13.08.2017 - 14:16 Uhr
RegensburgOberpfalz

Sorge um Sicherheit: Sea-Eye stoppt Rettungsfahrten vor Libyen

Die Hilfsorganisation Sea-Eye unterbricht ihre Rettungsaktionen für Flüchtlinge im Mittelmeer. Man habe beschlossen die geplanten Rettungsmissionen sicherheitshalber auszusetzen, sagte Sea-Eye-Gründer, Michael Buschheuer, am Sonntag dem Evangelischen Pressedienst.

Der Kutter der Regensburger Flüchtlingsinitiative "Sea Eye".
von Agentur EPDProfil

Grund sei eine veränderte Sicherheitslage im westlichen Mittelmeer. Die libysche Regierung hatte angekündigt, ihre Hoheitsgewässer auf eine unbestimmte Entfernung auszuweiten. «Das macht es für uns unkalkulierbar», sagte Buschheuer, zumal libysche Sicherheitsleute auch schon auf Hilfsschiffe geschossen hätten. Die Rettungsarbeiten unter diesen Umständen fortzusetzen, «können wir auch gegenüber unseren Crews nicht mehr verantworten.»

Man werde nun die Lage vor der libyschen Küste analysieren und das weitere Vorgehen beraten, sagte Buschheuer. Eines der beiden Schiffe von Sea-Eye befindet sich derzeit zum Auftanken in Tunesien, das andere bleibt nun in Malta vor Anker. In den vergangenen Tagen hatte unter anderem auch «Ärzte ohne Grenzen» seinen vorläufigen Rückzug aus dem Such- und Rettungsgebiet vor der libyschen Küsten bekanntgegeben.

Buschheuer wies auch auf die Menschenrechtslage in Libyen hin, die er «mit Sorge» betrachte. Hier seien Hunderttausende schutzlos der Willkür von Banditen, Schleppern und regierungsnahen Milizen ausgesetzt, erklärte der Sea-Eye-Gründer. Er hoffe, dass die
Ankündigung von Kanzlerin Angela Merkel, den UN-Flüchtlingsorganisationen bei der Bewältigung der humanitären Krise in Libyen zu helfen, kein leeres Versprechen bleibe.

Sea-Eye hat nach eigenen Angaben seit Beginn ihrer Missionen im April 2016 rund 12.000 Menschen vor dem Ertrinken gerettet. Auf den Schiffen Sea-Eye und Seefuchs leisteten Hunderte Freiwillige unbezahlte Einsätze.

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