28.02.2018 - 20:38 Uhr
Regensburg

Prozess um toten Säugling in Zeitlarn Bewährungsstrafe für Mutter

Ein toter Säugling in einem Koffer auf dem Speicher - wie der Leichnam da hinkam, hat sich nicht mehr aufklären lassen. Die zunächst unter Totschlagsverdacht stehende Mutter ist nun in Regensburg zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Die Angeklagte sitzt im Saal des Landgerichts. Die 36 Jahre alte Frau aus der Oberpfalz muss sich vor Gericht verantworten, weil sie ihr Neugeborenes getötet haben soll. Sie bestreitet dies. Bild: Armin Weigel/dpa
von Agentur DPAProfil

Im Prozess um den Tod eines Neugeborenen ist dessen Mutter am Mittwoch vom Landgericht Regensburg zu einer eineinhalbjährigen Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen verurteilt worden. Ursprünglich lautete die Anklage auf Totschlag. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert, der Verteidiger auf Freispruch plädiert. Das kleine Mädchen starb vermutlich an Unterkühlung. In dem Fall haben sich einige Fragen nicht aufklären lassen.

Vom Vorwurf des Totschlags rückte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer ab. Der Angeklagten seien die mit einer Hausgeburt verbundenen Risiken aber bewusst gewesen, sie habe dazu im Internet recherchiert. Entsprechend hätte sie Vorkehrungen treffen müssen. Der Vorsitzende Richter teilte diese Einschätzung in seiner Urteilsbegründung. Das Urteil ist rechtskräftig. Die Frau hat Ende 2016 in ihrer Wohnung in Zeitlarn bei Regensburg alleine ein Mädchen zur Welt gebracht. Der Lebensgefährte der Frau befand sich im Urlaub. Nach seiner Rückkehr Anfang Januar 2017 bemerkte er Blutspuren in der Wohnung und rief die Polizei. Die Beamten entdeckten dann die Leiche in einem Koffer auf dem Speicher.

Die Staatsanwaltschaft war zunächst davon ausgegangen, dass die Frau das Kind kurz nach der Geburt in Decken und eine Tüte gewickelt und dieses Bündel wiederum in einen Koffer gepackt habe. Diesen soll sie auf den Speicher gestellt haben, wo das Mädchen gestorben sein soll.

Zum Prozessauftakt hatte die 36-jährige Deutsche die Vorwürfe zurückgewiesen. Ihrer Darstellung nach versorgte sie die kleine Esmeralda nach der Geburt zu Hause.

Allem Anschein nach sei der Säugling gesund gewesen. Zwei Tage später sei sie mit dem auf ihrer Brust liegenden Baby eingeschlafen. Als sie aufwachte, sei das Kind eiskalt gewesen. Sie habe noch versucht, es wiederzubeleben.

An die weiteren Geschehnisse könne sie sich nicht erinnern, hatte sie ihren Anwalt vortragen lassen. Ihre Erinnerung setze erst wieder ein, als sie Anfang Januar bei der Polizei vernommen wurde.

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