04.04.2018 - 18:08 Uhr
RegensburgOberpfalz

Sicherheitsbericht Oberpfalz 2017 Weniger Einbrüche, mehr Gewalt

Es macht klack - und die Wohnungstür ist offen. Das Tatwerkzeug spielt für die Polizei ausnahmsweise keine Rolle. Denn: Die Zahl der Einbrüche sinkt, und nicht nur das. Laut Sicherheitsbericht ist die Oberpfalz nach Niederbayern und Unterfranken der sicherste Regierungsbezirk Bayerns.

von Maria Oberleitner Kontakt Profil

"Diese Entwicklung ist nicht alltäglich", betont Polizeihauptkommissar Werner Schüssel bei der Vorstellung des Sicherheitsberichtes 2017. Die Statistik zeigt: Die Anzahl aller Straftaten waren 2017 "historisch tief", wie Polizeipräsident Gerold Mahlmeister betont.

Ohne Delikte nach dem Aufenthaltsrecht dokumentierte die Polizei im vergangenen Jahr 44 373 Straftaten, im Vergleich zum Vorjahr minus 900 Fälle und so wenig wie seit zehn Jahren nicht mehr. Zusätzlich kann die Polizei mit der höchsten Aufklärungsquote seit zehn Jahren auftrumpfen: Mit 67 Prozent ist die Quote im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 Prozent gestiegen, die Kriminalitätsbelastung der Region dagegen um 2,5 Prozent gesunken.

In der Einsatzzentrale der Oberpfälzer Polizei in Regensburg hat im vergangenen Jahr 340 Mal am Tag das Telefon geklingelt. Rund 125 000 Notrufe setzten die Oberpfälzer ab, die Polizisten rückten 140 911 Mal aus - an Freitagen waren die Beamten besonders oft im Einsatz.

Weniger häufig raus mussten sie allerdings wegen Einbrüchen. Diebstähle aus Wohnungen gab es im Jahr 2017 392 mal - im Vergleich zum Vorjahreswert von 630 sank der Wert um fast 38 Prozent, so stark wie in keinem anderen Regierungsbezirk. Die Polizei hat die Einbrüche im Vergleich häufiger aufgeklärt. 44 Prozent aller Wohnungeinbrüche in der Oberpfalz scheiterten zudem, die Polizei führt das auch auf gute Präventionsarbeit und strengere Handhabe vor Gericht zurück. Diebstähle nähmen mit insgesamt 29,8 Prozent den größten Anteil an der Gesamtkriminalität ein, mit 13 234 Fällen sei dies trotzdem der niedrigste Wert seit zehn Jahren, sagt Mahlmeister.

Steigende Zahlen verzeichnet die Polizei dagegen in Sachen Gewaltkriminalität. "Dazu zählt zum Beispiel Mord, Totschlag, Vergewaltigung oder Raub", sagt Kriminaldirektor Robert Fuchs. Die Zahl der Delikte stieg um 2,3 Prozent auf 1512 Fälle, dabei bilden die Körperverletzungen mit 81,3 Prozent den größten Bereich, 24 vorsätzliche Tötungen mit 1,6 Prozent den Kleinsten. Bei 28 Prozent der Delikte sei Alkohol im Spiel gewesen, die Polizei konnte 85,1 Prozent aufklären.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stiegen im Jahr 2017 um 50,8 Prozent auf 650 Fälle. Diese Sexualdelikte seien allerdings schlecht vergleichbar mit den Zahlen aus dem Vorjahr, wie Kriminaldirektor Robert Fuchs erklärt. "Mit dem im November 2016 reformierten Sexualstrafrecht nach der "Nein heißt Nein"-Debatte fließen zum Beispiel auch Beleidigungen auf sexueller Basis in die Statistik mit ein." Die Aufklärungsquote liegt mit 87 Prozent ungebrochen hoch.

Besonders geht Fuchs auf die Entwicklung der Reichsbürger ein: Seit der ersten Erfassung von 79 Personen im März 2017 stieg die Zahl der verzeichneten Reichsbürger auf 162 Personen im Dezember 2017 mit 263 Straftaten. "Wir haben das Dunkelfeld dieser Gruppierung ein wenig aufgehellt, machen uns aber besondere Sorgen um deren überproportionale Waffenaffinität", sagt Fuchs. Die politisch links motivierte Kriminalität stieg auf 62 Fälle, davon 38 mal Sachbeschädigung von Plakaten im Wahlkampf, die Kriminalität von rechts sank auf 163 Taten, davon 27 mal Volksverhetzung. Politisch ausländisch motivierte Straftaten sanken auf vier, die religiös motivierten Straftaten auf sechs.

Unter allen Tatverdächtigen befanden sich 2017 14 815 Deutsche und 6155 Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft. "Unsere Beamten rückten zu 3597 Einsätzen in Zusammenhang mit der Asylthematik aus", berichtet Polizeidirektor Schöninger. Im Mittelpunkt standen Körperverletzungen, Eigentums- und Betäubungsmitteldelikte.

"Sorgen machen wir uns um die konstant hohe Zahl der Drogentoten", sagt der Polizeipräsident. 34 Abhängige seien laut Mahlmeister gestorben, davon die Hälfte an Heroin. Am häufigsten erwischte die Polizei Bürger mit Cannabis (61,7 Prozent), auf Platz zwei rangiert Methamphetamin, vor allem Crystal Meth (12 Prozent). "Verstöße mit Crystal nehmen seit 2012 ab und sanken 2017 nochmals um 7,2 Prozent auf 386 Fälle", informiert Mahlmeister. Er resümiert: "Im Vorjahr habe ich gesagt, wer in der Oberpfalz lebt, lebt sicher. Heuer kann ich ergänzen: Noch sicherer."

Wer in der Oberpfalz lebt, lebt noch sicherer.Polizeipräsident Gerold Mahlmeister
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