08.07.2017 - 12:10 Uhr
RegenstaufOberpfalz

Staatssekretär mit 95 Prozent als Oberpfälzer CSU-Bezirksvorsitzender bestätigt Füracker darf weiter ackern

„Es gibt überhaupt keinen schöneren Anlass, als den Geburtstag beim Bezirksparteitag der CSU zu begehen“ – der Chef hat für jeden ein Bonmot parat an diesem sonnigen Samstag in Regenstauf. Es ist Zeit für die Wiederwahl von Albert Füracker, und die CSU Oberpfalz möchte ein starkes Signal aus der Jahn-Halle in Regenstauf aussenden – und das tut sie: Der Staatssekretär im Finanz- und Heimatministerium kommt auf 95 Prozent.

Ankunft des Ministerpräsidenten: Horst Seehofer erkennt die neue Macht aus der Oberpfalz an und der neue und alte CSU-Bezirkschef lässt sich gerne mit seiner möglichen Beförderung aufziehen. Bild: Herda
von Jürgen Herda Kontakt Profil

„Alles mit einer 9 vorne ist für mich mehr als in Ordnung“, hatte Füracker noch vergangene Woche im Redaktionsgespräch gesagt. Deshalb kann der Neumarkter die Wahl – trotz vier Prozentpunkte Verlust – freudestrahlend annehmen. Und er schlägt gleich seine bewährten Stellvertreter zur Wiederwahl vor.

In einer Sammelabstimmung sprechen die Delegierten Alexander Flierl (150 von 180 Stimmen, Kreisvorsitzender Schwandorf), Andreas Meier (161 Stimmen, Landrat Neustadt/WN), Harald Schwartz (155 Stimmen, MdL aus Amberg), Sylvia Stierstorfer (158 Stimmen, „unsere Rose, wir sind nur die Dornen“, stellvertretende Landrätin im Landkreis Regensburg) das Vertrauen aus.

Der verfrühte Seehofer

Weil Ministerpräsident Horst Seehofer unerwartet etwas früher kommen soll, gibt Füracker gleich zu Beginn Gas. „Wir müssen ein bisschen auf die Tube drücken“, sagt er, „in Ihrem Sinne, weil es angesichts dieses Wetters die ein oder andere alternative Idee gibt, den Tag zu verbringen.“ Und er selbst drückt nicht nur aufs Tempo, sondern auch auf die Stimmbänder – mit Verve nutzt er den Rechenschaftsbericht für seine Bewerbung.

„Was die Mitgliederdichte anbelangt“, sorgt er für die geschwellte Brust der Parteifreunde, „im Verhältnis zu den Einwohnern gibt’s nirgends mehr Mitglieder.“ Die Frage, die die Partei zu beantworten habe: „Wie geht es unserer Heimat, wie geht es den Menschen in unserer Heimat“, will Füracker wissen, „und haben wir als CSU daran den maximal möglichen Anteil.“ Die Antwort: „Noch nie ging es der Oberpfalz so gut, und die CSU hat daran einen erheblichen Anteil.“

Die Oberpfälzer Schwarzen seien mitverantwortlich, dass die CSU in Bayern schon fast 70 Jahre regiere: „Gut, die Wittelsbacher waren fast 700 Jahre dran“, scherzt der Bezirkschef, „man soll dem Herrgott nach oben keine Grenzen setzen.“ Die arme Steinpfalz sei früher belächelt worden: „Heute lacht niemand mehr über uns.“

„Genug Zeit, um zu verlieren“

12 der nächsten 13 Jahre seien Wahljahre: „Ob es das in der Geschichte der Bundesrepublik schon mal gab, weiß ich nicht so genau“, sagt Füracker. Parteichef Seehofer habe dafür die passende ironische Warnung parat: „Gemach, gemach, wir haben noch genügend Zeit, die Bundestagswahl zu verlieren.“ Denn politische Stimmungen könnten sich innerhalb von Tagen wandeln. Siehe SPD-Achterbahnfahrer Schulz und die Saarland-Wahl.

Deshalb kämpfe der Frontmann der Oberpfälzer CSU um jede Stimme: „Wenn wir weniger als 49 Prozent bekommen, heißt es, die CSU hat verloren – darauf habe ich keine Lust.“ Mit 49,3 Prozent habe die CSU Oberpfalz zuletzt drei Listenabgeordnete nach Berlin schicken können: „Dann ist Astrid Freudenstein wieder im Bundestag, und Reiner Meier, wenn wir 52 haben, bist du auch dabei.“

Man sei zusammen nicht deswegen in der CSU, „weil wir alle immer die besten Freunde sind“. Führung heiße auch, manchmal etwas zu sagen, dass nicht jedem gefalle. Eine Gratwanderung sei das manchmal gewesen die letzten zwei Jahre. „Es war nicht immer ganz einfach“, bekennt Füracker, er verspreche aber auch künftig: „Ich kümmere mich gerne, einmischen werde ich mich nur in dem Maße, dass wir ein Miteinander erzeugen, dass uns stark macht.“

„Jeder bekommt, was er braucht“

Die CSU in der Oberpfalz könne miteinander, das zeige das Parteiprogramm „Oberpfalz 2020 plus“: „Wir denken darüber hinaus.“ Von neun Oberpfälzer Landtagsabgeordneten seien zwei im Kabinett vertreten, drei seien Ausschussvorsitzende. „Wir können uns sehen lassen.“ Auch auf Bundes- und Europa-Ebene: „Albert Dess ist der führende Kopf in der EVP-Fraktion zum Thema Landwirtschaft.“

Und Füracker habe sich bemüht, die Oberpfalz noch intensiver kennenzulernen: „Gerecht ist es dann, wenn jeder bekommt, was er braucht.“ Und dabei sei es auch nicht ehrenrührig, stolz auf die Erfolge zu sein. „Wir haben es als Oberpfalz nicht nötig, uns dafür zu entschuldigen, dass wir fleißig sind, dass wir Erfolg haben.“ Die niedrigste Arbeitslosigkeit in ganz Bayern sei das eine, die Qualität der Arbeitsplätze die eigentlich positive Nachricht: „In den letzten zehn Jahren ist das pro-Kopf-Einkommen bei uns um 40 Prozent gestiegen, in Bayern nur um 31 Prozent.“

Zwischen 2007 und 16 seien 76.000 zusätzliche sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden: „In unserem Programm steht, wir wollen bis 2021 Vollbeschäftigung, meine Damen und Herren, die Oberpfalz hat Vollbeschäftigung im Jahr 2017.“ Man stehe auch zum Ausbau von Infrastruktur, aber entscheiden sollten deren Notwendigkeit ausschließlich die Kommunen.

Spielräume ermöglichen

„Analog und digital muss das Ziel sein“, auch Güter müssten bewegt werden. „Wir haben den Kommunen noch nie so viel Geld geben können wie jetzt – um Spielräume zu ermöglichen.“ Nicht Entscheidungen aus München oder Regensburg seien dabei gefragt: „Was in Gemeinden geschehen soll, weiß niemand besser, als die Leute vor Ort.“

Akademiker und andere Gebildete: Die Hochschulinfrastruktur in Regensburg mit Universität, OTH und über 20.000 Studenten sei ein Leuchtturm. Aber auch in Amberg und Weiden könne sich kaum noch jemand vorstellen, wie es ohne OTH gewesen sei. „Wir haben uns aufgemacht, diese Strukturen noch weiter zu dezentralisieren.“ Aber niemals vergesse man, „dass der Mensch nicht erst dann beginnt, wenn er einen akademischen Grad erreicht“.

Landwirtschaft: „Wir sind die einzige Partei, die sich dazu bekennt, dass Landwirtschaft Unterstützung braucht, und die Bauern nicht diskriminiert.“

Digitalisierung: Sie schaffe Freude, löse aber auch Ängste aus. „Schafft dieser nächste Schritt Arbeitsplätze nur für Maschinen?“ Die CSU kämpfe dafür, Arbeitsplätze nach Deutschland zurückholen. Das ermögliche die Digitalisierung, weil Prozesse noch effektiver gestaltet werden könnten. Ausbau des Breitbands, von Mobilfunk und auch 5G stünden auf der Agenda: „Wir fordern auch, dass hier in der Oberpfalz ein Testfeld entsteht.“

Stromtrassen: Sie bereiteten keine Freude, weil man hier besonders betroffen sei. „Aber ich muss zur Kenntnis nehmen, dass nach langer Diskussion der Deutsche Bundestag entschieden hat.“ Die Abgeordneten seien im engsten Kontakt mit den Betreibern, um die Nachteile für alle Betroffenen so gering wie möglich zu halten. Eine wiederkehrende Entschädigung für alle Eigentümer sei ein Instrument dazu.

Integration: „Emilia, das schwierigste Thema hattest du, und du hast es mit der notwendigen Härte auch sehr gut gehandelt.“ Wenn dann Horst Seehofer noch über Familien, Senioren und Generationengerechtigkeit spreche, sei das CSU pur.

Der Kandidat beim Schlussspurt: „Ich ziehe diesen Karren gerne, aber ich bin ohne euer Mitziehen, ohne euer Mitschieben hilflos.“ Füracker wisse: „Ich bin nicht immer bequem“, er sei bekannt dafür, auch mal was zu sagen, wo einige fragten, „hätt’s jetzt das gebraucht?“ Da müsse er auch mal sagen, „ok, tut mir leid, ich habe übers Ziel hinausgeschossen“.

Aber der Vorsitzende wolle berechenbar sein, man solle wissen, wie der Bezirksvorsitzende ticke, was er wahrscheinlich sagen werde. „Ich will euch begeistern, die CSU kann miteinander – lasst uns heute diese Einigkeit demonstrieren, senden wir ein Signal, ich bitte euch ganz herzlich um euer Vertrauen, ich biete euch meinen vollen Einsatz.“

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