AfD-Referentin weicht nach Rieden aus
Schaudern im Ganzkörperschleier

Leyla Bilge im Ganzkörperschleier: So eröffnete die 35-jährige AfD-Politikerin am Donnerstagabend ihren Vortrag in Rieden. Um den Auftritt hatte es im Vorfeld heftigen Streit gegeben. Bilder: upl (2)
Politik
Rieden
15.09.2017
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Sie ist eine der wichtigsten Wahlkampf-Helferinnen der AfD in ganz Deutschland: die Ex-Muslima Leyla Bilge (35). Seit Juni 2016 ist die aus der Türkei stammende Kurdin, die in den vergangenen Jahren Hilfslieferungen in den Irak und Syrien organisierte, Mitglied der Partei und reist seitdem in deren Diensten als Referentin durch die Lande.

Später im Minikleid

Mit markigen Worten zieht die junge Frau, die im Alter von sechs Jahren mit ihren Eltern in Deutschland Asyl fand und nach eigenen Angaben zum Christentum konvertiert ist, über den Islam her und geißelt die Politik der Bundesregierung. Ihr für Donnerstagabend geplanter Auftritt im Gasthaus Kreiner in Siebeneichen kam nicht zustande, nachdem sich in Sulzbach-Rosenberg Protest formiert hatte. Die AfD wich deswegen in die Gastwirtschaft "Zur Brücke" in Rieden aus, wo sich etwa 70 Interessierte einfanden. Störungen gab es keine.

Der etwa eineinhalbstündige Vortrag begann theatralisch. Während orientalische Musik aus den Lautsprecherboxen dröhnte, schritt Bilge in einem schwarzen Ganzkörperschleier durch die Wirtsstube, um sich wenige Minuten später in einem schwarz-rot-gold-farbenen Minikleid als westlich orientierte Muster-Deutsche zu präsentieren. "Wir brauchen uns nicht darüber zu unterhalten, ob die Scharia im Anmarsch ist. Sie ist längst da", sagte Bilge. Die 35-Jährige zitierte aus dem Koran, um zu belegen, dass der Islam frauenfeindlich sei. Auch Kinderehen und Genitalverstümmelung würden durch die Religion gerechtfertigt und der deutsche Staat mache sich zum Handlanger solcher Praktiken. Bilge behauptete sogar, CDU/CSU, SPD, Grüne und Linke würden solche Vorgänge befürworten. Die AfD-Politikerin ließ nicht nur kein gutes Haar am Islam, sondern kritisierte auch christliche Kirchenvertreter scharf. Pfarrer, die Menschen Kirchenasyl gewährten, sollten vor ein Gericht gestellt werden, sagte sie. Den "Kirchenverbänden" warf sie vor, mit der Betreuung von Flüchtlingen Geschäftsinteressen zu verfolgen, ihre Glaubensbrüder in den arabischen Krisenregionen hingegen zu verraten.

Mit "Brüllkonzert"

Besonders im Visier hatte Bilge Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Auch sie gehöre vor ein Gericht gestellt. Auf welcher Grundlage dies geschehen solle, erläuterte die Referentin nicht. Widerspruch regte sich bei der Versammlung auch keiner. Im Gegenteil.

Und AfD-Kreisvorsitzender Werner Meier kündigte für Dienstag, 19. September, gleich eine Kundgebung auf dem Luitpoldplatz in Sulzbach-Rosenberg an. "Da werden die Antifanten uns mit einem Brüllkonzert begleiten", sagte er. "Aber wir haben Lautsprecher dabei." In Sulzbach-Rosenberg hatten am Donnerstag rund 150 Menschen gegen die AfD protestiert.
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Joachim Datko aus Regensburg | 15.09.2017 | 17:44  
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