfallen

Vermischtes
Regensburg
09.12.2016
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Die ihm vorgeworfenen Missbrauchstaten hat der Ex-Verlobte von Maria Baumer bereits weitgehend eingeräumt. Vor Gericht kam jetzt eine weitere dunkle Seite des Mannes ans Licht.

Eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe bescheinigte dem Angeklagten am dritten Verhandlungstag vor dem Landgericht Regensburg am Freitag zwar eine intakte Kindheit und Jugend. Doch als 2012 seine Lebensgefährtin verschwand, später tot aufgefunden wurde und er selbst ins Visier der Ermittler geriet, begann der Krankenpfleger, zu viel zu trinken.

Aufgewachsen ist der heute 32-Jährige als jüngstes von fünf Kindern im Eigenheim der Eltern im Raum Regensburg. Zu den Geschwistern bestand immer ein enges Verhältnis, erklärte die Gutachterin. "Sie stehen weiter zu ihm." Auch am Domspatzen-Gymnasium, das der Angeklagte mit einer Abiturnote von 1,8 verließ, habe er intensive Freundschaften geknüpft. Mit drei, vier Mitschülern habe er bis heute ein gutes Verhältnis.

Taten teils gefilmt

Genau dort, bei den Domspatzen, lernte der Mann auch zwei seiner späteren Opfer, beides deutlich jüngere Gymnasiasten, kennenlernte. An einem Jungen verging er sich über viele Jahre hinweg immer wieder, während dieser schlief. Bei gemeinsamen Übernachtungen manipulierte er wiederholt an dessen Glied und filmte das Ganze. In dem zweiten Fall berührte er bei einem Campingausflug das Geschlechtsteil eines anderen Jungen, zog die Hand aber schnell weg, als der Bub aufwachte. Die Taten aus den Jahren zwischen 2003 und 2011 hat der Angeklagte bereits eingeräumt.

Ebenso hat er gestanden, einer ehemaligen Patientin des Bezirksklinikums Regensburg, die er bei seiner Arbeit als Krankenpfleger kennengelernt hatte, ein beruhigendes und angstlösendes Medikament in den Tee gemischt zu haben. Allerdings bestreitet er, sich in dem Tiefschlaf, in den die Studentin anschließend verfiel, an ihr sexuell vergangen zu haben.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe erklärte, der Angeklagte sei in den Gesprächen mit ihr "sehr kooperativ, höflich und offen" gewesen. Die Taten habe er ihr gegenüber aber nicht eingeräumt. Bei dem 32-Jährigen sei von einer vollkommen normalen Entwicklung in Kindheit und Jugend auszugehen. Bei der ersten Tat war er 18 oder 19 Jahre alt. Zugunsten des Angeklagten müsse man davon ausgehen, dass eine Reifeverzögerung vorlag, so dass Jugendstrafrecht Anwendung finden kann. Wegen des langen Zeitabstandes sei die tatsächliche Entwicklungsreife des Mannes nicht mehr zu klären.

Weil seine Abiturnote nicht für ein Medizinstudium reichte, schloss der Angeklagte zunächst eine Ausbildung zum Krankenpfleger ab. Später konnte er - dank Warte-Semester - ein Medizinstudium aufnehmen und arbeitete weiter Teilzeit als Krankenpfleger. Im Mai 2016 unterzeichnete er einen Auflösungsvertrag mit dem Bezirksklinikum.

Studium abgebrochen

Das Studium brach er ab, nachdem 2012 seine Verlobte Maria Baumer spurlos verschwunden war. Der Angeklagte beteiligte sich intensiv an der Suche nach seiner Lebensgefährtin, unter anderem in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst". Als Maria Baumer 2013 tot aufgefunden wurde, kam er vorübergehend in Untersuchungshaft. Bis heute gilt der Krankenpfleger im Fall Baumer als Hauptverdächtiger. Die Ermittlungen dauern an. "In den vergangenen vier Jahren hat er einen immensen Druck verspürt", sagte die Gutachterin. Er sei daraufhin immer mehr dem Alkohol verfallen. Im Frühjahr 2015 habe er sich in eine Langzeittherapie begeben und werde weiter ambulant psychologisch betreut. Er studiere nun wieder.

Die am zweiten Verhandlungstag vereinbarten Schmerzensgeldzahlungen in Gesamthöhe von 9000 Euro an seine drei Opfer hat der Angeklagte mittlerweile überwiesen. Sein Verteidiger Michael Haizmann legte dem Gericht entsprechende Belege vor. Am Donnerstag kommender Woche soll in dem Prozess ein Urteil fallen.

In den vergangenen vier Jahren hat er einen immensen Druck verspürt.Eine Gutachterin über den Angeklagten
2 Kommentare
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Angelika Oetken aus Regensburg | 01.08.2017 | 12:17  
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Angelika Oetken aus Regensburg | 01.08.2017 | 12:24  
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