Transparente Finanzen im Bistum Regensburg
Karitativer Zweck heiligt Mittel

Vermischtes
Regensburg
14.12.2016
43
0

Ob das Bistum Regensburg reich ist oder arm - auf eine Bewertung wollte sich Generalvikar Prälat Michael Fuchs am Dienstag nicht einlassen. Erstmals wurde aber eine Bilanz veröffentlicht: Der Bischöfliche Stuhl Regensburg ist demnach 118 Millionen Euro schwer.

Für sechs der insgesamt 15 bilanzfähigen Rechtsträger unter dem Dach des Bistums sind die Finanzen ermittelt. Für sie legten die zuständigen Administratoren Rechenschaft im buchhalterischen Sinne ab. Demnach betrug das Nettovermögen zum Jahresende 2015 rund 118,6 Millionen Euro. Die Körperschaft besteht seit dem Jahr 739.

Laut Fuchs wird nun Schritt für Schritt auch in Regensburg der Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz von 2014 umgesetzt, das ökonomische Handeln der Diözese mit Kirchensteuermitteln, Kapitalerträgen und Immobilienrenditen "freiwillig nach den Richtlinien des Handelsgesetzbuches (HGB) zu bilanzieren und die Ergebnisse für die Öffentlichkeit transparent zu machen".

Zahlen haben Gesichter

Zwei weitere Rechtsträger auf Bistumsebene legten erstmals nach dem Handelsgesetzbuch bilanzierte Zahlen vor: die Schulstiftung mit einem Eigenkapital von knapp 200 Millionen Euro und die Stiftung Kirchenmusikschule Regensburg mit 4,4 Millionen Euro. Bis 2018 sollen die weiteren der Diözese zugeordneten Rechtsträger folgen, darunter auch das Bistum selbst. Das Bistum Regensburg startete am Dienstag auch digital eine Kommunikationsoffensive zu seinen Finanzen.

Auf der neuen Internetseite zahlengesichter.de soll die Öffentlichkeit nachvollziehen können, was die Kirche von Regensburg besitzt und was sie mit den verfügbaren Mitteln macht. Auf rund 150 Seiten finden sich die Bilanzen von den inzwischen geprüften Rechtsträgern, ein Verzeichnis mit 200 Stichworten und eine Mediathek mit 40 Filmen. Ziel der rund 60 000 Euro teuren Aktion ist dabei, die Gesichter hinter den Zahlen sichtbar zu machen, also die mit Kirchengeld bezahlten Mitarbeiter und diejenigen, denen kirchliches Handeln zugutekommt.

Fuchs betonte, mit dem Handelsgesetzbuch wende das Bistum Regensburg den höchsten Transparenzstandard an, den es in Deutschland gebe. Außerdem "ist diese neue Art der Buchführung ein wichtiges Instrument der Führung und der Reflexion, mit Blick auf die eingegangenen Verpflichtungen, etwa bei Pensionszahlungen, oder bei der Weiterentwicklung der Compliance".

Obwohl der Publikationsstil des Bistums, das bis 2018 die totale Zahlentransparenz anstrebt, dann aussehen wird wie die Bilanz einer Kommune oder eines beliebigen Konzerns: Laut Fuchs wird die Kirche nie profit- oder bilanzorientiert handeln müssen. Die der Kirche anvertrauten Mittel seien kein ökonomischer Selbstzweck, sondern stets zum Wohle des Glaubens und zum Heil der Gläubigen zu investieren.

___



Weitere Informationen:

www.zahlengesichter.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.