Wandern rund um das Golddorf Ramspau
Ein Dorf wie aus dem Bilderbuch

Das Ramspauer Schloss (links) und die Pfarrkirche St. Laurentius.
Freizeit
Regenstauf
12.05.2017
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Eigentlich ist diese Idylle fast schon übertrieben. Zwischen Fluss und bewaldeten Hügeln eingebettet liegen die Häuser, das sattgelbe Schloss bekrönen vier stattliche Zwiebeltürme wie aus dem Bilderbuch.

Und natürlich wird das Ambiente ergänzt durch eine Kirche – eine Anlage mit Elementen aus Gotik, Barock und Neuklassizismus, die gleichsam für ein Nebeneinander verschiedener architektonischer Stilepochen inmitten der ländlichen Natur sorgt. Um das ganze auch so recht zu genießen, liegt der Biergarten mit seinen alten Kastanienbäumen strategisch günstig zwischen Schloss und Kirche.

Keine Frage: Ramspau ist ein Golddorf. Genau diesen Titel trägt der kleine Ort im Regental nördlich von Regenstauf auch. Der Name wurde dem Ort, der vor einiger Zeit seine 1000-Jahr-Feier beging, offiziell verliehen. Es gibt hier ein Gasthaus, einen Metzger, eine Schule, ein Feuerwehrhaus und einen gut besuchten Sportverein. „Perle des Regentals“, so könnte man das Dorf auch nennen. Genau der richtige Ort also, um die Gegend zu erkunden. Und zwar zu Fuß. Denn: Wanderwege gibt es genug hier im Regental, von dem Gerhard Besenhard schreibt: „Es fällt mir schwer, die Faszination, welche von dieser Gegend ausgeht, in Worte zu fassen.“

Der „Wanderführer Regental“, den Gerhard Besenhard nun im Regenstaufer Battenberg Gietl Verlag herausgegeben hat, ist eine Einladung an alle, den Reiz der Heimat zu entdecken. „Warum in die Ferne schweifen? Sieh das Gute liegt so nah.“ Wie wahr. Und wie gut, dass es nun neben den verblichenen Wanderkarten im Gemeindegebiet Regenstauf eine griffige Anleitung zum Losmarschieren in Taschenformat gibt.

„Rund um das Golddorf Ramspau“ ist einer der Wanderwege, die der neue Wanderführer vorstellt. Mit sechs Kilometern und einer etwas optimistisch und wohl ohne Kinderbeteiligung berechneten Dauer von anderthalb Stunden gehört er zu den leichten Touren des Buches. Aber auch für kleine Fußgänger ist die Strecke absolut machbar – wenn auch nicht in der vorgegebenen Zeit. Schließlich beinhaltet die Tour auch einen Badeplatz am Regen mit seichtem Wasser und minimaler Strömung und einen Spielplatz beim Wirtshaus „Ramspauer Hof“.

Los geht es also. Am Parkplatz bei der Touristen-Info in der Dorfstraße bleibt das Auto stehen. Und zwar im Schatten der ersten Sehenswürdigkeit auf dem Weg: Die Pfarrkirche St. Laurentius verweist auf die lange Geschichte des so beschaulich wirkenden Dorfes. Die Pfarrei Ramspau nämlich besteht bereits seit 1321. Noch nicht so lange wie das Dorf selbst. Dieses wurde in einer Urkunde von 1011 erstmals als „Randesbure“ erwähnt.

Die heutige Kirche wurde 1761 errichtet und zu Beginn des 20. Jahrhunderts umgebaut. Sie ersetzt einen gotischen Vorgängerbau an derselben Stelle. An der Außenmauer sind Epitaphien ehemaliger Schlossbewohner eingelassen. Der neue Friedhof liegt einige Schritte weiter „am Bauernberg“. Und hier geht es auch bei der Wanderung weiter: Kurz nach der Kirche biegt der Weg nach links auf die gleichnamige Straße ab.

Gleich darauf geht es auch aus Ramspau hinaus – vorerst zumindest. Einen Blick auf das Dorf erhascht man noch einmal auf der Anhöhe, die man erreicht, wenn man nach Ortsende etwa 100 Meter bergauf geht. Achtung: Hier gibt es zwei Pfade, beide führen aber ans gleiche Ziel.

Nach einen Blick aufs Regental – hier steht auch die erste Bank zum Verweilen – führt der Weg in den Wald. „Immer dem mit grün gekennzeichneten Wanderweg folgen, bis wir auch die Hochstraße (Forststraße) treffen“, heißt es im Wanderführer. Dort steht auch eine Hinweistafel zur später auf dem Weg liegenden Burg.

Das Dickicht das Waldes wird an dieser Stelle fast noch übertroffen durch das der Wegweiser. Missbilligend äußert sich hierzu auch Gerhard Besenhard: „Viele Wegweiser geben uns wieder mal mehr als ein halbes Dutzend Möglichkeiten. So mancher tut sich dann schwer, den rechten Weg zu wählen“, heißt es an diesem Knackpunkt.

Also Vorsicht: An der Hochstraße angelangt, geht es auf eben dieser links weiter in Richtung Regenstauf (nun der rote Wanderweg). An der nächsten von links kommenden Forststraße wird einige Zeit später abgebogen. Nun geht es am Schreinerberg leicht bergauf, anschließend wieder hinunter. Auch wenn man sich nun bereits wieder auf dem Rückweg nach Ramspau befindet, ist Wachsamkeit weiterhin angesagt – zumindest für diejenigen, die die Burgruine nicht verpassen wollen. „Wer jetzt einen Abstecher dorthin machen möchte, muss gut aufpassen, denn der Weg dorthin ist nicht ausgeschildert“, heißt es in der Wegbeschreibung. Wer also den zweispurigen Weg, der irgendwann halbrechts bergab führt, findet, passiert zunächst ein inmitten des Waldes gelegenes Feld und gelangt schließlich zum Bergfried der Burgruine Ramspau.

Erbaut wurde das Castrum Ranspawren um die Mitte des 13. Jahrhunderts. Im Dreißigjährigen Krieg gab man die Burg auf. Große Teile wurden abgetragen und als Baumaterial für das neue Schloss weiter unten am Regen genutzt. Sichtbar ist noch der Eingang der Anlage an der Ostseite. Unterhalb des Bergfrieds gibt es außerdem die Reste zweier mittelalterlicher Keller. Bei der optischen Besichtigung sollte es dann auch bleiben. Denn: „Bitte den Bergfried nicht betreten oder besteigen, da er schon recht baufällig ist“, warnt Gerhard Besenhard.

Nach diesem Abstecher führt der Weg zurück auf die Forststraße und auf dieser den Schlossberg weiter hinab. Ein Trafohäuschen mit Funkmast dient hier als wenig stimmungsvoller, dafür aber markanter Orientierungspunkt. Der Pfad schlängelt sich bergab, bis der Wanderer schließlich auf die Asphaltstraße und das Ortsschild von Ramspau trifft.

Nun ist es an der Zeit, das wahrhaft pompöse Schloss, das den Ankömmling nun wieder in Empfang nimmt, genauer in Augenschein zu nehmen. Das Gebäude ist eine barocke Anlage, die geprägt ist von vier Ecktürmen mit großen Zwiebelkuppen. Der Bau war gegen 1726 vollendet und befindet sich nach wie vor in sehr gutem Zustand.

Obwohl der Ausgangspunkt nun wieder erreicht ist, bietet sich die Möglichkeit, den Rundgang um Ramspau noch zu erweitern: Gegenüber des Schlosses führen einige Stufen hinab zur Brücke über den Regen. Hat man den Fluss überquert, geht es sofort nach links in Richtung Flussbad. Mit vollem Blick auf das Golddorf und kleinem Sandstrand kann diese Badestelle wohl als eine der schönsten weit und breit durchgehen. Die nächste Brücke ist von hier aus schon in Sichtweite. Nachdem der Wandersmann auf diesem zweiten Übergang nochmals den Regen überquert hat, geht es an der nächsten Kreuzung links wieder ins Dorf hinein. Der Dorfstraße folgt die Route dann bis zurück zum Parkplatz.

Oder auch nicht. Kurz vor dem Ziel lockt nämlich noch der Ramspauer Hof mit einem der Schönheit des Ortes durchaus angemessenen Biergarten. Das Essen ist hier ausgezeichnet, vom Bier sagt man das gleiche. Das leibliche Wohl rundet die Idylle nun ab. Eine Idylle, die fast schon übertrieben ist.


Tipps zur Route


Ausgangspunkt: Die Wanderung beginnt bei der Touristeninfo in Ramspau, Dorfstraße 2.

Streckenbeschreibung: Die Strecke ist als leicht eingestuft. Sie erstreckt sich von Ramspau ausgehend über die Hochstraße, zurück nach Ramspau, zum öffentlichen Badeplatz und dann wieder in den Ortskern. Am Anfang gibt es eine leichte Steigung Die Dauer ist bei gutem Tempo auf 1,5 Stunden angesetzt. Auch mit stabilen Kinderwägen ist die Tour zu bewältigen.

Sehenswürdigkeiten: Am Wegesrand liegen das barocke Schloss und die Pfarrkirche St. Laurentius.

Einkehr: Der Ramspauer Hof befindet sich in der Dorfstraße 5. Öffnungszeiten sind täglich von 10 bis 1 Uhr. Montag ist Ruhetag. Außerdem gibt es in Ramspau den Gasthof Kriegner in der Alten Leonberger Straße 1. Die Öffnungszeiten müssen erfragt werden (Telefon 09402 4605).

Buchtipp: Der „Wanderführer Regental“ von Gerhard Besenhard ist im Battenberg Gietl Verlag (Buch- und Kunstverlag Oberpfalz) erschienen und kostet 14,90 Euro.

Downloads:
Ramspau-Tour (GPX)
Tour-Variante (GPX)
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