15.12.2017 - 22:12 Uhr
RegensburgOberpfalz

Transparente Kirche Bistum legt Finanzen offen

Das Bistum Regensburg möchte seine Finanzen transparenter für jedermann gestalten - so wie es die Deutsche Bischofskonferenz vor einigen Jahren als Folge des Skandals von Limburg beschlossen hatte. Am Donnerstag haben die Verantwortliche der Diözese Regensburg - wie bereits im vergangenen Jahr - bei einer Pressekonferenz die Bilanzen für den Bischöflichen Stuhl, die diözesanen Schulstiftungen, die Kirchenmusikhochschule sowie die Katholische Jugendfürsorge (KJF) vorgestellt.

Generalvikar Michael Fuchs (rechts) und der Direktor der Katholischen Jugendfürsorge Michael Eibl (Mitte) können finanziell auf ein gutes Jahr zurückschauen. Bild: leh
von Autor LEHProfil

Diese werden mittlerweile nach den Standards des Handelsgesetzbuches (HGB) erstellt. 2018 sollen die übrigen Rechtsträger - unter ihnen das Domkapitel, die Pensionskasse der Priester und der Caritasverband - ihre Jahresabschlüsse vorstellen. Das Nettovermögen des Bischöflichen Stuhles ist im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr von 118,6 auf 121 Millionen Euro gestiegen.

"Wir wollen mit der Transparenz-offensive nicht nur darstellen, welche Einnahmen und Ausgaben wir haben, sondern auch, welche Verpflichtungen wir übernommen haben - beispielsweise für die Pensionen oder für Rückstellungen von Baumaßnahmen", erklärte Generalvikar Michael Fuchs am Donnerstag.

Weniger ausgegeben

Seitdem die Bischofskonferenz als Folge des Skandals von Limburg 2014 beschlossen hat, die Finanzen der Kirche transparenter zu gestalten, hat die Diözese Regensburg Schritt für Schritt seine Bilanzen nach den Richtlinien des HGB erstellt. "Wir haben uns freiwillig für den höchsten Buchhaltungsstandard, den es in Deutschland gibt, entschieden", so Fuchs. Wichtig sei ihm jedoch bei alldem, dass "jede Zahl ein Gesicht hat". Es soll, so Fuchs, keinen Euro geben, der nicht mit einem Zweck und mit einem Gesicht verbunden ist. "Sollten wir aber am Ende des Tages merken, dass wir irgendwo Geld horten, nur damit wir Geld besitzen, dann müssen wir sehr kritisch darüber nachdenken: Brauchen wir diese Mittel überhaupt? Oder könne wir sie dort anlegen, wo sie den Menschen dienen?"

2016 war für die Diözese finanziell ein gutes Jahr: Das Bistum hat im vergangenen Jahr weniger Geld ausgegeben als geplant. Aufgrund leicht höherer Kirchensteuereinnahmen sowie nicht abgerufener Mittel blieb der geplante Haushalt 2,4 Millionen Euro unter den Planungen von 542,4 Millionen Euro.

Auch die KJF, die als erster großer katholischer Verband gestern seine HGB-konformen Zahlen vorstellte, kann auf ein gutes Jahr zurückschauen. Mit Erträgen von 187 Millionen Euro und Ausgaben in Höhe von 183 Millionen kann der Verband auf einen Jahresüberschuss von vier Millionen Euro blicken.

"Sichere Arbeitsplätze bieten"

Dringend benötigtes Geld, um den gut 4000 Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten, betont KJF-Direktor Michael Eibl. "Allein die Gehälter betragen 130 Millionen Euro im Jahr", so Eibl. Eine weitere Sicherung des großen Sozialverbandes, der allein zehn Erziehungsberatungsstellen sowie acht Werkstätten für Menschen mit Handicap im gesamten Bistum führt, stellen auch die 311 Millionen Euro Eigenkapital dar. Dessen Grundstock speist sich vor allem aus den 154 Immobilien, die die KJF besitzt. Das Bistum bezuschusst die Arbeit der KJF im vergangenen Jahr mit 3,6 Millionen Euro. Davon seien beispielsweise die Erziehungsberatungsstellen und die Arbeit mit minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen bezuschusst worden.

Zwar rechnen die Verantwortlichen auch im kommenden Jahr noch mit gleichen Kirchensteuereinnahmen, dies werde sich jedoch auf längere Sicht aufgrund des demografischen Wandels sowie von Kirchenaustritten ändern. Weshalb mit "nachhaltigen und spürbaren Ausgabenkürzungen gerechnet werden muss".

___

Ausführliche Informationen rund um die Finanzen des Bistums:

www.zahlengesichter.de

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.