05.03.2018 - 15:45 Uhr
Regensburg

Sea-Eye macht auf seine Arbeit im Mittelmeer aufmerksam Eine Menschenkette der besonderen Art

Mit einer Mal-Aktion hat die Rettungsorganisation Sea-Eye am Samstag in der Regensburger Innenstadt an ihre Arbeit erinnert – und daran, dass im Mittelmeer immer noch Menschen auf der Flucht ertrinken. Die Aktion bildete den Auftakt der diesjährigen Rettungsmissionen.

In insgesamt zehn Gruppen malten die Helfer Kreidemännchen auf den Boden.
von Externer BeitragProfil

Von Maximilian Eibl Unter dem Motto „Paint the Pain“ malten Mitarbeiter der Rettungsorganisation Sea-Eye sowie freiwillige Helfer ab Mittag 13.248 menschliche Umrisse und rund 8000 rote Punkte auf das Pflaster der Innenstadt. Jedes der Kreidemännchen symbolisiert eine Person, welche die Rettungsorganisation in den vergangenen zwei Jahren gerettet hat. „Wenn man alle Männchen hintereinanderlegen würde, ergäbe das eine Strecke von 22 Kilometern“, sagte Michael Buschheuer, der Gründer von Sea-Eye. „Es ist beeindruckend, zu sehen, was selbst Amateure bei der Rettung ausrichten können.“

Die roten Punkte – jeder etwa so groß wie ein Kreidemännchen-Kopf – stehen für diejenigen, für die in diesem Zeitraum jede Hilfe zu spät kam. „Wir stellen die Toten nicht auch als Männchen dar, weil wir den Fokus auf die Geretteten legen wollen“, erklärte Buschheuer auf Nachfrage. Die Aktion sei notwendig, sagte eine freiwillige Helferin: „Das Thema Flüchtlinge ist bei uns in den Medien nicht mehr präsent. Es hat sich für uns wieder an die EU-Außengrenzen verlagert.“ Buschheuer sieht es ähnlich: „Wir wollen damit wachrütteln und zeigen, dass das Sterben im Mittelmeer real ist. Es findet hier und heute statt, auch wenn wir es nicht sehen.“

Staunende Passanten

Gemalt wurde vom Kolpinghaus aus in verschiedene Richtungen – vor allem in der Fußgängerzone, aber auch in Stadtamhof, am Oberen und Unteren Wöhrd und in der Fürst-Anselm-Allee. Jede der zehn Gruppen war für eine bestimmte Strecke zuständig. Dabei stellten die Maler fest: „Die Menschen sind interessiert.“ Viele Passanten blieben stehen, um herauszufinden, was es denn mit den Kreidesilhouetten auf sich hatte.

Nur mit dem feuchten und schmutzigen Boden hatten die Malgruppen zu kämpfen: Mit der Zeit wurde die Wasser-Kreide-Mischung in ihren Farbeimern immer brauner, so dass viele Männchen nur schwer zu erkennen waren. Ein dickeres Farbgemisch wäre allerdings laut Buschheuer zu schwer wieder zu entfernen gewesen – und damit nicht im Sinne der Anwohner.

Die Malaktion läutete auch den Beginn der diesjährigen Rettungsfahrten von Sea-Eye ein. Ab 8. März sind die beiden Schiffe der Organisation, die „Sea-Eye“ und die „Seefuchs“, wieder abwechselnd vor der libyschen Küste unterwegs. Für dieses Jahr plant Sea-Eye insgesamt 36 jeweils zweiwöchige Rettungsmissionen.

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