07.03.2018 - 21:08 Uhr
Regensburg

Auftakt des Jubiläums der IHK Regensburg Spannende Geschichte über 175 Jahre

Bereits 1845 forderte die Handelskammer Regensburg eine Aufhebung der Transportzölle nach Nordamerika. Und schon damals kam es zum Ruf nach Schutzzöllen, zum Beispiel gegenüber der überlegenen Stoff-Herstellung in England. Das Bemühen um Ausgleich - zwischen den Befürwortern des freien Warenaustausches und protektionistischen Bestrebungen - zieht sich wie der berühmte "rote Faden" durch 175 Jahre Industrie- und Handelskammer Regensburg (für Oberpfalz/Kelheim). Darauf verweist IHK-Präsident Gerhard Witzany bei einer Pressekonferenz anlässlich des außergewöhnlichen Jubiläums.

Plakativ führt eine Wanderausstellung durch die 175-jährige Geschichte der IHK. Von rechts: Schriftstellerin Barbara Krohn, Historiker Dr. Gerd Burger, IHK-Präsident Gerhard Witzany und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes, "der die Verortung der IHK in der gesamten Region" unterstreicht. Bild: cf
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

"Viele Themen haben sich in den letzten 175 Jahren unwesentlich verändert", meint Witzany mit Blick auf die Verkehrsinfrastruktur: Dem Ausbau des Eisenbahnnetzes und der Binnenschifffahrt folgten die Straßenverbindungen, bei denen heute die sechsspurige Autobahn A 3 ganz oben den Wunschkatalog der IHK anführt. Eine "zentrale Aufgabe" der IHK stellt die Berufsbildung dar; sie sei ein Erfolgsfaktor für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Der IHK-Präsident ("die Wirtschaft in Ostbayern ist stark wie nie") erinnerte an "einfallsreiche Unternehmer" wie Georg Baumann aus Amberg oder einen "Querdenker" wie den Porzellanunternehmer Wilhelm Seltmann aus Weiden. Er war übrigens der erste IHK-Präsident, der nicht aus Regensburg stammte. Seltmann wollte "die Oberpfalz aus der Randlage an der Ostgrenze befreien".

"Geschichte entsteht aus Geschichten": Einen Spannungsbogen über 175 Jahre gestaltet die Regensburger Schriftstellerin Barbara Krohn ("Rosas Rückkehr") in Zusammenarbeit mit dem Historiker Dr. Gerd Burger: In elf literarisch anmutenden Biografien bereiten sie die Lebenswege, An- und Einsichten von elf prägenden Unternehmer-Persönlichkeiten seit 1843 auf. Krohn: "Wir haben nichts erfunden, sondern die Zusammenhänge recherchiert." Dabei wird auch die Nazi-Zeit mit der Arisierung der Schwarzhaupt-Villa nicht unter den Teppich gekehrt.

"Das Buch ,11 Geschichten aus 175 Jahren IHK' stellt ein großes Stück Zeitgeschichte dar", betont IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes. Als eines der größten aktuellen Probleme betrachtet Helmes den Fachkräfte-Mangel.

Bei den Ausbildungsplätzen gebe es in der Oberpfalz einen "deutlichen Überhang" gegenüber potenziellen Bewerbern. "Wir wünschen uns Gesetze zur qualifizierten Einwanderung und bessere Rahmenbedingungen für berufstätige Mütter." Bereits jede fünfte Investition im Ausland sei durch die Suche nach Fachkräften getrieben.

Verärgert zeigt sich Helmes in diesem Zusammenhang über den langjährigen Kooperationspartner der IHK, die Universität Pilsen: Sie sagte Reisen ihrer Studierenden zu ostbayerische Unternehmen ab, "weil die Sorge besteht, dass sie arbeitsmäßig hier kleben bleiben". Aus diesem Grund seien auch keine gemeinsamen Arbeits-Messen mehr zustande gekommen. Im Vergleich zu Osteuropa unterstreicht der IHK-Hauptgeschäftsführer die hohe Rechtssicherheit in Deutschland als klaren Standortvorteil. Keine Region in Bayern sei Export-stärker als die Oberpfalz.

Den Unternehmen fehlen Fachkräfte, nicht Akademiker.IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes
Die Digitalisierung funktioniert nur mit unterbrechungsfreier Stromversorgung.IHK-Präsident Gerhard Witzany

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