05.04.2018 - 21:02 Uhr
RegensburgOberpfalz

Schlechtes Zeichen für Ökumene

Das Zerwürfnis in der katholischen Bischofskonferenz über die Kommunion für evangelische Christen sorgt für viel Diskussionsstoff. Hans-Martin Weiss, evangelischer Regionalbischof von Regensburg, sieht keine Alternative zur Ökumene.

Der Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiß. Archivbild: exb
von Agentur KNAProfil

(KNA) Der evangelische Regionalbischof von Regensburg, Hans-Martin Weiss, mahnt zur Besonnenheit mit Blick auf den Streit in der katholischen Deutschen Bischofskonferenz über den Kommunionempfang für Protestanten in Ausnahmefällen. Ziel müsse es sein, "Druck aus dem Kessel zu nehmen, von welcher Seite auch immer", sagte Weiss am Donnerstag dem Bayerischen Rundfunk. Es bringe jetzt nichts, Zeter und Mordio zu schreien und den guten Grundton nach dem Lutherjahr zu gefährden, ergänzte er. Natürlich müssten unterschiedliche Meinungen möglich sein, doch gebe es keine Alternative zur Ökumene.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass es ein Zerwürfnis über die Frage der bisher nicht zulässigen Kommunion für evangelische Christen gibt. Sieben Bischöfe, darunter auch der Regensburger Oberhirte Rudolf Voderholzer, hatten sich in einem Brief an Rom gewandt. Dort wollen sie klären lassen, ob ein von der Bischofskonferenz verabschiedeter Beschluss rechtmäßig ist, konfessionsverschiedene Ehepartner in Einzelfällen zur Kommunion zuzulassen. Insbesondere geht es um die Frage, ob eine nationale Bischofskonferenz damit ihre Kompetenzen überschreitet. Zu den Unterzeichnern des Briefs mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki an der Spitze gehören neben Voderholzer auch Erzbischof Ludwig Schick (Bamberg) und die Bischöfe Konrad Zdarsa (Augsburg), Gregor Maria Hanke (Eichstätt), Stefan Oster (Passau) und Wolfgang Ipolt (Görlitz).

Der Konferenz-Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, hatte die Kritik zurückgewiesen. Er äußerte sich verwundert darüber, dass die Kritiker "trotz der ausführlichen und auch kontroversen Aussprache in der Vollversammlung und des mit weit überwiegender Mehrheit der Mitglieder der Bischofskonferenz gefassten Beschlusses" weiterhin so große Zweifel hätten. Der katholische Theologe Thomas Söding geht davon aus, dass der Vatikan sich der geplanten Öffnung der Kommunion für Protestanten in Deutschland nicht in den Weg stellen wird. "Die Handreichung liegt ganz auf der Linie von Papst Franziskus. Im Übrigen wird es wohl dauern, bis es eine offizielle Antwort aus Rom gibt. Die Handreichung der deutschen Bischöfe wird bis dahin längst in Kraft sein", sagte er am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst.

Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, habe zwar auch Bedenken gegen die gemeinsame Kommunion von Ehepaaren unterschiedlicher Konfession in katholischen Messen angemeldet, sagte Söding. Aber der Papst habe klare Zeichen gesetzt, und die Bischofskonferenz braucht seiner Überzeugung nach nicht die Erlaubnis Roms, um diese Entscheidung zu treffen. "Die Bischöfe sind für die Pastorale vor Ort jeweils selbst verantwortlich, das geht aus dem Kirchlichen Gesetzbuch hervor und wird in verschiedenen Enzykliken unterstrichen", sagte der Bochumer Theologe. Aus einem weiteren Grund geht Söding nicht davon aus, dass Glaubenskongregation und Päpstlicher Einheitsrat im Vatikan die Entwicklung aufhalten werden. Hinter dem Widerstand der sieben deutschen Bischöfe vermutet er grundsätzliche Vorbehalte. So schlecht ist ihr Vorstoß seiner Meinung nach nicht: "Papst Franziskus hat jetzt eine Chance, klarzustellen, was er will."

Als ein "für die Ökumene sehr unschönes Zeichen" hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, den Brief von sieben Bischöfen an den Vatikan bezeichnet. Das Thema Kommunionempfang für evangelische Christen werde seit Jahrzehnten intensiv diskutiert, sagte Sternberg am Donnerstag gegenüber domradio.de. "Es ist ein Thema, zu dem die Bischofskonferenz einen extrem behutsamen Beschluss gefasst hatte, mit großer Mehrheit."

 

 

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