27.07.2017 - 21:08 Uhr
RegensburgOberpfalz

Zukunft der Stromversorgung hat bereits begonnen: Privater Mega-Trend hin zu Stromspeichern

Abschied von der "alten" Welt der zentralen Stromerzeugung: Auf Millionen von dezentralen "hochdynamischen" Energie-Einheiten stellt sich in naher Zukunft die Bayernwerk AG ein. In den Versorgungsleitungen herrscht dann verstärkt "Gegenverkehr".

Reimund Gotzel, Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG, macht aus seinem "Glauben an die E-Mobilität" keinen Hehl. Er sorgt dafür, dass die Firmenflotte schrittweise umgerüstet wird. Auf dem Foto die neue E-Ladesäule an der Regensburger Unternehmenszentrale. Bild: Bayernwerk
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Einen faszinierenden Blick auf die kommenden Jahre der Stromversorgung werfen Bayernwerk-Vorstandsvorsitzender Reimund Gotzel und sein Vorstandskollege Dr.-Ing. Egon Leo Westphal. In der "ersten Phase" der Energiewende brachte das Bayernwerk im Freistaat (außer Schwaben) 270 000 Photovoltaik-Anlagen ans Netz: vorwiegend in ländlichen Regionen. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in Bayern beträgt inzwischen 60 Prozent (8000 Megawatt, MW). Davon muss das Bayernwerk rund 3700 MW in das europäische Verbundnetz einspeisen.

Spannend wird es, wenn in wenigen Jahren die ersten PV-Anlagen - mit bisher "Riesen-Renditen" von mehr als 50 Cent/kWh - aus der EEG-Förderung fallen. "Die Lösung liegt dann in den Speichern." Schon jetzt erkennt Gotzel einen starken Trend dazu: In den vergangenen 18 Monaten schloss das Bayernwerk mehr als 2000 Strom-Speicher an. Die Manager erwarten bei den Lithium-Ionen-Batterien einen starken Preisrückgang. "Auch jedes E-Auto stellt einen Speicher dar."

292 E-Ladesäulen

Skeptisch sehen Gotzel und Westphal die "sozialen Verwerfungen" über die EEG-Umlage auf den Strompreis. Von den seit 2010 ausbezahlten 150 Milliarden Euro EEG-Umlage profitierten fast ausschließlich die Immobilien-Eigentümer. Die Staatsregierung habe erkannt, "dass es so nicht weitergehen kann": "Die staatliche Subvention ist gesellschaftlicher gerechter, als die Umlage über den Strompreis."

Jedenfalls setzt die Bayernwerk-Spitze schon in naher Zukunft auf die ortsnahe Erzeugung der Energie und ihren lokalen Verbrauch ("spart Investitionen") sowie ein "intelligentes Energie-Management": Während der "Abtransport" aus wenigen Großkraftwerken entfällt. Gotzel und Westphal betrachten das Stromnetz als eine Art Internet: "Wir stellen die komplette digitale Plattform als Energie-Dienstleister zur Verfügung."

Die künftige Wertschöpfung des fast 100 Jahre alten Bayernwerks mit derzeit 2,3 Millionen Anschlüssen liege eindeutig im Netzbetrieb. Gotzel glaubt persönlich an die E-Mobilität. Noch in 2017 stellt das Bayernwerk 292 Ladesäulen auf ("auch psychologisch wichtig") und bietet eine E-Flatrate zu 49,95 Euro im Monat.

Wir sind nicht die Preistreiber. Unsere eigenen Kosten beim Strompreis sind seit Jahren gesunken.Reimund Gotzel, Vorstandsvorsitzender Bayernwerk
Die Zukunft liegt im Energienetz statt im Verteilnetz.Dr.-Ing. Egon Leo Westphal Mitglied des Vorstands Bayernwerk AG

 

 

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