Zwei neue Choreographien bietet das Theater Regensburg bei einem Ballettabend
Kunstmaler im Bilderrausch des Tanzes

Die Choreographien von Felix Landerer und Yuki Mori bieten ausdrucksstarke Bilder, wie hier in Moris Tanzstück zum Kunstmaler Francis Bacon. Bild: Bettina Stöß
Vermischtes
Regensburg
19.02.2018
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Zwei neue Choreographien bietet das Theater Regensburg bei einem Ballettabend, der unter dem Titel "BilderRausch: Klimt. Bacon" im Theater am Bismarckplatz über die Bühne geht. Eines vorweg: Ein beeindruckender Abend.

Mit dieser Produktion schaffen am Samstag der Tanzchef des Theaters Regensburg, Yuki Mori, sowie Gastchoreograph Felix Landerer einen kreativen Tanzabend auf hohem Niveau. Zur Attraktivität, dieser Produktion trägt allein schon die Thematik bei. Denn die choreographische Gegenüberstellung zweier so unterschiedlicher Kunstmaler-Charaktere wie dem Wiener Frauenliebling Gustav Klimt einerseits, und dem homosexuellen, exzessiv lebenden Briten Francis Bacon andererseits, lässt aufhorchen.

Tänzerisches Porträt

Felix Landerer gelingt es zur vom Philharmonischen Orchester Regensburg unter Leitung von Levente Török ausdrucksstark ausgeführten Musik von Max Reger und zur vom Band eingespielten Tonkunst von Christof Littmann hervorragend, Klimt choreografisch zu porträtieren. Anschaulich greifbar setzt Landerer die Liebesschwüre und die Entschuldigungen des "Frauenverstehers" Klimt im modernen Ausdruckstanz um und stellt durch Abstraktionen auch den inneren Konflikt des Wiener Kunstmalers heraus.

Noch wesentlich abstrakter ist Yuki Moris nach der Pause zu erlebende Choreographie über Francis Bacon angelegt. So geht er bei seiner Analyse von Bacons äußerst schwierigen Persönlichkeit und den harten Schicksalsschlägen, von welchen der britische Künstler getroffen wurde, nicht selten ins Psychologische und Tiefenpsychologische. In beeindruckend exzessiven Tanzfiguren, die oft auch den Bodentanz miteinbeziehen, charakterisiert Mori die zerrissene Persönlichkeit Bacons und sein ebenso schwieriges Umfeld, wie sein alkohol- und tablettenabhängiger Liebhaber George Dyer, der durch Suizid aus dem Leben schied.

Sehenswerte Produktion

Die Choreographie von Yuki Mori strotzt nur so von einfallsreichen Details, die man kaum alle auf den ersten Blick erfassen und begreifen kann. Um die vielen Anspielungen halbwegs zu verstehen, erfordert der intellektuelle Abstraktionsgrad der Choreographie vom Theaterbesucher schon eine vorherige Beschäftigung mit der Person Francis Bacon. Wie auch in früheren Produktionen, setzt Mori auch hier auf fließend wechselnde Besetzungen, die vom Solo über den Pas de deux bis hin zum Ensemble-Tanz reichen.

Die Musik von Dobrinka Tabakova, Arvo Pärt, Osvaldo Golijov und Henryk Mikolai Górecki ist treffend gewählt und wird vom Orchester mit Leidenschaft interpretiert. Das gilt auch für den Solisten Tomasz Skweres bei der Ausführung von Tabakovas Cellokonzert.

Die zehnköpfige Tanzcompagnie agiert in beiden Choreographien des Abends durchwegs auf hohem Niveau bis in die Fingerspitzen. Komplettiert wird die sehenswerte Produktion durch die gut abgestimmten Bühnenbilder und Kostüme von Dorit Lievenbrück beziehungsweise Katharina Meintke. Der Premierenapplaus war zurecht intensiv und anhaltend.
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