06.05.2018 - 22:40 Uhr
RegenstaufOberpfalz

DB Netz informiert über Stand des Bahnausbaus Nordostbayern Keine leichte Baustelle

"Wir haben einen weiten Weg vor uns", macht Robert Hanft, Projektverantwortlicher der DB Netz AG deutlich, dass die Elektrifizierung auf einer Länge von 330 Kilometern keine einfache Baustelle wird. Bei aller Zustimmung zum Fernziel sind die Markträte in Regenstauf deshalb skeptisch.

Robert Hanft (rechts), Projektverantwortlicher der DB Netz AG. Bild: Herda
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Der Regensburger Bundestagsabgeordnete Peter Aumer (CSU) hatte ins Regenstaufer Rathaus geladen, um die Markträte der betroffenen Gemeinden auf den neuesten Stand zu bringen - der freilich hat sich seit der Lärmschutz-Zusage von Ex-Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt nicht mehr verändert. Vielleicht gerade deswegen erinnert Aumer ein weiteres Mal daran, dass die Stadt Regensburg im Verkehr zu ersticken drohe: "Der Bahnausbau und die damit einhergehende Elektrifizierung entlang der Strecke Hof-Marktredwitz-Regensburg ist eines der wichtigsten anstehenden Verkehrsprojekte im Raum Regensburg." Er sei für den Wirtschaftsraum Regensburg essenziell.

DB-Vertreter Hanft verwies auf die bekannten Fakten: Die Elektrifizierung der Strecke eröffne neben dem Rheintal- und dem Ostkorridor eine dritte Nord-Südachse für den Warentransport von den Seehäfen.

  • Dabei gliedere sich der so genannte Ostkorridor Süd, die 188 Kilometer lange, zweigleisige Verbindung zwischen Hof und Regensburg (Obertraubling), in drei Einzelprojekte: Den nördlichen, bereits früher beauftragten Teil von Hof bis Marktredwitz, den 138 Kilometer langen Hauptteil weiter bis Regensburg und den acht Kilometer umfassenden dreigleisigen Ausbau bis Obertraubling.
  • Die beiden Projekte Nürnberg bis Marktredwitz und Marktredwitz bis zur Grenze bei Schirnding bildeten eine West-Ost-Achse, die auf einer Länge von rund 140 Kilometern elektrifiziert werden soll und als Verbindung nach Tschechien diene.

Wie beim Großprojekt Stromtrassen befindet sich auch der Bahnausbau erst am Beginn von verschiedenen Planungsprozessen: In diesem Jahr würden die DB-Ingenieure vor allem mit der Planung von Varianten beschäftigt sein. "Mit dem Abschluss der Grundlagenermittlungen, den ich für die Mehrzahl der Strecken im kommenden Jahr erwarte, werden wir einen ersten Meilenstein erreicht haben", kündigt Hanft an. "Dann werden wir auch mehr wissen über Kosten und die weiteren Schritte bis hin zu einer Umsetzung unserer Planungen."

Wann die Anliegergemeinden entlang der Bahnstrecke konkrete Daten zum Ausbau erwarten dürften, hakt Christoph Häusler, Bereichsleiter ÖPNV und Verkehrsentwicklung im Landratsamt Regensburg nach. Dort habe man sich bereits Gedanken über mögliche neue Haltepunkte gemacht, die man zeitnah mit den Gemeinden abstimmen wolle.

Nach Abschluss der Abstimmungen mit den Kommunen zwischen Nürnberg und Marktredwitz, wolle man sich in der zweiten Hälfte des Jahres mit den Gemeindevertretern entlang des Ostkorridors Süd - also vor allem zwischen Marktredwitz und Regensburg zusammensetzen. "Wir wollen transparent vorgehen", verspricht Hanft. "Hier ist für Sie auch Gelegenheit Ihre Vorstellungen einzubringen - etwa zu möglichen neuen Haltestationen."

Per Funkruf übers Gleis

Der Teufel liegt oft im Detail. Während Politiker und Bahn die großen Linien im Blick haben, verzweifelt der Wenzenbacher Gemeinderat und Landwirt Johannes Wiesbeck über die alltäglichen Hürden, die ihm und etwa 20 Kollegen die Arbeit erschweren: "Wir müssen am Tag 20-mal über die beschrankten Bahnübergänge in Wenzenbach oder Zeitlarn", erzählt er. "Das ist eine Technik aus dem Mittelalter, da muss man per Funkruf ankündigen, wenn man übers Gleis will." Die Wartezeit betrage bis zu einer dreiviertel Stunde. "Darüber beschweren wir uns seit 30 Jahren - gebracht hat's nichts."

Die Elektrifizierung solle auch zusätzliche Haltestellen ermöglichen, verspricht die Bahn. "Stadt und Landkreis Regensburg untersuchen derzeit verschiedene Varianten in einem gemeinsamen Gutachten", sagt Christoph Häusler . Er sehe zum Beispiel gute Chancen für eine Wiedereröffnung des Walhallabahnhofes in Regensburg: "Man hat sich geeinigt, die Wiederinbetriebnahme und die Anbindung an das Straßennetz der Stadt Regensburg getrennt zu betrachten."

DB-Netz-Vertreter Robert Hanft bestätigt die Möglichkeit zusätzlicher Haltestellen: "Ausgebaut wird nach Bedarf." Die Bahn selbst könne diese aber nicht bauen. Wer dafür aufkomme, müsse erst geklärt werden. Die Investitionen für die Elektrifizierung der Strecke, inklusive Lärmschutz, bezifferte Hanft auf rund eine Milliarde Euro. (jrh)

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