16.03.2018 - 21:26 Uhr
Regensburg

Staatsanwalt forder zwölf Jahre und acht Monate Freiheitsstrafe für "Ministranten-Mörder" Versuchter Mord aus Liebe?

Geht es nach dem Staatsanwalt bekommt "Ministranten-Mörder" Martin P. eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren und acht Monaten. Das Gericht fällt sein Urteil aber erst am kommenden Montag.

(Symbolbild)
von Autor AHSProfil

Straubing/Regensburg. Gleich zu Beginn seines Schlussvortrags bezeichnete Staatsanwalt Thomas Kamm den Angeklagten Martin P. als "pädophilen sexuellen Sadisten, der aus der Tötungshandlung seine Befriedigung bezieht".

Mangels eines Kindes habe P. im Oktober 2015 in der Forensischen Klinik Straubing einen damals 25-jährigen, knabenhaft und jugendlich wirkenden, Mitpatienten - ebenfalls wegen Mordes verurteilt - ausgesucht: Der Angeklagte hatte sich in den Vohenstraußer "Stalking-Mörder" Alexander S. verliebt, doch dieser hatte eine Beziehung mit ihm abgelehnt. P. lud ihn deswegen zu einem Fernsehabend in sein Patientenzimmer. Dort schlug er ihm mit einem Kombihammer zwei Mal auf den Hinterkopf.

Einen dritten Schlag konnte Alexander S. mit der Hand abwehren, wobei er sich eine Mittelhandfraktur zuzog. Als er die Notruftaste betätigen wollte, zog ihn der Angeklagte zurück aufs Bett und würgte ihn. Als ihm zwei Mitpatienten zur Hilfe kamen, war er bereits blau angelaufen.

Opfer erinnert sich nicht

Die Staatsanwaltschaft wertet dieses Geschehen aus dem Oktober 2015 als versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Das Opfer hingegen konnte sich im Zeugenstand an fast nichts erinnern. Es war jedoch zuvor von der Polizei vernommen worden. Diese Beamten wurden als Zeugen gehört.

Der Angeklagte selbst machte während des Prozesses keine Angaben. Er hatte sich aber gegenüber dem Gerichtssachverständigen, Professor Norbert Nedopil, geäußert. Dabei räumte er ein, dass er den Geschädigten töten und vergewaltigen wollte. In seinem Gutachten war Nedopil zu dem Ergebnis gekommen, dass der Angeklagte eine sexuelle Befriedigung mehr durch die Tötung, als durch die sexuelle Handlung erlangt. Er habe sich mit einer triebdämpfenden Medikation, die er bis dahin ablehnte, einverstanden erklärt. Auch habe er angegeben, dass er die Tat bereue.

Mit dieser Aussage sah der Staatsanwalt den in der Anklageschrift dargestellten Sachverhalt als erwiesen an und plädierte auf eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren und acht Monaten nebst Unterbringung. Die Sicherheitsverwahrung, die das Landgericht München ausgesprochen hatte, nachdem P. in früheren Fällen zwei Schüler getötet hatte, sei davon unberührt.

Verteidiger Clemens Schnabel stellte die Erinnerungen der Zeugen, einschließlich des Geschädigten, durch den langen zeitlichen Ablauf in Frage. Deren Aussagen würden zwischen "Würgen" und "Festhalten" schwanken. Auch seien keine Würge-Merkmale beim Geschädigten festgestellt worden.

Zwar habe der als Gutachter gehörte Rechtsmediziner dafür plausible Erklärungen gehabt, aber Indizien einer Lebensgefahr würden dennoch fehlen. Nicht geklärt sei auch, ob sein Mandant tatsächlich töten oder nur bewusstlos machen wollte. Somit seien viele Zweifel offen, welche die Schwurgerichtskammer zugunsten des Angeklagten bewerten müsse.

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