Watten als illegales Glücksspiel
Wirbel um Kartler-Kultur

Max (Herz-König), Belle (Schellen 7) und Spitz (Eichel 7) sind die Trümpfe: Watten gehört in Bayern zur Tradition. Es ist aber illegal, sobald es um Geld geht. Bild: Gabi Schönberger
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Regensburg
30.03.2018
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"Das Watten um Geld ist verboten." Zitat: Erich Rohrmayer

Der Unterschied zwischen legalem und illegalem Kartenspiel ist klein. Experte Erich Rohrmayer erklärt, wann das "Watten" zum Glücksspiel wird und illegal ist, und was Turnierveranstalter beachten müssen.

Sobald es um Geld geht, ist Watten illegal. "Die Tatsache, dass so ein Turnier strafrechtlich verfolgt wird, ist nicht neu", sagt Erich Rohrmayer aus Schierling. Der 46-Jährige ist Experte auf dem Gebiet der bayerischen Kartenspiele, hat schon mehrere Bücher darüber geschrieben und gibt Kurse. Im Wirtshaus seiner Eltern aufgewachsen, ist Rohrmayer schon früh mit Kartenspielen in Kontakt gekommen. "Schon damals stand - im Gegensatz zu den Schafkopfern - bei den Watterern nie ein Geldschälchen auf dem Tisch. Ich wusste schon als Kind: Das Watten um Geld ist verboten."

Nicht gewusst, dass sie etwas Verbotenes tun, haben die Mitglieder des FC Laub (Landkreis Regensburg). Der Verein hatte vor einiger Zeit zum "Preiswatten" eingeladen. Der Einsatz: pro Person neun Euro. Der Gewinn: 200 Euro für das Siegerpaar. Die Folge: Eine anonyme Anzeige bei der Polizei. Der Grund: Watten enthält zwei Elemente, die aus einem Strategiespiel rechtlich gesehen ein Glücksspiel machen. "Anders als beim Schafkopf werden beim Watten nicht alle 32 Karten ausgegeben", erklärt Rohrmayer. Es habe also auch mit Glück zu tun, ob man gewinne. Und dann gibt es noch das "Ausschaffen". Das kann als Bluff eingesetzt werden, um das gegnerische Team zum "Geh'n" zu bewegen.

Geld- oder Freiheitsstrafe

Glücksspiele dürfen nach Paragraf 284 Strafgesetzbuch nur mit einer behördlichen Genehmigung öffentlich veranstaltet werden. Wer es trotzdem tut, kann mit einer Geld- oder einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren belangt werden. Oft kommt das in der Region aber nicht vor. "Wir führen zwar keine Statistik, aber diese Fälle sind eher selten", erklärt Oberstaatsanwalt Markus Pfaller, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg. Auch Rohrmayer ist sich im Klaren, dass es sich bei der strafrechtlichen Verfolgung von Watt-Turnieren nicht um "behördliche Willkür" handelt, sondern um die Einhaltung von Gesetzen. Trotzdem fragt sich der Kartenspielexperte, ob es nicht eine Möglichkeit gebe, Watt-Turniere um geringe Geldbeträge zu legalisieren. "Im Internet kann man Tausende Euro beim Pokern oder bei Sportwetten verlieren. An jeder Ecke stehen Spielhallen. Warum ist aber um 200 Euro watten illegal?", fragt er.

Oliver Platzer, Pressesprecher des Bayerischen Innenministeriums hat darauf eine Antwort: "Bei Sportwetten oder Spielhallen ist nach den Vorschriften des Glücksspielstaatsvertrags eine glücksspielrechtliche Erlaubnis erforderlich, deren Erteilung an Privatpersonen gesetzlich ausgeschlossen ist." Soweit keine Geldpreise ausgelobt werden, könnten Watt-Turniere aber von jedermann veranstaltet werden, da dann "kein erlaubnispflichtiges Glücksspiel" vorliege. Um das zu ändern, wünscht sich Rohrmayer ein Gespräch mit dem bayerischen Justizminister. Er hofft, dass das Ministerium eine Möglichkeit findet, Watten per Dekret zum Strategiespiel zu machen. Damit würde es nicht mehr unter Paragraf 284 fallen.

Gründe, warum das Traditionsspiel kein Glückspiel im klassischen Sinne ist, gebe es laut Rohrmayer genügend. "Zum Beispiel kann man während dem Spiel den Einsatz nicht erhöhen", betont er. "Der Spieler zahlt zu Beginn einen festgelegten Betrag." Auch das Preisgeld stehe - anders als beim Pokern - von Anfang an fest. Somit laufe kein Spieler Gefahr, sich im Rausch des Spiels zu verzocken. Das Bluffen sei ebenso rein auf das Spiel bezogen und habe keinen Einfluss auf das eingesetzte Geld. Außerdem sei es Ziel des Glücksspielverbots zu verhindern, dass Spieler süchtig, einsam oder depressiv werden. Diese Gefahr sei beim Watten gering, betont Rohrmayer. Denn: "Beim Watten spielt man immer im Team, zwei gegen zwei." Auch die Turnieratmosphäre oder das Watten im Wirtshaus würden eher für Geselligkeit sorgen, als für Einsamkeit.

Oft Bier im Spiel

Der Kartenspielexperte betont aber auch, dass er nicht will, dass künftig um unbegrenzte Summen gewattet werden darf. "Beim Watten ist oft Bier im Spiel und ein Turnier dauert schon ein paar Stunden", erklärt er. "Wenn dann vier Angetrunkene bis nachts um zwei Uhr um Tausende von Euro spielen, wäre das nicht gut." Solche Situationen könnten Aggressionen fördern. "Und dann geht die Kultur kaputt." Aber eine niedrige dreistellige Summe als Preisgeld, fände er gut.

Solange diese Überlegungen aber nur Wunschdenken sind, rät Rohrmayer Veranstaltern solcher Turniere, es zu machen, wie es letztlich auch die Veranstalter vom FC Laub gemacht haben: Sie haben statt eines Einsatzes einen Unkostenbeitrag verlangt und statt Geldpreisen Sachpreise oder Warengutscheine bereitgestellt.

Das Watten um Geld ist verboten.Erich Rohrmayer
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