13.09.2017 - 18:44 Uhr
RegensburgOberpfalz

Region stellt sich Wandel zum E-Auto Blogger unter Strom

Die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) öffnet heute in Frankfurt. Branchenkenner bezeichnen die diesjährige Fachmesse als "Messe des Übergangs". Hersteller überschlagen sich mit Ankündigungen zum E-Auto. Die Wirtschaft in der Region macht den Wandel mit - ein Blogger prüft alles ganz genau.

Volkswagen präsentiert auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt seine neuen Modelle. Die Branche pendelt in diesem Jahr zwischen innovativen Elektromodellen und gewinnbringenden SUV. Bild: Arne Dedert/dpa
von Dominik Konrad Kontakt Profil

"Ich war unzufrieden mit der Situation. Ich habe festgestellt, ein Elektroauto wäre für mich besser", erläutert Thoralf Will. Der Blogger begann im Mai 2016 zum Thema Elektroautos zu recherchieren und darüber zu berichten. "Ich habe vorher auch schon gerne geschrieben. Bei dem Thema habe ich viele Rückmeldungen bekommen. Die Leute waren dankbar." Er unternahm Testfahrten, prüfte Reichweite, Preis und Verfügbarkeit von Ladestationen. Für den 40-jährigen Regensburger, der für T-Systems in München arbeitet, begann ein mühevoller Weg bis zum Kauf.

Bis E-Autos massentauglich werden, ist noch viel zu tun. Das Regensburger BMW-Werk ist aber auf dem Weg: "Es ist die Aufgabe jedes Werks, fähig zu sein, Elektrofahrzeuge zu bauen", sagt Andreas Sauer, Pressesprecher für BMW in Regensburg. Das bedeute in erster Linie Weiterbildung der Mitarbeiter. "Da gibt es Schulungen, dass man in der Lage ist, mit den Hochvoltmotoren richtig umzugehen." Außerdem müsse die Werksstruktur das hergeben: "Du musst in der Lage sein, die Veränderungen in der Produktion baulich umzusetzen." Nach Einschätzung des BMW-Konzernchefs Harald Krüger besitzen im Jahr 2025 etwa 15 bis 25 Prozent aller verkauften Autos einen Hybrid- oder Elektroantrieb. BMW in Regensburg sei bereit, um im Wettbewerb mit anderen BMW-Standorten in Zukunft den Zuschlag für die Produktion eines Elektroautos zu bekommen, sagt Sauer.

Reichweite nicht realistisch

Auch der Automobilzulieferer Continental steht unter Strom: Regensburg ist der Hauptstandort für die sogenannte "Powertrain"-Abteilung. Sie hat mit dem 48-Volt Antrieb eine Lösung zur Hybridisierung von Diesel-Fahrzeugen entwickelt. Der kleine Elektromotor unterstützt den Diesel. "Wir erreichen eine Einsparung von bis zu 21 Prozent", sagt Pressesprecherin Simone Geldhäuser.

Zum Start der IAA in Frankfurt überschlagen sich die Hersteller mit Ankündigungen zur Elektromobilität. Doch Blogger Will übt erst einmal ganz grundsätzliche Kritik: Beispiel NEFZ-Wert (Neuer Europäischer Fahrzyklus): Er gibt Auskunft über die Reichweite der Fahrzeuge. Die stimme aber nicht, meint Will. Der europäische Standard sei "kompletter Blödsinn". Ähnlich wie beim Benzinverbrauch werden in der EU Laborwerte verwendet. Ein Elektroauto mit einer angeblichen Reichweite von 400 Kilometern schaffe je nach Wetterlage vielleicht 250 Kilometer, oder 300 - wenn man sich zurückhalte. "Man kommt schon 400 Kilometer weit, aber dann fährt man nicht Auto, dann schleicht man, dann bremst man nicht und dann braucht man eine Strecke, wo das geht."

Sauer kennt die Diskussion: "Ich war als BMW-Repräsentant in Brüssel dabei. Ich habe die Debatten miterlebt zwischen Umweltverbänden, EU-Kommission und Autoverbänden." Die Hersteller müssten diesen Laborwert erzeugen, um eine Straßenzulassung zu bekommen. "Man darf den politischen Willensbildungsprozess nicht vergessen", sagt der 50-Jährige. Solche Dinge brauchen Zeit. Will vermutet, "dass die Automobil-Lobby mit irgendwelchen Tricks die Werte schönen will". Er behelfe sich mit den Angaben der US-Behörden. Diese seien realistisch.

Nicht für jeden

Klar sei jeder erst einmal begeistert vom E-Auto, findet Will: "Ich möchte denjenigen sehen, der sich 'ne halbe Stunde in ein Elektroauto setzt und sagt, das war nicht cool. Die Leute sagen ,boa ist das leise, boa beschleunigt der gut'." Was fehle, seien genug Ladestationen: Wenn er mit seinem neuen Hyundai Ioniq Electric seine Eltern in Westbrandenburg besucht, macht er auf der Acht-Stunden-Fahrt viermal 15 Minuten Pause, um sein Auto aufzuladen. Man müsse einfach sehen, ob man damit zurecht kommt, meint Will.

Elektromobilität in der Oberpfalz

Der Landkreis Tirschenreuth meldet 35 Elektroautos und 71 Hybridautos. Im Landkreis Neustadt/WN sind 48 Elektrofahrzeuge und 118 Hybridfahrzeuge unterwegs. Die Weidener Zulassungsstelle verzeichnet 29 Elektrofahrzeuge und 89 Hybridfahrzeuge. In Amberg sind 49 E-Autos und 172 Hybridautos registriert. Der Landkreis Amberg-Sulzbach meldet 109 rein elektrische und 215 Hybrid-Fahrzeuge. Die Zulassungsstelle für den Landkreis Schwandorf registriert 99 Elektrofahrzeuge und 305 Hybride. In der Region gibt es laut der Internetseite goingelectric.de insgesamt 68 Elektrotankstellen. (dko)

Die Amis schieben an - Angemerkt von Dominik Konrad

Der beschleunigte Umstieg der deutschen Autobauer auf den Elektroantrieb kommt  nicht ganz freiwillig. Hätten die US-Behörden nicht den Diesel-Betrug aufgedeckt, Manager und Ingenieure würden sich wohl noch lange in den Chefetagen lobend gegenseitig auf die Schultern klopfen. Deutsche und europäische Behörden haben vorher alle Augen zugedrückt. Und dann noch das: Der amerikanische Investor Elon Musk droht mit seinem Elektro-Tesla in das Premiumsegment der Automobilbranche vorzudringen. Der Wall-Street-Liebling kann seinen Investoren fast alles verkaufen: Vom Online-Bezahldienst Pay-Pal bis zu wiederverwertbaren Weltraumraketen (Space-X). Der Unternehmer mit den radikalen Ideen macht sich aus der Ferne gerade um den Umweltschutz und die Energiewende in Deutschland verdient. Ein Treppenwitz.

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