08.09.2017 - 00:20 Uhr
RegensburgOberpfalz

Wie man Maskenbildnerin wird, wie lange es dauert und was alles verlangt wird Expertinnen in Sachen Verwandlung

Lange Ausbildung, ungewöhnliche Arbeitszeiten, ständig neue Anforderungen. Für diesen Beruf braucht es schon eine gehörige Portion Enthusiasmus... Aber diejenigen, die es wirklich wollen, erwartet ein wunderbar abwechslungsreicher, aufregender Job.

Sabine Heuser (links) konzentriert in der Maske. Bild: mia
von Azubi 2018Profil

Das sagen zwei, die es wissen müssen, denn sie haben sich für diesen Beruf entschieden... Sabine Heuser und Tanja Bettahar sind Maskenbildnerinnen und arbeiten am Theater Regensburg.

Aus einem netten, jungen Schauspieler soll ein Löwe werden, aus einem anderen eine witzige Vogelscheuche. Die eine Darstellerin muss in eine Hexe verwandelt werden, die andere in Edith Piaf... und immer sorgen Maskenbildner dafür, dass für das Publikum die perfekte Illusion entsteht.

Und das ohne Netz und doppelten Boden: "Wir sind live, es muss alles funktionieren", sagt Sabine Heuser. "Und wenn etwas nicht funktioniert, dann müssen wir eine Lösung finden - und zwar schnell..." Bevor sich ein Maskenbildner allerdings diesen Herausforderungen stellen kann, muss er Jahr und Jahr um Jahr lernen.

Drei Jahre dauert die Ausbildung an einem Theater, dabei wechseln die Azubis zwischen Einsätzen am Haus und Blockunterricht an der Schule. Für Süddeutschland befindet sich die beispielsweise in Baden-Baden.

Bevor es allerdings überhaupt so weit kommt, haben viele Theater eine zusätzliche Hürde gesetzt: "Zwar ist es heute nicht mehr zwingende Notwendigkeit - aber die meisten Häuser wollen, dass die Maskenbildner-Azubis vorher eine Frisör-Lehre gemacht haben", erzählt Sabine Heuser. Also nochmal zwei bis drei Jahre mehr lernen.

Und ein Job von 9 bis 17 Uhr Montag bis Freitag ist der eines Maskenbildners auch nicht, macht Tanja Bettahar klar: Arbeiten am Abend, am Wochenende, unter der Woche... wann immer am Theater Vorstellung ist, müssen die Maskenbilder ran. Auch an Weihnachten, zu Silvester, am wunderbar warmen Biergarten-Abend, wenn die Freunde sich zum Skifahren verabreden oder wenn daheim die Mama Geburtstag hätte...

Urlaub gibt's dann, wenn keine Vorstellungen anstehen. "Aber das sind dann gleich ein paar Wochen am Stück im Sommer", sagt Tanja Bettahar. "Und das ist doch aus was! Wer hat das schon?" Muss man halt mögen.

Ebenso wie die Tatsache, dass am Theater die Verträge der Mitarbeiter sich nicht automatisch immer wieder verlängern. Ein- oder Zwei-Jahres-Verträge sind da absolut die Regel - auch wenn beispielsweise Tanja schon seit 16 Jahren in Regensburg engagiert ist und Sabine seit 2012.

"Nach meiner Ausbildung in Regensburg 2007 bis 2010 war erst mal kein Platz frei. Da habe ich mich dann bundesweit nach einem Job umgesehen und bin bei der Staatskapelle Dresden gelandet", erzählt sie. "Als ich dann erfahren habe, dass hier eine Stelle frei wird, habe ich mich sofort für Regensburg beworben. Und so bin ich seit 2012 wieder hier..."

Planbar oder flexibel ist also anders. Warum also wählt man dann so einen Beruf? "Ich war schon immer handwerklich interessiert", erzählt Sabine Heuser. "Als wir dann mit der Schul-Theatergruppe Anatevka gespielt haben, habe ich gesehen, wie ein Mensch mit ein paar dicken Strichen Farbe im Gesicht auf der Bühne dann plötzlich gewirkt hat wie ein alter Mann. Das hat mich fasziniert - wollte ich auch können."

Und Tanja? "Als wir zu Hause ganz frisch MTV im Fernsehen hatten, habe ich so mit zehn, elf Jahren ein Musikvideo gesehen", erzählt sie. "Thriller von Michael Jackson war das, wo all diese Menschen sich in Zombies verwandeln. Ich hab sofort gesagt- 'Mama, das würd' ich gerne machen'", lacht sie. Und Tanja Bettahar hat es durchgezogen.

Sie hat nachgelesen und sich Infos besorgt, hat Theater aus dem Nachschlagewerk "Deutsche Bühnen" angerufen und sich erkundigt, wie man Maskenbildnerin wird. Sie hat Praktika gemacht und dann tatsächlich auch noch Frisör gelernt - "obwohl ich das eigentlich gar nie wollte".

Und dann? "Ich hab mich in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland überall beworben", erzählt Tanja Bettahar. "In Regensburg hat's dann geklappt. Jetzt bin ich schon 16 Jahre hier - und es immer noch mein absoluter Traumberuf!"

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